PERSENBEUG-GOTTSDORF KENNENLERNEN
Persenbeug-Gottsdorf: Donaugeschichte am Kraftwerk
Persenbeug-Gottsdorf liegt am linken Donauufer im Bezirk Melk. Die Marktgemeinde zählt 2.193 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 8,31 Quadratkilometern. Die Gemeinde liegt am Übergang vom Strudengau zum Nibelungengau.
Die gefährliche Beuge
Der Name Persenbeug wird mit der „bösen Beuge“ der Donau in Verbindung gebracht. Vor dem Aufstau galten Felsen und Wasserwirbel im Strudengau und bei der Donauschlinge als Gefahr für die Schifffahrt. Die Gemeindechronik führt die Bezeichnung ad Biugin auf 883 zurück; das Schloss ist heute ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Im 10. Jahrhundert gehörte die Anlage den Grafen von Ebersberg. 1045 traf König Heinrich III. dort mit geistlichen und weltlichen Würdenträgern zusammen, um Erbfragen nach dem Tod des letzten Ebersbergers zu verhandeln. Der Saalboden stürzte ein; mehrere Anwesende starben, der spätere Kaiser blieb unverletzt. Später gehörte das Schloss unter anderem Kaiserin Agnes und den Babenbergern. Von 1495 bis 1519 nutzte Maximilian I. die Anlage als Jagdschloss.
Marktrecht und Ausbau des Schlosses
1521, als Ferdinand I. Erzherzog von Österreich war, nahm er in Persenbeug und Ybbs die Huldigung der Landstände entgegen. Persenbeug erhielt dabei Marktrecht, Marktwappen und Hochgerichtsbarkeit. 1593 kam die Anlage an die Familie Hoyos, die sie zu ihrer heutigen Form ausbaute. 1597 erhob sich die Bevölkerung im Bauernaufstand; Aufständische besetzten das Schloss fünf Wochen lang. 1800 kaufte das Haus Habsburg Schloss und Gut als freien Privatbesitz. Über mehrere Erbgänge gelangte die Herrschaft an Kaiser Franz Joseph I., der sie 1916 seiner Tochter Marie Valerie überließ. Ihre Nachkommen sind die heutigen Eigentümer, und das Schloss dient weiterhin als Wohnsitz der Familie Habsburg-Lothringen. Das Marktgebiet wuchs im Lauf der Zeit über den historischen Ortskern hinaus. Persenbeug und Gottsdorf waren bis 1968 eigenständige Gemeinden; durch ihre Zusammenlegung entstand die heutige Marktgemeinde.
Vom Schiffszug zur Wasserkraft
Pferde zogen einst Schiffe gegen die Strömung durch den Strudengau. Der Flurname „Am Stall“ erinnert an diese Arbeit. Das Heimatmuseum zeigt Donau-Steinfunde, Teile der früheren Rollfähre und Dokumente zum Schiffsmeister Matthias Feldmüller. Dampfschiffe erleichterten die Passage, bevor der Ausbau der Wasserkraft die Flusslandschaft veränderte. Das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug entstand 1954 bis 1959 als erstes Donaukraftwerk Österreichs und entschärfte die Strudengau-Passage für die Schifffahrt. Zwischen 1993 und 1995 kam eine zusätzliche Turbine hinzu. Ein Besucherkraftwerk wird heute von einem Betreiberverein geführt, an dem Gemeindevertreter mitwirken. VERBUND bietet geführte Rundgänge durch das Kraftwerk mit anschließendem Besuch der Schleusenanlage an; das Besucherkraftwerk ist von April bis Oktober geöffnet.
Kirchen und Häuser am Markt
Neben dem Schloss geben öffentliche und kirchliche Bauten Einblick in die lokale Baugeschichte. Das Rathaus besitzt eine barocke Fassade aus der Zeit um 1740. Die Kirche in Persenbeug wurde im 16. Jahrhundert mit Spenden Kaiser Maximilians errichtet und 1783 zur Pfarrkirche erhoben; zuvor war Gottsdorf seit seiner Erwähnung 1143 kirchlicher Mittelpunkt. Das Schiffsmeisterhaus stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und verweist auf die frühere Organisation der Donauschifffahrt. In Persenbeug steht außerdem die Florianikapelle, deren Bau um 1500 datiert wird. In Gottsdorf ist die Pfarrkirche den heiligen Petrus und Paulus geweiht; ihr Altarbild wird Paul Troger zugeschrieben.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Persenbeug-Gottsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte - Marktgemeinde Persenbeug-Gottsdorf - Startseite - Bürgerservice - Informationen - Geschichte
- Marktgemeinde Persenbeug-Gottsdorf – Heimatmuseum
- VERBUND – Besucherkraftwerk Ybbs-Persenbeug
- Schloss Persenbeug – Geschichte, Eigentümerseite
Stand der Angaben: 08.10.2026
