HIRTENBERG KENNENLERNEN
Hirtenberg: Vom Triestingdorf zum Industriestandort
Hirtenberg ist eine Marktgemeinde am Talausgang des Triestingtals im Bezirk Baden. Die Triesting fließt südlich des Orts in das Wiener Becken. Auf 1,47 Quadratkilometern leben 2.571 Menschen (Stand 1. Jänner 2026); Gemeindegebiet, Ortschaft und Katastralgemeinde tragen denselben Namen.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Hirtenberg – Wikipedia, feste Artikelversion
Die Patronenfabrik und ihre Folgen
Die Industrialisierung setzte in Hirtenberg bereits im 19. Jahrhundert ein. 1846 richtete Josef Perger eine Baumwollspinnerei ein; Josef Keim machte daraus 1880 eine Bleich-, Appretur- und Färberei. Serafin Keller gründete um 1860 eine mechanische Werkstätte, aus der die Patronenfabrik hervorging; seine Söhne begannen dort 1872 mit der Patronenfertigung. Der Industriebetrieb prägte später sogar das Wappen, das die Gemeinde 1929 bei Markterhebung und Wappenverleihung erhielt: Es zeigt eine Fabrik mit drei Schornsteinen und einen Wasserturm. Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten laut überlieferten Angaben 3.800 Menschen im Munitionswerk; täglich wurden eine Million Patronen hergestellt. Das KZ-Außenlager bestand von September 1944 bis April 1945. Weibliche Häftlinge mussten dort in zwölfstündigen Schichten für die Rüstungsproduktion arbeiten. Der erste Transport mit 391 Frauen traf am 28. September 1944 ein.
Quellen: Hirtenberg – Wikipedia, feste Artikelversion · KZ-Gedenkstätte Mauthausen – Enthüllung Außenlager-Stele Hirtenberg · Gedächtnis des Landes – Hirtenberg
Steinkamperl und Gemeindegründung
Älteste Siedlungsfunde aus der Umgebung reichen in die Jungsteinzeit. Der Ortsname wird mit der Feste Huotto verbunden, die im 13. Jahrhundert auf der Anhöhe Steinkamperl gestanden haben soll. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war auch die Namensform Hienberg gebräuchlich. Nach den Verwüstungen von 1477 unter Matthias Corvinus erlebte der Ort einen Rückgang. 1870 wurde Hirtenberg von den Orts- und Katastralgemeinden Leobersdorf und Enzesfeld getrennt und als selbständige Ortsgemeinde eingerichtet. Auch der Ortsfriedhof entstand separat: Nachdem 1878 ein Beitrag zur Erweiterung des Enzesfelder Friedhofs diskutiert wurde, entschied man sich für einen eigenen Friedhof, der am 20. Oktober desselben Jahres eingeweiht wurde.
Quellen: Hirtenberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Marktgemeinde Hirtenberg – Unser Hirtenberg 04/2022
Kirche, Friedhof und Kulturhaus
Die Pfarrkirche ist der heiligen Elisabeth geweiht. Eine Gemeindezeitung berichtet, dass Industriellenfamilien Keller und Mandl den Kirchenbau anlässlich des 50. Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs stifteten; die Grundsteinlegung erfolgte 1898. Neben der Kirche steht das Soldatendenkmal, ein acht Tonnen schwerer Stein aus Merkenstein mit bronzenem Adler. Das Denkmal wurde am 30. Oktober 1932 enthüllt; seine ursprüngliche Widmung galt den 28 Opfern des Ersten Weltkriegs. Eine später ergänzte Tafel nennt 118 Opfer des Zweiten Weltkriegs. Das 1999 renovierte Kulturhaus bietet Platz für bis zu 600 Personen. Am 5. April 2024 enthüllte die KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Park vor der Mittelschule eine vier Meter hohe Außenlager-Stele.
Quellen: Hirtenberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Marktgemeinde Hirtenberg – Unser Hirtenberg 04/2022 · KZ-Gedenkstätte Mauthausen – Enthüllung Außenlager-Stele Hirtenberg
Bahn und Einrichtungen im Tal
Die Leobersdorfer Bahn führte von Leobersdorf durch das Triestingtal und weiter durchs Gölsental nach St. Pölten. Der Abschnitt Weißenbach-Neuhaus–Hainfeld wird seit 2004 im Personenverkehr durch eine Buslinie ersetzt. Die Haltestelle Hirtenberg liegt auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Enzesfeld-Lindabrunn; örtliche Güter wurden über den Bahnhof Enzesfeld auf die Schiene gebracht. Für Hirtenberger Betriebe bestanden einst Schleppgleise zum Bahnhof Enzesfeld, die inzwischen entfernt wurden. Parallel zur Bahn verläuft die Hainfelder Straße B18. Eine Buslinie fährt Richtung Berndorf und über Enzesfeld nach Leobersdorf. In Hirtenberg selbst befinden sich eine Justizanstalt, die seit 1962 besteht, sowie Kindergarten, Volksschule und Mittelschule. Bis 1918 war im Gebäude der Justizanstalt das Offizierswaiseninstitut untergebracht.
Quellen: Hirtenberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Marktgemeinde Hirtenberg – Unser Hirtenberg 04/2022
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Hirtenberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Hirtenberg – Unser Hirtenberg 04/2022
- Marktgemeinde Hirtenberg – Geschichte der Pfarrkirche
- KZ-Gedenkstätte Mauthausen – Enthüllung Außenlager-Stele Hirtenberg
- Gedächtnis des Landes – Hirtenberg
Stand der Angaben: 08.10.2026
