MARKTGEMEINDE · NIEDERÖSTERREICH

Hirtenberg

Patronenfabrik, Arbeitergeschichte und ein Dorf mit sehr kleiner Fläche

GEMEINDEKENNZIFFER30615
Luftaufnahme von Hirtenberg
Luftaufnahme von Hirtenberg · Foto: © C.Stadler/Bwag · „Hirtenberg - Ortsansicht“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
2 571
01.01.2026
Fläche
1,47 km²
Bevölkerungsdichte
1 747,0
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
2552
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

HIRTENBERG KENNENLERNEN

Hirtenberg: Vom Triestingdorf zum Industriestandort

Hirtenberg ist eine Marktgemeinde am Talausgang des Triestingtals im Bezirk Baden. Die Triesting fließt südlich des Orts in das Wiener Becken. Auf 1,47 Quadratkilometern leben 2.571 Menschen (Stand 1. Jänner 2026); Gemeindegebiet, Ortschaft und Katastralgemeinde tragen denselben Namen.

Die Patronenfabrik und ihre Folgen

Die Industrialisierung setzte in Hirtenberg bereits im 19. Jahrhundert ein. 1846 richtete Josef Perger eine Baumwollspinnerei ein; Josef Keim machte daraus 1880 eine Bleich-, Appretur- und Färberei. Serafin Keller gründete um 1860 eine mechanische Werkstätte, aus der die Patronenfabrik hervorging; seine Söhne begannen dort 1872 mit der Patronenfertigung. Der Industriebetrieb prägte später sogar das Wappen, das die Gemeinde 1929 bei Markterhebung und Wappenverleihung erhielt: Es zeigt eine Fabrik mit drei Schornsteinen und einen Wasserturm. Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten laut überlieferten Angaben 3.800 Menschen im Munitionswerk; täglich wurden eine Million Patronen hergestellt. Das KZ-Außenlager bestand von September 1944 bis April 1945. Weibliche Häftlinge mussten dort in zwölfstündigen Schichten für die Rüstungsproduktion arbeiten. Der erste Transport mit 391 Frauen traf am 28. September 1944 ein.

Steinkamperl und Gemeindegründung

Älteste Siedlungsfunde aus der Umgebung reichen in die Jungsteinzeit. Der Ortsname wird mit der Feste Huotto verbunden, die im 13. Jahrhundert auf der Anhöhe Steinkamperl gestanden haben soll. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war auch die Namensform Hienberg gebräuchlich. Nach den Verwüstungen von 1477 unter Matthias Corvinus erlebte der Ort einen Rückgang. 1870 wurde Hirtenberg von den Orts- und Katastralgemeinden Leobersdorf und Enzesfeld getrennt und als selbständige Ortsgemeinde eingerichtet. Auch der Ortsfriedhof entstand separat: Nachdem 1878 ein Beitrag zur Erweiterung des Enzesfelder Friedhofs diskutiert wurde, entschied man sich für einen eigenen Friedhof, der am 20. Oktober desselben Jahres eingeweiht wurde.

Kirche, Friedhof und Kulturhaus

Die Pfarrkirche ist der heiligen Elisabeth geweiht. Eine Gemeindezeitung berichtet, dass Industriellenfamilien Keller und Mandl den Kirchenbau anlässlich des 50. Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs stifteten; die Grundsteinlegung erfolgte 1898. Neben der Kirche steht das Soldatendenkmal, ein acht Tonnen schwerer Stein aus Merkenstein mit bronzenem Adler. Das Denkmal wurde am 30. Oktober 1932 enthüllt; seine ursprüngliche Widmung galt den 28 Opfern des Ersten Weltkriegs. Eine später ergänzte Tafel nennt 118 Opfer des Zweiten Weltkriegs. Das 1999 renovierte Kulturhaus bietet Platz für bis zu 600 Personen. Am 5. April 2024 enthüllte die KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Park vor der Mittelschule eine vier Meter hohe Außenlager-Stele.

Bahn und Einrichtungen im Tal

Die Leobersdorfer Bahn führte von Leobersdorf durch das Triestingtal und weiter durchs Gölsental nach St. Pölten. Der Abschnitt Weißenbach-Neuhaus–Hainfeld wird seit 2004 im Personenverkehr durch eine Buslinie ersetzt. Die Haltestelle Hirtenberg liegt auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Enzesfeld-Lindabrunn; örtliche Güter wurden über den Bahnhof Enzesfeld auf die Schiene gebracht. Für Hirtenberger Betriebe bestanden einst Schleppgleise zum Bahnhof Enzesfeld, die inzwischen entfernt wurden. Parallel zur Bahn verläuft die Hainfelder Straße B18. Eine Buslinie fährt Richtung Berndorf und über Enzesfeld nach Leobersdorf. In Hirtenberg selbst befinden sich eine Justizanstalt, die seit 1962 besteht, sowie Kindergarten, Volksschule und Mittelschule. Bis 1918 war im Gebäude der Justizanstalt das Offizierswaiseninstitut untergebracht.

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 08.10.2026

GEOGRAFIE

Hirtenberg auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung2 668
31.10.2021 · Registerzählung2 574
01.01.2026 · Bevölkerungsstand2 571

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
569
NUTS-3-Region
Niederösterreich-Süd (AT122)

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ÜBER DIE GEMEINDEGRENZE HINAUS

Nachbargemeinden von Hirtenberg

Nachbarschaft aus gemeinsamen Grenzabschnitten der amtlichen Geometrien abgeleitet. Reine Berührungspunkte und ausländische Gemeinden sind nicht enthalten.