REINGERS KENNENLERNEN
Reingers: Hanfpfad, Heimatstube und geteilte Grenzgeschichte
Die Gemeinde Reingers liegt im Bezirk Gmünd an der tschechischen Grenze. Zum Jahresbeginn 2026 zählte sie 599 Einwohnerinnen und Einwohner; ihre Fläche beträgt 24,91 Quadratkilometer. Im Gemeindegebiet vermitteln Themenwege, eine Heimatstube und ein Zollmuseum die Geschichte des Grenzlands.
Orte im Grenzland
Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie wurde 1918 die bisherige Landesgrenze zwischen Niederösterreich und Böhmen zur Staatsgrenze. Reingers und Hirschenschlag blieben auf österreichischer Seite, Neubistritz lag nun in der Tschechoslowakei. Anfangs blieb der Grenzverkehr durchlässig; später verband ein Übergang Reingers mit Neubistritz, obwohl der Eiserne Vorhang den Austausch erschwerte.
Ein Weg durch Brüche und Begegnungen
Ein grenzüberschreitender Themenweg hält diese Einschnitte fest. Nach der Wirtschaftskrise und dem „Anschluss“ 1938 ordnete das Münchener Abkommen die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete um Neubistritz Deutschland zu. 1945 mussten Deutsche die Region verlassen; viele fanden zunächst in Reingers Unterkunft. Seit 1989 werden wieder Kontakte über die Grenze gepflegt. Die kurze Variante führt über Reingers und Hirschenschlag zurück nach Neubistritz und ist 19 Kilometer lang. Die 30-Kilometer-Route verläuft über den Übergang Romau-Kalkberg nach Altstadt und endet in Artholz.
Zehn Stationen rund um Hanf
Der etwa einstündige Hanfpfad entstand mit dem Partnerschaftsort Hanfthal bei Laa an der Thaya. Zehn Tafeln verbinden Botanik und Landwirtschaft mit Hanf als Textil- und Dämmstoff sowie seiner Verwendung in Küche und Gastronomie; weitere Themen sind Medizin, Konsum und die Geschichte Hanfthals. Eine Tafel erklärt, dass das Betriebsgebäude am Campingplatz einer Haarstube nachempfunden wurde. Der Pfad ist ganzjährig begehbar, Führungen gibt es auf Anfrage.
Heimatstube und Zollmuseum
Die Heimatstube Reingers ergänzt den Themenweg um persönliche Zeugnisse der Vertreibung. Sie zeigt mitgebrachte Habseligkeiten und eine audiovisuelle Rekonstruktion des verschwundenen Ortes Romau. Ein Tischbuch versammelt historische Mappenpläne, Fotografien, Hausnummern und Eigentümernamen der Orte des Heimatkreises Neubistritz. Im Ortsteil Hirschenschlag widmet sich das Zollmuseum der österreichischen Zollwache, die in der Gemeinde einst mit zwei Zollwachabteilungen und einem Zollamt vertreten war. Für zahlreiche Gemeindebürger bedeuteten diese Dienststellen einen Arbeitsplatz. Den Schlüssel zur Heimatstube erhält man während der Amtsstunden im Gemeindeamt, im Gasthaus Uitz oder am Infopoint des Freizeitzentrums.
Steinbruch und Erholungswald
Der Erholungswald „In der Hölle“ erschließt das Gebiet eines Steinbruchs, der noch an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Betrieb war. Die gewonnenen Steine gingen nach Böhmen und über die Franz-Josephs-Bahn ab Göpfritz an der Wild bis nach Wien. Am früheren Kantinplatz aßen die Steinbrucharbeiter; später nutzte ihn die Volksschule Illmanns als Turnplatz. Eine Schmiede am Weg diente der Bearbeitung der Steinwerkzeuge. Bei der „Theodor Rast“ ist noch heute ein Datum zu lesen, das ein Arbeiter mit Steinmetzkreide auf dem Fels notierte. Das forstliche Informationszentrum steht bei einem ehemaligen Kleinhäuslerhof, der bis in die 1950er-Jahre bewohnt war. Einst von Feldern umgeben, liegt das Gebäude heute im Wald.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
