EISGARN KENNENLERNEN
Eisgarn: Stiftskirche, Schule und Granitspuren
Eisgarn liegt im nördlichen Waldviertel, nahe der Grenze zu Tschechien. Die Marktgemeinde im Bezirk Gmünd zählte am 1. Jänner 2026 682 Einwohner und umfasst 22,50 Quadratkilometer. Stift, Schule und markante Granitblöcke erzählen von Geschichte und Landschaft.
Vom Rodungsort zum Markt
Der Name Eisgarn wird mit dem altslawischen Wort izgorje für eine ausgebrannte Stelle erklärt. 1294 ist der Ort erstmals urkundlich belegt. 1330 gründete Johann von Klingenberg hier ein Kollegiatstift; 1344 bestätigte der Herzog die Stiftung. Propst Ezechiel Ludwig ließ 1680 ein Vordorf anlegen, das den bestehenden Siedlungskern erweiterte. 1930 erhielt Eisgarn das Marktrecht. Das Adressbuch von 1938 nennt Bäcker, Gastwirte, Händler und die Wirkwarenfabrik J. Glück und Söhne. 1972 wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Groß-Radischen und Wielings an Eisgarn angeschlossen. Zur Marktgemeinde gehören heute die Ortschaften Eisgarn, Groß-Radischen, Klein-Radischen und Wielings. Große Teile der ORF-Serie „Braunschlag“ wurden in Eisgarn gedreht.
Stift, Kirche und Schule
Das Stift wurde für einen Propst und fünf weltpriesterliche Chorherren eingerichtet. Neben Gottesdienst und Seelsorge sollte es kulturelle Aufgaben erfüllen. Eine Stiftsschule ist 1393 urkundlich nachweisbar; sie besteht als öffentliche Schule bis heute. Im Jahr 1432 kam es in der Region zu Hussiteneinfällen. Die frühgotische Maria-Himmelfahrts-Kirche ist dreischiffig und kreuzrippengewölbt. Ihr Chor besitzt einen fünfseitigen Schluss. Am 15. August fällt die aufgehende Sonne durch das mittlere Chorfenster. Glasfenster aus der Zeit um 1900 und eine Orgelanlage mit Haupt-, Seiten- und Chororgel gehören zur Ausstattung. 1998 wurde der Innenraum, 1999 die Außenfassade renoviert. Der Propsteihof zeigt einen neobarocken Innenhof und ehemalige Repräsentationsräume mit Secco-Wandmalereien von Arnulf Neuwirth aus dem Jahr 1980. Kirche und Propsteihof stehen unter Bundesdenkmalschutz.
Kolomanistein aus Granit
Am Kolomanistein liegen zwei Granitblöcke übereinander. Der obere, fünf Meter lange und zweieinhalb Meter hohe Fels trägt einen Schalenstein mit einer eingearbeiteten Wanne. Dreizehn Stufen führen hinauf. Über der Wanne wurde 1713 ein kapellenartiger Bildstock errichtet, in dem eine Statue des heiligen Koloman steht. Die Gemeinde ließ den Fels 1942 zum Naturdenkmal erklären. Eine örtliche Legende verbindet ihn mit dem irischen Pilger Koloman, der hier gerastet haben soll. Das stets wassergefüllte Becken und seine Heilkraft bei Fußleiden gehören ebenfalls zur Überlieferung. Der Legende nach sollen junge Frauen, die sich bei Vollmond darin waschen, bald einen Mann finden. Der Stein liegt in der Ortschaft Eisgarn. Koloman war bis 1663 Landespatron Niederösterreichs; dann erhob Kaiser Leopold I. den heiligen Leopold zum Landespatron.
Granit, Wald und Landwirtschaft
Das Gemeindegebiet ist zu rund 43 Prozent bewaldet. Die Naturdenkmal-Seite der Gemeinde führt außerdem die Felsformation „Die Fünf Brüder“ an, die als „Sieben Kurfürsten“ bekannt ist. Die markanten Granitblöcke und der Katzenstein gehören zu den geologischen Besonderheiten des Gemeindegebiets. 2010 zählte Eisgarn 59 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, davon 29 Haupterwerbsbetriebe. Der Ort gilt außerdem als Typuslokalität des Eisgarner Granits.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
