ZIERSDORF KENNENLERNEN
Ziersdorf: Ziegel, Schienen und ein Jugendstilsaal
Ziersdorf liegt im Schmidatal im Bezirk Hollabrunn. Die Marktgemeinde zählt 3.287 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 48,71 Quadratkilometern. Ort und Gemeinde verbinden Bahn- und Straßengeschichte mit Ziegeleien, Kirchen und einem wiederbelebten Veranstaltungssaal.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Ziersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Ziegel aus dem Schmidatal
Lehmreiche Böden ermöglichten rund um Ziersdorf eine bedeutende Ziegelproduktion. Für das Gemeindegebiet sind 21 frühere Ziegelöfen dokumentiert. Am Hauptplatz erinnert der Ziegelstadl an dieses Gewerbe: Die Sammlung zeigt Ziegel mit unterschiedlichen Prägungen und Verwendungszwecken, darunter Dach-, Kamin- und Brunnenschachtziegel. Das Museum macht sichtbar, was von den einstigen Produktionsstätten kaum erhalten blieb. Ziegel gingen in Geschäftshäuser, Gasthäuser und Villen; mit den Öfen kamen Arbeiter in den Ort. Die Ausstellung ist jederzeit frei zugänglich.
Quellen: Ziegelstadl Ziersdorf – Museumsmanagement Niederösterreich · Ziersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Vom Ballsaal zum Konzerthaus
Der heutige Ludwig-Streicher-Saal begann 1910 als „Jugendstilsaal“ des Gastwirts Ernest Fröhlich. Die Pläne stammten von Heinrich Blahosch; erbaut wurde der Saal von Ludwig Streicher, dem Großvater des späteren Kontrabassisten gleichen Namens. In den Zwischenkriegsjahrzehnten zogen Bälle und der Krummhaxendorfer Kirtag Publikum an. Nach sinkendem Veranstaltungsinteresse diente das Haus ab den 1950er Jahren als Lager und verfiel später. Die Gemeinde kaufte das Fröhlich-Areal 2000. Akustikmessungen bestätigten 2003 die Eignung als Veranstaltungsort; 2004 begannen Arbeiten mit veranschlagten Gesamtkosten von 2,9 Millionen Euro. 2005 wurde das Konzerthaus Weinviertel eröffnet; der Saal darin erhielt den Namen Ludwig-Streicher-Saal. Streicher (1920–2003) trat international als Solist auf und unterrichtete an Musikhochschulen. Das Haus bietet ein laufendes Programm.
Quellen: Geschichte – Konzerthaus Weinviertel
Eine Kirche in mehreren Bauphasen
Die Pfarrkirche von Ziersdorf ist dem heiligen Wolfgang und der heiligen Katharina geweiht und wurde um 1415 erstmals erwähnt. Während der Hussiteneinfälle wurde die Kirche entweiht und später neu geweiht. Ziersdorf wurde 1783 zur selbständigen Pfarre im Rahmen des Stifts Melk. Nach einem Brand 1841 wurde die Kirche wiederaufgebaut und verlängert. Das Ergebnis verband einen gotischen Chor mit einer nachbarocken Saalkirche und Westturm. Seit 1974 besteht ein Pfarrverband, dem sich weitere Pfarren aus der Großgemeinde anschlossen. Wegen dessen Wachstum begann 1992 die Kirchenerweiterung. Der Zubau wurde am 16. Mai 1993 geweiht und nahm den neuen Altar auf; das ältere Längsschiff blieb als Querschiff erhalten und wurde unter anderem Werktagskapelle.
Quellen: Geschichte – Marktgemeinde Ziersdorf
Ein Ort an Bahn und Reichsstraße
Die Marktgemeinde datiert Ziersdorfs erste urkundliche Erwähnung auf 1110. Die ältere Hauptachse verlief ost-westlich entlang der Hollabrunner Straße und einer alten Kellergasse. Mit dem Bau der Reichsstraße, die Wien mit dem Norden verband, verschob sich die Verkehrsachse in Nord-Süd-Richtung. Die Franz-Josefs-Bahn brachte eine weitere Verbindung und trug zum Wachstum des Ortes bei. Ziersdorf selbst erhielt 1861 das Marktrecht. Durch Gemeindefusionen zwischen 1966 und 1972 entstand das heutige Gebiet mit Dippersdorf, Fahndorf, Gettsdorf, Großmeiseldorf, Hollenstein, Kiblitz, Radlbrunn und Rohrbach. Jede der neun Ortschaften bildet zugleich eine Katastralgemeinde.
Quellen: Geschichte – Marktgemeinde Ziersdorf · Ziersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
