DEUTSCHKREUTZ KENNENLERNEN
Weinort an der ungarischen Grenze
Deutschkreutz liegt im Mittelburgenland an der Grenze zu Ungarn und umfasst die Ortschaften Deutschkreutz und Girm. Die Marktgemeinde zählt 3.151 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 34,11 Quadratkilometern. Grenzübergänge verbinden den Ort mit Harka, Kópháza und Nagycenk. Die Lage öffnet den Blick auf die ungarische Tiefebene und prägt zugleich Wirtschaft und Geschichte. Gemeinsam mit mehreren Nachbargemeinden gehört Deutschkreutz zum Blaufränkischland, einer der bedeutenden Rotweinregionen des Burgenlands.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Deutschkreutz – Wikipedia, feste Artikelversion
Markt und Grenzgeschichte
Deutschkreutz ist seit 1340 Marktgemeinde. Das Gebiet gehörte in römischer Zeit zur Provinz Pannonia und bis 1920/21 zu Ungarn; 1921 wurde es Teil des Burgenlands. Die jüdische Gemeinde von Zelem ist ab 1478 belegt. Am 14. September 1671 ließen sich 28 jüdische Familien nieder; die Gemeinde entwickelte sich zu einer der Siebengemeinden und richtete 1747 eine Synagoge sowie 1759 einen Friedhof ein. 1857 lebten hier 1.244 jüdische Menschen, 37,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurden die verbliebenen 430 Gemeindemitglieder vertrieben; 1941 zerstörten Nationalsozialisten die Synagoge. Am Friedhof sind 38 Grabsteine wieder aufgestellt, weitere Bruchstücke an der westlichen Mauer eingelassen. Ein Denkmal erinnert an die vertriebene Gemeinde. In einem Schutzbrief von 1720 bestätigte die Familie Esterházy Niederlassungsrechte und wirtschaftliche Privilegien; dazu zählten eine eigene Fleischbank und eine Brauerei. Die jüdische Gemeinde verfügte über religiöse und politische Selbstverwaltung. Händler vertrieben Getreide und Wein aus der Umgebung, und im lokalen Dialekt blieben jiddische Wörter erhalten.
Schloss und künstlerische Spuren
Das Renaissanceschloss Deutschkreutz ist ein mächtiger Vierflügelbau mit Ecktürmen und zweigeschoßigen Arkaden im Innenhof. Der Künstler Anton Lehmden lebte ab den späten 1960er-Jahren im Schloss, restaurierte es und zeigte dort seine Gemälde. Seine künstlerische Arbeit prägt auch die Pfarrkirche: Bei ihrer umfassenden Neu- und Ausgestaltung schuf Lehmden 35 Arbeiten. Schloss, Kirche und Friedhof verweisen auf unterschiedliche kulturelle Schichten des Orts und lassen sich als zusammenhängende Stationen eines Rundgangs durch seine Architektur- und Erinnerungsgeschichte verstehen.
Blaufränkisch und Mineralwasser
Das Blaufränkischland liegt zwischen den Südausläufern des Ödenburger Gebirges und dem Günser Bergland; nach Osten öffnet sich die Ungarische Tiefebene. Pannonisches Klima und überwiegend lehmige Böden begünstigen den Weinbau. Neben Blaufränkisch werden Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt angebaut. Die Mineralwasserquelle Juvina liegt ebenfalls auf dem Gemeindegebiet und war nach der Ortsüberlieferung bereits den Römern bekannt. So bilden Rebbau und Mineralwasser zwei unterschiedliche regionale Ressourcen. Das Blaufränkischland ist dabei eine Vermarktungsregion, deren Weinorte sich mit der Dominanz der roten Sorte profilieren.
Bildung und Erreichbarkeit
Deutschkreutz bietet eine Volksschule und eine Musikschule; im Ortszentrum befindet sich eine Apotheke. Das Sozialzentrum Haus Lisa wird von der Caritas Burgenland betrieben. Die Burgenlandbahn verbindet den Ort mit der Region, auf der Straße führt die B62 von Sopron zur Schnellstraße S31. Bis zum EU-Beitritt Ungarns 2004 hatte der Grenzübergang an der B62 eine besondere Funktion für den grenzüberschreitenden Güterverkehr.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
