MÜHLDORF KENNENLERNEN
Am Mühldorfer Bach
Mühldorf liegt im untersten Mölltal zwischen Reißeckgruppe und Kreuzeckgruppe. Die Gemeinde zählt 1.028 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 24,36 Quadratkilometern. Bach und Talboden bündeln die Siedlung, während Landwirtschaft und Gewerbe die Umgebung nutzen. Die Ortsgeschichte verbindet Mühlen am Wasser mit Textilproduktion, Metallverarbeitung und archäologischen Spuren aus der Römerzeit.
Am Fuß zweier Gebirgsgruppen
Die Ortschaften Mühldorf, Rappersdorf und Sachsenweg liegen in der einzigen Katastralgemeinde gleichen Namens. Das Gebiet reicht von 580 bis 2.965 Meter Seehöhe. Der Mühldorfer Bach durchzieht die Talsiedlung; an den Hängen liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen. Zu den höher gelegenen Teilen des Gemeindegebiets gehört das alpine Gelände der Reißeckgruppe.
Mühlen, Loden und Stahl
Von einst elf Mühlen sind zwei erhalten: Trattner Mühle und Glanzer Mühle, beide bekannte Kunstmühlen Oberkärntens. 1844 gründete Johann Hopfgartner die Mühldorfer Lodenfabrik; sie produzierte bis in die 1990er-Jahre und beschäftigte zeitweise bis zu 200 Menschen. 2007 wurde das Gebäude von mehreren Unternehmen genutzt. Ein Hammerwerk stellte bis 1918 Raffinier- und Tiegelstahl her. Flößerei, Kalkabbau und Ziegelbrennen ergänzten die Wirtschaft; um 1920 wurde nahe den Mühldorfer Wiesen zudem eine Asbestader entdeckt. Heute zählen Landwirtschaft, Gewerbe und Fremdenverkehr zu den prägenden Bereichen. Viehhaltung ist für die Landwirtschaft wichtig. Die Kletterhalle „The Rock“ umfasst etwa 1.200 Quadratmeter Kletterfläche. Neben einem Boulderraum gibt es Vorstiegs- und Topropewände sowie Übungswände zwischen elf und 16 Metern. In der Halle befinden sich auch ein Nationalpark-Informationszentrum, ein Fitnesscenter und ein Bistro. 1920 errichteten die Treibacher Chemiewerke am Seebach das Kraftwerk Mühldorf; nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen es die Österreichischen Draukraftwerke.
Wechselnde Gemeindegrenzen
1850 entstand die Ortsgemeinde Mühldorf. 1865 wurde sie Obervellach angeschlossen, 1876 kam sie zur Ortsgemeinde Kolbnitz. Ab 1913 war Mühldorf wieder eigenständig. Bei der Gemeindereform 1973 ging der Ort in Reißeck auf; nach einer Volksabstimmung erlangte Mühldorf 1992 erneut Selbstständigkeit.
Römische Spuren und Bauwerke
Auf der Haselangerwiese wurden 1898 Teile eines Badehauses aus der Römerzeit freigelegt. Geophysikalische Untersuchungen ab 2017 und Grabungen ab 2018 erbrachten Hinweise auf eine etwa 2.000 Jahre alte Siedlung; Nahrungsreste deuten auf Handel und Wohlstand. Die dem heiligen Veit geweihte Pfarrkirche des Ortszentrums wurde 1177 erstmals urkundlich erwähnt. Ihr spätgotischer Bau besitzt einen Polygonalchor und einen südlichen Sakristeiturm. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde sie barockisiert. Das Sterngratgewölbe im Chor ruht auf Konsolen; neugotische Malereien sitzen in den Chorfenstern. Eine offene Vorhalle schützt das korbbogige Westportal. St. Andreas in Rappersdorf ist seit 1388 belegt. Der Sternhof stammt aus dem Jahr 1470 und wurde 2001 renoviert. Während des Freiheitskampfs 1809 diente er als Hauptquartier des Kärntner und Tiroler Landsturms unter Johann Baptist Türk.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Mühldorf (Kärnten) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Mühldorf in Kärnten - Gemeinde
- Gemeinde Mühldorf – Gemeindeinformationen
- Katholische Kirche Kärnten – Pfarrkirche Mühldorf
- Geschichte der Gemeinde Mühldorf, Gemeinde Mühldorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
