NEUMARKT AN DER YBBS KENNENLERNEN
Neumarkt an der Ybbs: Markt am Flussübergang
Neumarkt an der Ybbs liegt im Bezirk Melk an der Ybbs, nahe ihrer Mündung in die Donau. Die Marktgemeinde zählt 2.239 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 9,32 Quadratkilometer.
Vom Gräberfeld zum Markt
Archäologische Funde reichen weit vor die schriftliche Ortsgeschichte zurück. Bei Schotterarbeiten für den Autobahnbau wurde 1961 ein frühbronzezeitliches Gräberfeld mit 38 Gräbern entdeckt. Schalen, Tassen, Bronzespiralen und Nadeln gehörten zu den Beigaben. Weitere 91 Gräber wurden 1997 und 2000 untersucht; sie gehören überwiegend zur Böheimkirchner Gruppe der Věteřov-Kultur. Auch römische Mauerreste kamen zutage; ihre Deutung als Wachturm bleibt eine Vermutung. Eine Urkunde von 1220 nennt die Siedlung als apud novum forum, also als neuen Markt bei Blindenmarkt. Der Übergang über die Ybbs brachte Verkehr und Maut zusammen: Wer die Reichsstraße passierte, musste für die Überquerung zahlen. Spätestens im 15. Jahrhundert verfügte der Ort über Marktrecht und einen Richter.
Das Mauthaus wird Rathaus
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts entstand das Mauthaus, ein Renaissancebau, der auch als Freihaus galt: Flüchtige konnten dort nicht verurteilt werden. 1645 ließ Joachim Freiherr von Windhag seine Besitzungen beschreiben und zeichnen; dadurch blieb eine Darstellung des Hauses aus dieser Zeit überliefert. Über die Zinzendorfer kam es an die Fürsten Starhemberg. Die Schulgemeinde pachtete es 1872 und erwarb es 1882. Acht Jahrzehnte lang diente das Gebäude als Schule. Heute sitzt darin die Gemeindeverwaltung; außerdem beherbergt es das Schul- und Heimatmuseum. Drei große Wappenfresken gliedern die Fassade: das Marktwappen in der Mitte, flankiert von den Wappen der Familien Starhemberg und Windhag.
Ein mittelalterlicher Kirchenbau
Die Pfarrkirche Neumarkt ist dem heiligen Nikolaus geweiht. Ihr Bau erzählt von mehreren Erweiterungen: Der Chor entstand um 1400, das Langhaus und der Westturm folgten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts kam die südliche Marienkapelle hinzu. Eine Tür im früheren Sakristeibereich trägt die Jahreszahl 1523; das Türblatt erinnert mit der Jahreszahl 1683 an den damaligen Türkeneinfall. Bei der Erweiterung 1990 wurden Mauerreste eines Vorgängerbaus aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts freigelegt. Zur Ausstattung zählen ein hochbarocker Altar mit einer Pietà in der Marienkapelle und ein spätmittelalterlicher Opferstock von 1332. Die Pfarre verbindet den Ort auch mit Kemmelbach: Dort befindet sich die Schlosskapelle, in der ein Wochentagsgottesdienst gefeiert wird. Das Schloss selbst ist Nachfolgebau der Neudenburg, die Anfang des 19. Jahrhunderts abgetragen wurde. Heute nutzt die Lebenshilfe Niederösterreich die Anlage als Werkstättenstandort.
Zwischen Ybbsfeld und Donau
Fünf amtliche Ortschaften gehören zur Gemeinde: Kemmelbach, Neumarkt an der Ybbs, Waasen, Winden und Wolfsberg. Die Westbahn, die Wiener Straße B1 und die Westautobahn A1 erschließen das Gebiet. Für den Alltag gibt es in Neumarkt zwei Kindergärten und eine Volksschule. Mehr als die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt; rund vierzehn Prozent sind bewaldet.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Neumarkt an der Ybbs – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Bundesdenkmalamt – Die frühbronzezeitlichen Bestattungen von Neumarkt an der Ybbs
- Pfarre Neumarkt an der Ybbs – Gottesdienste
- Marktgemeinde Neumarkt an der Ybbs – Geschichte
- Pfarre Neumarkt an der Ybbs – Pfarrkirche
- Land Niederösterreich – Neues Wohnhaus der Lebenshilfe NÖ in Neumarkt
- Lebenshilfe Niederösterreich – Standorte
Stand der Angaben: 08.10.2026
