KIRCHSTETTEN KENNENLERNEN
Kirchstetten zwischen Dichterhäusern und Dorfgeschichte
Kirchstetten liegt im Mostviertel im Bezirk St. Pölten-Land. Die Marktgemeinde zählt 2.282 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 17,76 Quadratkilometer. Ihr Gebiet verbindet die Ortschaft Kirchstetten mit Totzenbach und weiteren Siedlungen; acht Katastralgemeinden bilden die verwaltungstechnische Gliederung. Die Landschaft aus Höhenzügen, Bächen, Bahnlinie und Autobahn erzählt von einem Ort, dessen Alltag und Geschichte stets von Verbindungen geprägt waren.
Höhen, Bäche und Wege
Aschberg, Hausberg, Haspelwald, Eichberg und Gugl prägen die bewegte Landschaft. Wolfsbach und Sichelbach vereinigen sich in Sichelbach; der Sichelbach fließt weiter Richtung Böheimkirchen und mündet dort in den Michelbach. Zuflüsse können in Kirchstetten und Sichelbach Hochwasser verursachen. Als Marktgemeinde ist Kirchstetten auch Mitglied der Wienerwald Initiativ Region und der Leaderregion Elsbeere Wienerwald. Diese Zugehörigkeiten verweisen auf die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Zugleich queren zwei große Verkehrswege das Gemeindegebiet: die Westbahn verläuft zwischen Kirchstetten und Totzenbach, die A1 führt durch den Ort. Der Bahnhof bindet die Gemeinde an die Bahnstrecke an; Wander- und Radwege ergänzen das Wegenetz.
Vom Pfarrort zur Marktgemeinde
Die urkundliche Überlieferung nennt 1130 „Chirichstetten“ als selbstständige Pfarre. Im 14. Jahrhundert besaß Kirchstetten bereits Marktrecht. Um 1850 entstanden die Gemeinden Kirchstetten und Totzenbach, die 1971 vereinigt wurden. 1999 erhielt Kirchstetten das Marktrecht zurück. Eine frühere Burg stand am heutigen Standort der alten Volksschule; die Anlage wurde um 1530 zerstört. 1876 entstand dort ein Schulgebäude, das später für eine andere öffentliche Nutzung umgebaut wurde. Diese Folge aus mittelalterlichem Markt, geteilten Gemeinden und Zusammenschluss prägt die Ortsgeschichte.
Auden und das Haus in Hinterholz
Der Dichter W. H. Auden ließ sich 1957 in Kirchstetten nieder und verbrachte bis zu seinem Tod 1973 die Sommer im Haus in Hinterholz. Ein Teil seines Spätwerks entstand hier. Die Gemeinde und das Land Niederösterreich richteten sein Arbeitszimmer und einen Dokumentationsraum als Gedenkstätte ein. Audens Grab liegt am alten Friedhof bei der Pfarrkirche. Das Haus macht damit eine internationale Literaturgeschichte an einem konkreten Wohnort sichtbar: Der Besucherweg führt nicht zu einem abstrakten Denkmal, sondern in die Räume, in denen der Dichter arbeitete und seine Sommer verbrachte.
Totzenbach und das zweite Ortszentrum
Totzenbach besitzt mit Schloss und Pfarrkirche ein eigenes historisches Ensemble. Das Schloss war im 19. Jahrhundert vernachlässigt; 1857 wurde sein Osttrakt abgetragen, und Material davon floss teilweise in den Bau des Kirchstettner Bahnhofs ein. Heute erhalten Eigentümer das Gebäude und öffnen es bei Veranstaltungen. In Kirchstetten selbst erinnern die Filialkirche zum heiligen Veit, der Dorfplatz mit Rosalienquellen-Brunnen und das Weinhebermuseum an weitere Ortsgeschichten. Diese Ziele liegen in unterschiedlichen Ortsteilen und zeigen, wie die heutige Gemeinde aus mehreren gewachsenen Siedlungskernen besteht. Die alte Dorfschmiede in Totzenbach und die Rosalienquelle ergänzen die Liste der lokalen Erinnerungsorte. Auch das Weinhebermuseum bewahrt eine literarische Erinnerung.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
