ZURNDORF KENNENLERNEN
Marktgeschichte zwischen Landwirtschaft und Innovation
Zurndorf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Neusiedl am See. Auf 54,29 Quadratkilometern leben 2.322 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Die Gemeinde umfasst eine einzige Ortschaft. Ihre Lage in der offenen Landschaft des Nordburgenlands verbindet landwirtschaftlich geprägte Umgebung mit Verkehrsachsen und Gewerbestandorten. Der Bahnhof liegt südlich des Orts und bindet Zurndorf an die Ostbahn an. Die Gemeinde hat sich zugleich als Standort unterschiedlicher Produktions- und Energieprojekte entwickelt.
Quellen: Zurndorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Mittelalterliche Geschichte und Marktrecht
Ein bronzezeitliches Grab und Reste römischer Siedlungen belegen die lange Besiedlung der Gegend. Urkundlich erscheint Zurndorf 1209 unter dem Namen „Zaran“. 1399 erhielt der Ort das Marktrecht; Ferdinand III. erneuerte es 1642. Die Türkenkriege brachten 1529 und 1683 Zerstörungen. Wie das übrige Burgenland gehörte Zurndorf bis 1920/21 zu Ungarn, hier zum Komitat Moson. Seit 1921 ist der Ort Teil des Burgenlands. Die Markttradition verweist auf die Bedeutung des Orts als lokales Zentrum, die durch seine Verkehrsverbindungen bis heute sichtbar bleibt.
Konfessionelles Zusammenleben
Die Reformation prägte Zurndorf früh: Um 1560 bis 1570 fasste der Protestantismus in der Gemeinde Fuß. In den 1570er-Jahren gewannen evangelische Prediger rasch einen großen Teil der Bevölkerung. Nachdem das katholische Gotteshaus zeitweilig den Evangelischen überlassen worden war, erhielten die Katholiken ihre Kirche 1673 zurück. 1659 hatten sie ersucht, wenigstens die alte Rundkapelle im Friedhof für Gottesdienste nutzen zu dürfen. Nach dem Toleranzpatent Josef II. begann 1782 der Bau einer evangelischen Kirche; sie war 1783 fertig, zunächst noch ohne Turm. Dieser kam 1841 hinzu. Die katholische und die evangelische Gemeinde entwickelten so zwei eigene sakrale Mittelpunkte. Bis ins 20. Jahrhundert gab es auch konfessionell getrennte Volksschulen.
Quellen: Pfarrchronik Zurndorf
Katholische Kirche und Michaelskapelle
Die katholische Pfarrkirche steht im örtlichen Friedhof und ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Sie entstand um 1270; ihr einschiffiger Bau zeigt einen romanischen Kern und ein frühgotisches Kreuzrippengewölbe über romanischen Doppeldiensten. Bei Restaurierungen in den 1970er-Jahren wurde an der Südseite das Quadermauerwerk freigelegt. Der Westturm stammt aus 1857, nachdem ein Großbrand den Vorgänger zerstört hatte. Im Altarraum steht der barocke Hochaltar mit einem Bild nach einer Radierung von Franz Anton Maulbertsch. Daneben liegt die zwischen 1727 und 1739 errichtete Michaelskapelle; davor steht eine Immaculata-Pestsäule.
Quellen: Pfarrchronik Zurndorf
Wirtschaft im Wandel
2012 begann die Errichtung eines Werks für Betontürme von Windkraftanlagen. Die Produktion wurde 2018 eingestellt; das Areal übernahm 2020 der Baustoffproduzent Leier, der dort 2022 ein Betonwerk für Doppelwände und Decken eröffnete. 2020 nahm außerdem die Sektkellerei A-Nobis ihren Betrieb in Zurndorf auf. Für die Region ist auch die Windstromerzeugung bedeutsam: Anfang 2024 wurde ein EU-gefördertes Vorhaben für eine Pilotanlage zur Wasserstoffproduktion aus Strom angekündigt. Zurndorf vereint damit gewachsene Marktstrukturen mit aktuellen industriellen und energiebezogenen Nutzungen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
