LEOBERSDORF KENNENLERNEN
Leobersdorf: Handelswege und Triesting
Leobersdorf liegt am Ausgang des Triestingtals am Rand des Wiener Beckens. Die Marktgemeinde im Bezirk Baden hat 5.363 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 12,39 Quadratkilometer. Die Triesting durchfließt das Gemeindegebiet. Straßen und Bahnlinien verbinden den Ort mit dem südlichen Wiener Becken und dem Triestingtal.
Siedlung an alten Handelswegen
Funde aus der Jungsteinzeit belegen frühe Besiedlung. Um 350 vor Christus entstand laut Ortschronik eine norische Siedlung. Nach der römischen Eroberung Norikums im Jahr 15 vor Christus lag Leobersdorf am Kreuz zweier Handelswege: Eine Verbindung führte von Vindobona nach Süden, eine andere durch das Triestingtal Richtung Westen. Im südlichen Ortsgebiet belegen awarische Gräberfelder weitere Siedlungskontinuität. Die Gemeindechronik beschreibt den ältesten Ortskern im Umfeld der Pfarrkirche; römische Funde wurden dort entdeckt. Ab dem 10. Jahrhundert kamen Kolonisten aus Franken und Bayern. In der Mariazellergasse sind Grundrisse fränkischer Reihenhöfe noch ablesbar. Der Ortsname ist 1165/1174 als „Liubetsendorf“ überliefert.
Marktrecht und Pfarrgeschichte
1313 verlieh Friedrich der Schöne Leobersdorf das Marktrecht und ein Wappen mit weißer Kirche auf blauem Grund. Eine Pfarrgemeinde entstand nach der Ortschronik 1311; schon vor 1220 hatte es ein Bethaus gegeben. 1393 wurde eine Pfarrschule gegründet. Die Kirche zum heiligen Martin steht im ältesten Kern des Marktes und ist bis heute das zentrale Bauwerk des Ortsbilds. Viele Häuser wurden 1809 bei einem Großbrand zerstört, darunter Kirche und Schule; insgesamt gingen 37 Häuser verloren. Der Wiederaufbau setzte sich im 19. Jahrhundert fort: 1873 entstand ein Volksschulgebäude, das seit 1956 als Rathaus dient. Die heutige Volksschule war zunächst eine 1890 errichtete Mädchenvolksschule.
Der Heilsame Brunnen
Südlich des Orts an der Straße nach Sollenau liegt die Quelle, die seit Jahrhunderten als Heilsamer Brunnen bekannt ist. Erstmals erwähnt wurde sie 1466 als „Heylige Prunn“. Einer örtlichen Überlieferung zufolge trat sie am 23. April 1626 nach einem Sturm erneut hervor. Der Ruf, Augenleiden lindern zu können, machte die Quelle zu einem Wallfahrtsziel. Über ihr entstand eine Kapelle; mehrere hölzerne Bauten wurden durch Kriegsereignisse, Stürme und Feuer zerstört oder ersetzt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kapelle 1850. Die Quelle versiegte 1970 im Schacht der Kapelle; seither stammt das dort geförderte Wasser aus Verbandsanlagen. Zwischen 2019 und 2024 wurden Kapelle, Wege und Außenbereiche revitalisiert.
Eisenbahn, Gewerbe und Aquädukt
Die Leobersdorfer Bahn wurde als Verbindung durchs Triesting- und Gölsental bis St. Pölten eingerichtet; der Abschnitt Weißenbach-Neuhaus–Hainfeld ist seit 2004 im Personenverkehr stillgelegt. Das ÖBB-Fahrplanbild 2025/2026 führt die heutige Triestingtalbahn von Leobersdorf über Berndorf bis Weißenbach-Neuhaus; am Bahnhof Leobersdorf besteht Anschluss an die Südbahn. Früher zweigte im Gemeindegebiet außerdem die Gutensteinerbahn vom Bahnhof Wittmannsdorf ab; der Personenverkehr nach Wöllersdorf wurde 1997 eingestellt, die Gleise zwischen Wittmannsdorf und Wöllersdorf 2015 abgetragen. Die A2 besitzt bei Leobersdorf eine eigene Abfahrt, während die B18 den Ort in Ost-West-Richtung quert. Zu den historischen Betrieben zählen Ziegelwerk und Leobersdorfer Maschinenfabrik; später kam der Gewerbepark ARED hinzu. Westlich der A2 steht der Aquädukt der I. Wiener Hochquellenwasserleitung. Er ist ein sichtbares Zeugnis überregionaler Wasserinfrastruktur.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Leobersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Leobersdorf - Startseite
- Marktgemeinde Leobersdorf – Heilsamer Brunnen
- ÖBB – Fahrplanbild 513 Leobersdorf–Berndorf–Weißenbach-Neuhaus, Fahrplanperiode 2025/2026
Stand der Angaben: 08.10.2026
