TATTENDORF KENNENLERNEN
Tattendorf: Weinbau an der Triesting
Tattendorf ist eine Gemeinde im Bezirk Baden mit 1.509 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2026). Das Gemeindegebiet umfasst 14,35 Quadratkilometer und liegt in der flachen Ebene auf rund 220 Metern Seehöhe. Im Westen fließt die Triesting, nahe der östlichen Grenze die Piesting.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Tattendorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Flüsse und Rebland
Fast zwei Drittel der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, 16 Prozent sind Weingärten und sieben Prozent Wald. Die Gemeinde hat keine weiteren Katastralgemeinden. Entlang der Aspangbahn liegt der Bahnhof Tattendorf; die Strecke verbindet Wien mit Wiener Neustadt. Am Gemeindegebiet hat außerdem der 2016 eröffnete Windpark Pottendorf/Tattendorf Anteil. Das Feuchtgebiet Oberwaltersdorf-Tattendorf ergänzt die kultivierte Landschaft um einen naturnahen Lebensraum. Die Flüsse rahmen den Ort an den gegenüberliegenden Seiten des Gemeindegebiets. Bei der Erhebung 2010 wurden 34 landwirtschaftliche Betriebe erfasst, davon 22 im Haupterwerb.
Klosterherrschaft und erste Nennung
Die erste urkundliche Erwähnung Tattendorfs stammt aus dem Jahr 1114. Im Klosterneuburger Traditionskodex tritt Adaloldus de Tatindorf als Zeuge einer Schenkung auf. Das Stift Klosterneuburg war ab der Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1848 Grundherr. Eine Weingartenordnung, das perchrecht, belegt den Weinbau spätestens 1258. 1529 wurde die Kirche Maria im Elend während der Ersten Wiener Türkenbelagerung zerstört.
Spinnerei und Gemeindeverbund
Franz Girardoni errichtete zwischen 1825 und 1828 eine Spinnfabrik. Nach deren Konkurs 1853 kaufte Theodor Dumba den Betrieb und baute ihn aus; dort arbeiteten schließlich 180 Menschen. Nikolaus Dumba übernahm später die Fabrik und unterstützte Kinder und Bedürftige. Der Betrieb lief bis 1945, die Fabriksgebäude wurden 1991 abgetragen. Auch die kommunale Zugehörigkeit veränderte sich: Von 1972 bis 1987 gehörte Tattendorf zur Gemeinde Steinfelden. Seit dem 1. Jänner 1988 ist der Ort wieder selbständig. Die Marienkapelle, 1903 wiedererrichtet, erinnert an eine Wallfahrt zu einem Marienbild bei einer Eiche.
Weinbau und gemeinschaftliches Leben
Rund 200 Hektar Rebfläche werden vor allem für Rotwein genutzt; kalkreiche, trockene Schwemmlandböden gelten als besonders geeignet. St. Laurent, Blauer Burgunder, Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot gehören zu den angebauten Sorten. In der Zwischenkriegszeit kamen arbeitslose Wiener mit dem Zug zu den sogenannten „Blunzenzügen“ nach Tattendorf. Winzer empfingen sie mit Musik und bewirteten sie in ausgeräumten Wohnräumen, denn eigene Heurigenlokale gab es damals noch nicht. 1960 schlossen sich elf Weinhauer zu einer Genossenschaft zusammen. Sie errichteten später eine Buschenschenkhalle für den Großheurigen. Der Großheurige wird zweimal im Jahr veranstaltet; Tattendorf gehört zur Weinland Thermen Region. Rund 30 Weinbaubetriebe bewirtschaften diese Rebflächen. Das Weingut des Stifts Klosterneuburg bewirtschaftet in Tattendorf insgesamt 55 Hektar, davon 40 Hektar mit St. Laurent in der Ried Stiftsbreite. Auch Blaufränkisch, Zweigelt, Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Pinot Noir wachsen in den Stiftsrieden. Die sonnenreichen Lagen und Schotterböden begünstigen die Reife der Trauben.
Quellen: Gemeinde Tattendorf – Weinbau · Gemeinde Tattendorf – Weingeschichte · Stift Klosterneuburg – Weingut
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
