EDELSTAL KENNENLERNEN
Ein burgenländischer Ort im niederösterreichischen Umfeld
Edelstal liegt in einer Talmulde der Hundsheimer Berge, den westlichsten Ausläufern der Kleinen Karpaten. Die Gemeinde im Bezirk Neusiedl am See umfasst 5,90 Quadratkilometer und zählt 824 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Edelstal ist weitgehend von niederösterreichischem Gebiet umgeben; eine schmale Landverbindung schließt die Gemeinde an das übrige Burgenland an.
Dorf im Talkessel
Edelstal ist die einzige Ortschaft der Gemeinde. Die geschützte Mulde zwischen den Höhenzügen gibt dem Siedlungsraum eine klare räumliche Begrenzung. Am südwestlichen Ortsrand liegt ein Kellerviertel, dessen Keller überwiegend in Lehm gegraben sind. Es erinnert an die frühere Bedeutung der Lagerung und Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die Lage macht den Weg durch das Umland zu einem auffälligen Merkmal der Ortsgeografie. Edelstal galt lange als Agrar- und Weinort, bevor Getränkeproduktion zum prägenden Wirtschaftszweig wurde. Die schmale Landbrücke führt Richtung Kittsee und stellt die Verbindung zum übrigen Burgenland her.
Urkunden und archäologische Funde
Eine schriftliche Erwähnung aus dem Jahr 1353 bezeichnet den Ort als „Uttestal“; sie findet sich im Testament des Reichsgrafen Konrad von Schaunberg. Bereits 1412 ist Edelstal in einem Streit um Holden belegt, 1529 erscheint die Namensform „Etlastal“. 1884 entdeckte der Forscher Ágost Sőtér Teile einer römischen Villa und einen awarischen Friedhof. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist auch der ungarische Ortsname „Nemes Völgye“ belegt und mit dem heutigen Ortsnamen verbunden. Die Funde verweisen auf eine Besiedlung und Nutzung des Raumes lange vor den mittelalterlichen Schriftquellen. Während der Türkenkriege wurde der Talkessel wohl verlassen; ab 1615 dürfte er wieder bewohnt gewesen sein.
Wieder eigene Gemeinde
Edelstal gehörte bis 1920/21 zum Königreich Ungarn und kam 1921 zum neu gegründeten Burgenland. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten Gemeindezusammenlegungen erneut die Verwaltung: 1971 wurde Edelstal mit Kittsee vereinigt. Am 1. Jänner 1992 erhielt der Ort seine Selbstständigkeit zurück. Eine Urkunde aus dem Jahr 1685 verzeichnet Ausgaben der Dorfbewohner im Zusammenhang mit den Türkenkriegen. Nach den Konflikten kehrten einige frühere Bewohner zurück; zugleich siedelten Menschen aus Schwaben, der Pfalz, Bayern, Sachsen, Tirol und Oberösterreich in Edelstal und den Nachbarorten.
Pfarrkirche und heutige Arbeitswelt
Die Pfarrkirche ist dem heiligen Stephan, König von Ungarn, geweiht. Der große Saalbau entstand um 1740 und wurde später erweitert. Ihr Hochaltar stammt aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts und wurde 1792 aus der Kirche des Augustinerinnenklosters in Eisenstadt übertragen. Heute ist Edelstal zudem ein bedeutender Standort der Getränkeproduktion: Hier hat der Mineralwasserabfüller Römerquelle seinen Sitz. Das ehemalige Betriebsgelände wurde 2013 zu einem Produktions- und Logistikzentrum von Coca-Cola ausgebaut; dort werden auch Getränke ohne Kohlensäure abgefüllt. Eine 2026 angekündigte Buslinie 902 soll Bratislava grenzüberschreitend anbinden.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
