HIMMELBERG KENNENLERNEN
Himmelberg an der Tiebel: Schmiedetradition im Tiebeltal
Himmelberg liegt nordwestlich von Feldkirchen im oberen Tiebeltal. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 2.306 Menschen auf 56,85 Quadratkilometern. Die Gemeinde ist durch ihre Wasserquellen und eine lange Eisenverarbeitung geprägt: Schmieden, Gewerkenhäuser und die Pfarrkirche erzählen von einem Ort, dessen Handwerk einst weit über Kärnten hinaus bekannt war.
Quellen am Beginn der Tiebel
Der Hauptort liegt auf rund 672 Metern Seehöhe. Im Gemeindegebiet entspringt die Tiebel aus einem Quellgebiet, das nach Gemeindeangaben aus 60 bis 100 Quellen besteht. Ein Natur- und Erlebnisweg führt durch diesen Quellraum. Die Tiebel gab der Schmiedetradition des Ortes Wasser und Energie: Entlang des Bachs entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert die Eisenverarbeitung. Das Gebiet reicht von der Tiebel im Poitschacher Graben, auf 625 Metern Seehöhe, bis in das nordwestliche Bergland.
Sensen und Hammerwerke
Himmelberg war bis ins 20. Jahrhundert für seine Sensenschmieden bekannt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden hier bis zu 250.000 Sensen pro Jahr. Die Schmiede „an der Tratten“ wurde um 1560 als Hammer- und Drahtzieherschmiede genannt und um 1700 als Sensenschmiede geführt. Nach der Übernahme durch den Gewerken Zeilinger 1874 wurde sie zu einem führenden Betrieb. Gebäude und Einrichtung blieben als Zeugnis eines selten gewordenen Gewerbezweigs erhalten. Das Zeilinger Schmiede- und Sensenmuseum ist unter dem Namen „Der große Hammer“ bekannt. Die historische Sensenproduktion endete 1968; Werkzeuge, Maschinen und Arbeitsräume machen den früheren Betrieb heute nachvollziehbar. Das wirtschaftliche Umfeld ist in Gewerkenhäusern aus dem 19. Jahrhundert noch ablesbar.
Die Pfarrkirche und die Burgruine
Die Pfarrkirche Hl. Martin wurde zwischen 1060 und 1076 als Eigenkirche der Eppensteiner erwähnt. Ihr Kern ist gotisch und stammt aus dem 13. Jahrhundert; im 17. Jahrhundert sowie nach einem Brand 1711 wurde sie barockisiert. 1770 kam ein weiteres Joch hinzu. Der Turm bewahrte seinen gotischen Kern, erhielt sein Glockengeschoss und den Spitzhelm jedoch erst im 19. Jahrhundert. Das ehemalige Beinhaus daneben besitzt ein achteckiges Obergeschoss und Akanthusstuck von 1710. Über dem Ort liegen Reste der Burg Himmelberg, die im 11. oder 12. Jahrhundert errichtet wurde. Schloss Biberstein geht auf einen Bau zurück, den der Landrichter Marchward von Pibriach zwischen 1382 und 1396 errichten ließ.
Mühlen, Holzbau und alte Höfe
Die Mehlteurer Flodermühle zählt zu den letzten funktionsfähigen Mühlen dieser Bauart. Sie wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut, 2002 abgetragen und 2004 in Tiebel neu errichtet. Eine Venezianersäge ist ein weiterer technischer Zeuge der Holzbearbeitung. Bauernhäuser in Außerteuchen zeigen eine regionale Bauform: zweigeschoßige Blockbauten mit umlaufendem Laubengang, der sogenannten „Labn“. Auch das Ortsbild Himmelbergs trägt Spuren der Gewerkenzeit. Häuser mit Walm- oder Satteldächern und Fassaden des 19. Jahrhunderts stehen nahe ehemaliger Werkstätten. Die heutige Gemeinde entstand 1850; 1895/96 wurden Gnesau und Gurk abgetrennt. Die Turracher Straße B 95 verbindet Himmelberg mit Feldkirchen und dem oberen Gurktal.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
