BLUMAU-NEURISSHOF KENNENLERNEN
Blumau-Neurißhof: Der Ort rund um die Pulverfabrik
Blumau-Neurißhof ist eine Gemeinde im Bezirk Baden. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 1.933 Menschen; das Gemeindegebiet umfasst 4,33 Quadratkilometer. Seine Siedlungs- und Baugeschichte ist eng mit der Pulver- und Munitionsproduktion verbunden.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Chronik, Gemeinde Blumau-Neurißhof
Von der Besiedlung zum Fabriksort
Blumau ist 1380 erstmals urkundlich erwähnt. Unter Maria Theresia fanden zwischen 1740 und 1780 gezielte Besiedlungsversuche statt. Die steppenartige Landschaft bot lange wenig Grundlage für Ackerbau; Schafhaltung spielte eine größere Rolle. Erst mit moderner Landwirtschaft und Kunstdünger wurde Getreideanbau rentabel. 1890 kaufte das k. u. k. Reichskriegsministerium das Gut Blumau-Neurißhof, um eine staatliche Fabrik für rauchschwaches Militärpulver aufzubauen. Die Serienproduktion des Gewehrpulvers M92 begann 1892. Das Werk veränderte die Siedlung grundlegend: Aus verstreuten Höfen und kargen Flächen entwickelte sich ein Fabriksort mit Wohnquartieren und Infrastruktur.
Quellen: Chronik, Gemeinde Blumau-Neurißhof
Aufstieg und Katastrophe
Im Ersten Weltkrieg erreichte die Fabrik ihre größte Ausdehnung und beschäftigte mehr als 30.000 Arbeiter. Die weitläufige Fabriksiedlung mit Häusern und Baracken vom Werk bis Felixdorf beherbergte rund 40.000 Menschen. Wasserleitung, Kanalisation und Stromnetz versorgten die Siedlung; Tiefbrunnen in Neurißhof speisten die Wasserleitung. Ein eigenes Eisenbahnnetz verband den Ort mit Süd- und Aspangbahn. Nach dem Krieg sank die Bevölkerung auf weniger als 2.500. Am 25. Mai 1922 zerstörte eine schwere Explosion die Pulverfabrik und beschädigte Gebäude im Ort; die Detonation war noch in Wien zu hören. Die Freiwillige Feuerwehr Blumau verlor bei diesem Einsatz vier Mitglieder. Nach der Befreiung 1945 beschlagnahmten sowjetische Besatzungstruppen das Werk und demontierten die Produktionsanlagen.
Quellen: Chronik, Gemeinde Blumau-Neurißhof
Wasserturm, Feuerwehrhaus und Wohnhäuser
Die baulichen Spuren des Fabriksorts sind heute im Ortsbild ablesbar. Der Wasserturm, der auch im Gemeindewappen erscheint, wurde 1914 errichtet und dient weiterhin der Trinkwasserverteilung. Ein zweiter Turm in Neurißhof wird dagegen nicht mehr genutzt. Die alte Feuerwehrzentrale stammt ungefähr aus dem Jahr 1916; in ihrem rund 25 Meter hohen Turm wurden früher Feuerwehrschläuche zum Trocknen aufgehängt. Arbeiter- und ehemalige Offizierswohnhäuser entstanden um die Jahrhundertwende während der Pulvererzeugung. Diese Funktionsbauten machen sichtbar, dass die Fabrik nicht nur Produktionsstätten, sondern eine eigene Wohn- und Versorgungslandschaft hervorbrachte.
Quellen: Historische Bauten und Denkmäler, Gemeinde Blumau-Neurißhof
Garnisonskirche und heutige Erinnerungsorte
Die ehemalige Kirche im Ortsteil Blumau entstand 1897 auf Initiative des k. u. k. Kriegsministeriums. Am 19. Juni 1898 wurde sie als Garnisonskirche der heiligen Barbara geweiht; 1912 erhielt sie eine eiserne Kanzel. Die Explosion von 1922 beschädigte auch das Gotteshaus. 1926 übernahm der Kalasantinerorden das Gebäude; 1939 wurde eine eigene Pfarre errichtet. Das Gotteshaus ging später in den Besitz der Gemeinde über; als neuer Zweck war ein Dorfmuseum und Ausstellungsraum vorgesehen. Als weiterer Erinnerungsort liegt neben dem Friedhof Blumau ein Soldatenfriedhof, dessen Anlage die Gemeinde für die Jahre 1978 bis 1985 angibt und mit 4.393 Kriegstoten beider Weltkriege beziffert.
Quellen: Gemeindezeitung: Gotteshaus in Gemeindebesitz, Blumau-Neurißhof · Historische Bauten und Denkmäler, Gemeinde Blumau-Neurißhof
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Blumau-Neurißhof – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Chronik, Gemeinde Blumau-Neurißhof
- Historische Bauten und Denkmäler, Gemeinde Blumau-Neurißhof
- Gemeindezeitung: Gotteshaus in Gemeindebesitz, Blumau-Neurißhof
- Jahresrückblick, Gemeinde Blumau-Neurißhof
Stand der Angaben: 08.10.2026
