HUNDSHEIM KENNENLERNEN
Hundsheim: Kalkberge, Höhlen und ein wehrhafter Dorfkern
Hundsheim liegt im Bezirk Bruck an der Leitha am Südhang des 480 Meter hohen Hundsheimer Berges. Die Gemeinde zählte am 1. Jänner 2026 661 Einwohner und umfasst 13,43 Quadratkilometer. Ihre Umgebung ist von Kalk, Höhlen und artenreichen Trockenhängen geprägt.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Naturschutzgebiet Hundsheimer Berg
Trockenrasen und Wärmeinsel
Der Hundsheimer Berg gehört zu den östlichen Ausläufern der Alpen und überragt die Donauauen mit 480 Metern. Felsdurchsetzte Hänge und flachgründige Kalkböden tragen eine ungewöhnlich vielfältige Trockenvegetation. Rund 450 Gefäßpflanzenarten sind in den Hundsheimer Bergen nachgewiesen; etwa ein Drittel gilt als gefährdet. Dazu zählen die Hainburger Federnelke, der Waldsteppen-Beifuß und die Bergaster. Die Federnelke blüht meist von Mai bis Juni. Mehr als 300 Wanzen- und 357 Wildbienenarten sind ebenfalls dokumentiert. Auch die Schmetterlingsfauna ist bemerkenswert: Für das Schutzgebiet sind mehr als 1.315 Arten dokumentiert. Das Gebiet wurde 1995 als Europaschutzgebiet ausgewiesen. Es umfasst 2.142 Hektar und erstreckt sich über mehrere Gemeinden, darunter Hundsheim; Trockenrasen und Flaumeichenwälder bilden dort ein Mosaik.
Quellen: Naturschutzgebiet Hundsheimer Berg · Europaschutzgebiet Hundsheimer Berge – Naturland Niederösterreich · Managementplan Europaschutzgebiet Hundsheimer Berge – Land Niederösterreich
Weidepflege erhält offene Hänge
Als die traditionelle Nutzung der Hutweiden im 20. Jahrhundert zurückging, verbuschten Teile der trockenen Hänge. Eine Schafherde hilft, die offenen Flächen zu erhalten; ergänzend werden Gehölze zurückgenommen und einzelne Bereiche gemäht. Zu den charakteristischen Tieren der Hundsheimer Berge zählen das Europäische Ziesel und die Große Sägeschrecke, eine bis zu neun Zentimeter lange Heuschrecke. Die jährliche Pflegewoche bringt Fachleute und Freiwillige aus den umliegenden Gemeinden zusammen; sie arbeiten an ausgewählten Flächen des größeren Europaschutzgebiets.
Quellen: Europaschutzgebiet Hundsheimer Berge – Naturland Niederösterreich · Pflegewoche Hundsheimer Berge – Naturland Niederösterreich
Kalk, Höhlen und ein Eiszeitfund
Westlich des Ortes liegen ältere Steinbrüche, in denen weicher Leithakalk gewonnen wurde. In Kalköfen auf dem Gelände der heutigen Kalkofensiedlung brannte man das Gestein. Leithakalk aus kleineren Brüchen nutzten bereits die Römer für Tempelanlagen auf dem Pfaffenberg in der Nachbargemeinde Bad Deutsch-Altenburg. In den Hundsheimer Bergen gibt es zahlreiche Karsthöhlen. Das Zwerglloch am Südhang besitzt einen natürlichen Zugang und reicht 17 Meter in die Tiefe; seine Gänge sind 41 Meter lang. Güntherhöhle und Knochenspalte sind aus Schutzgründen verschlossen. In der Knochenspalte fand Franz Toula 1900 ein nahezu vollständiges Skelett des warmzeitlichen Nashorns Stephanorhinus hundsheimensis. Das rund 700.000 Jahre alte Tier stürzte in eine Karstspalte; sein Skelett befindet sich heute im Naturhistorischen Museum Wien.
Quellen: Steinbrüche und Höhlen · Naturhistorisches Museum Wien: Kindereiszeitsaal – Hundsheimer Nashorn
Wehrtürme und frühe Kirche
1123 erscheint Hundsheim als „Hundesheim“ in einer Urkunde, in der Regenhart de Hundesheim als Zeuge genannt wird. Der Ortsname wird auf den Personennamen Hund zurückgeführt. Von den Wehrtürmen einer Befestigungsanlage aus dem 13. Jahrhundert sind zwei erhalten; ihre hoch gelegenen Eingänge boten Schutz und erschwerten den Zugang. Die romanische Annakapelle aus derselben Zeit ist heute nicht mehr als eigenständiges Gebäude erhalten: Reste ihrer Mauern sind an der Außenwand eines Wohnhauses sichtbar. Schriftlich wird sie zuletzt 1476 erwähnt. Eine Beschreibung von 1832 berichtet von Wein- und Obstbau sowie Kalkhandel. Von 1942 bis 1945 gehörte Hundsheim zu Bad Deutsch-Altenburg; danach wurde es wieder eigenständige Gemeinde.
Quellen: Ortschronik Hundsheim
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Hundsheim – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Naturschutzgebiet Hundsheimer Berg
- Steinbrüche und Höhlen
- Ortschronik Hundsheim
- Naturhistorisches Museum Wien: Kindereiszeitsaal – Hundsheimer Nashorn
- Europaschutzgebiet Hundsheimer Berge – Naturland Niederösterreich
- Pflegewoche Hundsheimer Berge – Naturland Niederösterreich
- Managementplan Europaschutzgebiet Hundsheimer Berge – Land Niederösterreich
Stand der Angaben: 08.10.2026
