GROSSWARASDORF KENNENLERNEN
Burgenlandkroatische Kultur in vier Ortschaften
Großwarasdorf ist eine Gemeinde im Bezirk Oberpullendorf mit 1.367 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand 1. Jänner 2026). Auf 42,49 Quadratkilometern umfasst sie die Ortschaften Großwarasdorf, Kleinwarasdorf, Langental und Nebersdorf. Burgenlandkroatische Sprache und Kultur prägen die Gemeinde. Die kroatischen Ortsnamen Veliki Borištof, Mali Borištof, Longitolj und Šuševo unterstreichen die Mehrsprachigkeit der Gemeinde.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Großwarasdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Vier Orte, mehrere Sprachen
Die Ortsteile liegen im Mittelburgenland und bilden eine Gemeinde mit deutlich ausgeprägter lokaler Vielfalt. In Großwarasdorf und Kleinwarasdorf stehen Kirchen, ebenso in Nebersdorf; Langental besitzt eine Filialkirche. Am 13. Juli 2000 wurden hier die ersten offiziellen zweisprachigen Ortstafeln im Burgenland aufgestellt: Sprache wurde damit auch im Straßenraum offiziell präsent. Die Beschriftung umfasst alle vier Ortschaften.
Geschichte zwischen Noricum und Ungarn
Das Gebiet lag vor der römischen Zeit im Umfeld des keltischen Königreichs Noricum und später in der römischen Provinz Pannonia. Bis 1920/21 gehörte es zu Ungarn; ab 1898 musste im Zuge der Magyarisierung der ungarische Name Nagybarom verwendet werden. 1921 kam der Ort zum Burgenland. Eine kommunalgeschichtliche Besonderheit ist die Bezirksfrage von 1830: Großwarasdorf hätte Bezirksvorort werden sollen, doch die Bewohner widersetzten sich, worauf Oberpullendorf diese Rolle erhielt. Aus der Episode leitet sich der überlieferte Spitzname „varošćani“ ab.
Kirchen und Schloss
Die Pfarrkirche von Großwarasdorf ist dem heiligen Demetrios geweiht, jene von Kleinwarasdorf der heiligen Anna. In Nebersdorf befindet sich eine Pfarrkirche zu Allerheiligen, in Langental eine Filialkirche zur Unbefleckten Empfängnis. Das Schloss Nebersdorf ergänzt diese sakralen Bauwerke um einen herrschaftlichen Bezugspunkt. Die Mittelschule fällt durch ihre Architektur auf: Das Gebäude wurde im Stil des Brutalismus errichtet und 2020 unter Denkmalschutz gestellt. Diese Bauwerke geben den vier Ortschaften jeweils ein eigenes Zentrum und machen unterschiedliche Epochen im Gemeindebild sichtbar. Die heutige Pfarrkirche zum heiligen Demetrius wurde 1859 neu errichtet; ihr Hochaltar stammt aus dem 18. Jahrhundert. Vor der Kirche steht eine barocke Dreifaltigkeitssäule von 1742 mit Steinbalustrade und Relief der Verkündigung. Die Kroatenmutter, eine Bronzeplastik von Stjepan Gračan, entstand zum 450-jährigen Jubiläum der Kroaten im heutigen Burgenland. Das klassizistische Schloss Nebersdorf wurde um 1770 für Graf Christoph von Niczk erbaut.
Quellen: Sehenswürdigkeiten Großwarasdorf
Bildung und Arbeitswelt
Die zweisprachige Volksschule führt den Unterricht auf Deutsch und Burgenlandkroatisch; seit 2010 wird Ungarisch als unverbindliche Übung angeboten. Auch die Mittelschule ermöglicht Unterricht in beiden Sprachen, sodass Kinder einen großen Teil ihrer Schulzeit im Ort absolvieren können. Zwischen 2001 und 2011 sank die Zahl der Erwerbstätigen in der Produktion von 99 auf 14. Im selben Zeitraum arbeiteten 126 von 582 Erwerbstätigen am Wohnort, 456 pendelten aus. Bildung in mehreren Sprachen und ein überörtlich geprägter Arbeitsmarkt gehören damit gleichermaßen zum Gemeindeleben.
Quellen: Schulen in Großwarasdorf · Großwarasdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
