ROHRENDORF BEI KREMS KENNENLERNEN
Rohrendorf bei Krems: Weinbau, Kirche und Kellergasse
Die Gemeinde Rohrendorf bei Krems umfasst 9,77 Quadratkilometer und zählt 2.127 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Sie liegt östlich der Stadt Krems am Saubühel, wo Löss- und Konglomeratterrassen Weinberge und Kelleranlagen tragen.
Vom Gut Radingdorf zur Gemeinde
Funde aus Jungsteinzeit, Hallstattzeit und Völkerwanderungszeit belegen frühe Besiedlung. 1956 stieß man bei Schotterarbeiten auf ein langobardisches Gräberfeld. Im Jahr 1113 übergab Markgraf Leopold III. das Gut Radingdorf, das heutige Oberrohrendorf, dem Stift Melk; geistliche Grundherren bauten in dieser Zeit Weinflächen aus. Nach dem Ende der Grundherrschaft entstanden 1848 auf dem heutigen Gemeindegebiet selbstständige Gemeinden: Oberrohrendorf und Unterrohrendorf, zu dem auch Neuweidling und Neustift gehörten. Die Freiwillige Feuerwehr entstand 1879; bei ihrer Gründungsversammlung meldeten sich 52 Mitglieder. Zum fünfzigjährigen Bestehen erhielt sie 1929 eine Motorspritze, nachdem zuvor Hydrophor und Löschbrunnen die Ausrüstung geprägt hatten. Während der NS-Zeit wurden beide Gemeinden in Krems eingegliedert. 1949 vereinigte man sie wieder zur Gemeinde Rohrendorf bei Krems.
Die Kolomankirche
Mitte des 14. Jahrhunderts entstand eine gotische Kirche; 1389 wurde sie dem heiligen Koloman geweiht. Ihr Grundriss hatte damals bereits die heutige Größe, doch der Bau wurde mehrfach verändert. Im 18. Jahrhundert erhielt er eine barocke Ausstattung. Ein seitlicher Neubau von 1928 dient heute als Taufkapelle. Für die 900-Jahr-Feier 2013 wurde der Innenraum renoviert und ein barrierefreier Zugang geschaffen. Das Hochaltarbild von Josef Neugebauer aus dem Jahr 1867 zeigt den Kirchenpatron. Zwei Seitenaltarbilder schuf Martin Johann Schmidt 1787: „Maria mit dem Kind“ und „Der Tod der heiligen Scholastika“.
Lenz Mosers Hochkultur
Die Terrassen des 311 Meter hohen Saubühels wurden lange in Stockkultur bewirtschaftet: Die Reben standen eng, viele Arbeiten erfolgten von Hand. Nach dem Ersten Weltkrieg überlegte Lenz Moser, wie sich der Weinbau mechanisieren ließe. Er setzte auf größere Reihenabstände und Drähte, an denen sich die Reben seitlich ausbreiten konnten. Das Konzept stieß zunächst auf Skepsis, doch die Erträge und die Qualität übertrafen laut Gemeinde die Erwartungen. Tausende besuchten den Saubühel für Vorträge und Weingartenbesichtigungen; allein 1958/59 zählte man 20.000 Gäste. Lenz Mosers Buch „Weinbau einmal anders“ wurde in acht Sprachen übersetzt. Die Hochkultur veränderte den Anbau auch über Rohrendorf hinaus.
Keller, Fest und Erinnerung
Die Lindobelgasse zieht 1.650 Meter in den Saubühel. Die Gemeinde zählt dort 72 Presshäuser und Kellerröhren; einige stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die meisten wurden nach 1848 gebaut. Zwölf weitere Hohlwege liegen im Gemeindegebiet. Seit 1984 findet in der Kellergasse alle zwei Jahre ein Fest statt. 2002 musste es nach einem Hochwasser verschoben werden, wurde aber im folgenden Mai nachgeholt. Seit 1988 öffnet auch ein Keller der deutschen Partnergemeinde Obersulm; der Erlös aus dem Fest kommt der Feuerwehrjugend zugute. Das Heinz-Conrads-Tor am Saubühel erinnert an den symbolischen Abschluss des Lenz-Moser-Weingartens, den der Schauspieler 1968 vornahm.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Rohrendorf bei Krems – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte
- Dorf mit Hochkultur – Gemeinde Rohrendorf
- Pfarre Rohrendorf – Pfarrkirche St. Koloman
- Rohrendorf und der Wein – Gemeinde Rohrendorf
- Längste Kellergasse Österreichs – Gemeinde Rohrendorf
- Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Rohrendorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
