NICKELSDORF KENNENLERNEN
Nickelsdorf, Grenzgemeinde mit vielfältiger Musikszene
Nickelsdorf liegt im äußersten Osten des Burgenlandes an der Grenze zu Ungarn. Die Gemeinde umfasst 60,75 Quadratkilometer und zählt 1.806 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Östlich des Ortszentrums befindet sich der Straßen- und Bahnübergang nach Hegyeshalom. Die heutige Staatsgrenze zwischen Österreich und Ungarn besteht in dieser Form seit 1921; zuvor gehörte Nickelsdorf zum ungarischen Komitat Moson. Neben der katholischen Bevölkerung lebt in Nickelsdorf eine große evangelische Gemeinde; auch ungarische Traditionen sind im Ort präsent. Die Lage an der Verkehrsachse Wien–Budapest brachte Bewegungen von Menschen, Handel und Militär mit sich.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Nickelsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Archäologische Funde und Ortsnamen
Archäologische Funde reichen von vorgeschichtlichen Keramikscherben bis zu römischen Gräbern, einem Kindersarkophag und Überresten von Gutshöfen. Im Mittelalter siedelten ungarische Herrscher Grenzwächter, darunter Petschenegen, in der Region an. Der ältere Ortsname Turdemech ist bis 1359 belegt; 1532 erscheint der Name Miklósfalu. Nickelsdorf gehörte bis 1921 zum Königreich Ungarn und kam danach zum neu gegründeten Burgenland.
Quellen: Gemeinde Nickelsdorf – Geschichte
Grenzhöfe und Landeszugehörigkeit
Die Gemeindegeschichte erinnert auch an die Grenzhöfe und ihre Entwicklung: Der Saidahof wurde 1846 gegründet und erst 1921 dem Nickelsdorfer Gemeindegebiet zugeschlagen. Die Wien–Straßsommerein-Bahn erhielt 1926 ein zweites Gleis. Ein örtlicher Streit um den Sommerfahrplan 1927 drehte sich darum, dass der letzte Personenzug nach Wien bereits um 19:20 Uhr abfuhr und dadurch die Milchlieferung erschwerte; später nahm ein Güterzug die Milch mit. Im September 2015 rückte die Grenze erneut in den Mittelpunkt. Am 14. September erreichte die Fluchtbewegung in Nickelsdorf ihren Höhepunkt; an diesem Tag wurden 22.000 Ankünfte registriert.
Quellen: Gemeinde Nickelsdorf – Geschichte · Nickelsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Evangelische und katholische Kirchen
Die evangelische Gemeinde widerstand den Gegenreformationsversuchen. Nach dem Toleranzpatent bildete Nickelsdorf zunächst mit Zurndorf einen Pfarrverband. 1787 erhielt der Ort eine eigene Kirche, zunächst als Toleranzkirche ohne Turm und hinter einer Häuserzeile errichtet; 1832 kam der Turm hinzu. Seit 1861 hat Nickelsdorf einen eigenen evangelischen Pfarrer. 1975 wurden vorgelagerte Gebäude abgetragen und so der heutige Kirchenvorplatz geschaffen. Die katholische Pfarrkirche ist dem heiligen Nikolaus geweiht. Weil der ältere Bau zu klein und baufällig war, entstand 1904 bis 1905 eine neue Kirche, die am 15. Oktober 1905 geweiht wurde; ihre drei neugotischen Schnitzaltäre stammen aus der Bauzeit. Die beiden Kirchen veranschaulichen die konfessionelle Vielfalt des Ortes. Zur Ortsgeschichte gehört auch die Verfolgung jüdischer Einwohner: 1938 wurde das einzige jüdische Geschäft „arisiert“, und seine Inhaberfamilie musste fliehen.
Quellen: Evangelische Kirche Nickelsdorf · Gemeinde Nickelsdorf – Geschichte · Nickelsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Jazzgalerie und große Festivals
In Nickelsdorf hat die Jazzgalerie einen festen Platz im Kulturleben. Sie wurde 1976 gegründet; seit 1979 veranstaltet sie die internationale Reihe „Konfrontationen“, die Musikerinnen und Musiker des Avantgarde-Jazz in den Ort bringt. Eine andere Größenordnung hat das Rockfestival Nova Rock: Seit 2005 findet es im Juni auf den Pannonia Fields statt. Die Termine fallen in die warme Jahreszeit und führen Festivalpublikum in die kleine Grenzgemeinde.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
