GATTENDORF KENNENLERNEN
Gattendorf: Grenzort mit langer Geschichte
Gattendorf liegt im nördlichen Burgenland nahe der Grenze zur Slowakei. Die Gemeinde umfasst 25,13 Quadratkilometer und zählt 1.548 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Der Ort wird von einer langen Geschichte als Grenzsiedlung geprägt: 1209 ist „Kata“ erstmals urkundlich genannt, eine hölzerne Kapelle soll bereits 1146 bestanden haben. Schloss, Annakapelle und jüdischer Friedhof bewahren unterschiedliche Spuren dieser Vergangenheit.
Von Kata zur Gemeinde
Die Gemeindeseite nennt 1209 als erste urkundliche Erwähnung. Der Ort gehörte damals zum ungarischen Grenzraum; Grenzwächter wurden 1264 angesiedelt und 1339 in ihren Rechten bestätigt. Über Jahrhunderte wechselten die Grundherren. Dazu gehörten die Herren von Rauscher und später die Familie Esterházy. Um 1550 wurden während der Rauscher-Herrschaft kroatische Siedler aufgenommen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Gattendorf 1921 mit dem Burgenland zu Österreich. Im Jahr 1971 wurden Gattendorf, Neudorf und Potzneusiedl zu einer Großgemeinde vereinigt; seit 1. Jänner 1990 ist Gattendorf wieder eigenständig.
Schloss und Annakapelle
Das alte Schloss Gattendorf besitzt einen Kern aus dem 17. Jahrhundert. Sein zweiflügeliger Bau zeigt ein rustiziertes Portal und eine siebenachsige Hauptfront; die ionischen Riesenpilaster stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Schloss verweist auf die lange Grundherrschaft, die den Ort prägte. Südwestlich des Dorfes steht auf einer Anhöhe die Annakapelle. Gräfin Maria Esterházy ließ sie 1712 als Grabkapelle für einen Familienzweig errichten. In jüngerer Zeit unterstützt die Gemeinde die Renovierung der Kapelle; der Jahresrückblick 2024 verzeichnet archäologische Funde aus dem Oberen Feld, die im Gemeindeamt ausgestellt werden.
Ein Dorf zwischen Sprachen
Gattendorf war über lange Zeit mehrsprachig und konfessionell vielfältig. Neben deutschsprachigen Bewohnern lebten hier kroatisch- und ungarischsprachige Menschen; während der Grundherrschaft der Rauscher wurden im 16. Jahrhundert Kroaten angesiedelt. Von etwa 1720 bis 1938 bestand außerdem eine jüdische Gemeinde. Sie zählte 1857 noch 206 Personen, schrumpfte danach und wurde 1885 der jüdischen Gemeinde Kittsee angeschlossen. 1934 lebten nur noch 19 Jüdinnen und Juden im Ort; einige wurden Opfer der Shoah. Der jüdische Friedhof außerhalb der Ortschaft ist ein stiller Erinnerungsort an diese Gemeinde. Die Pfarrkirche ist der Heiligsten Dreifaltigkeit gewidmet. Gemeinsam zeigen Friedhof und Kirche, wie verschiedene religiöse Gemeinschaften den Ort geprägt haben.
Dorfleben heute
Gattendorf bleibt ein einzelner, kompakter Ort in einer weitläufigen Landschaft. In jüngerer Zeit wurden zentrale Einrichtungen ergänzt: Der Gemeinderückblick 2024 nennt ein Gesundheitszentrum mit Gemeindeärztin, Rotem Kreuz und Wahlarztordination. Auch ein Fun Court nahe Sport- und Spielplatz und ein neu gestalteter Dorfplatz gehören zu den beschriebenen Projekten. Der Gemeinderückblick 2024 nennt neun neue Haltestellen des Burgenländischen Anrufsammeltaxis. Als erstes Unternehmen für den DLH Industrial Campus nennt die Gemeinde Werner & Weber mit 32 Beschäftigten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
