GÖLLERSDORF KENNENLERNEN
Göllersdorf: Marktgeschichte zwischen zwei Schlössern
Göllersdorf liegt im Weinviertel im Tal des Göllersbachs. Die Marktgemeinde zählte am 1. Jänner 2026 3.216 Einwohner und umfasst 59,56 Quadratkilometer. Zum Gemeindegebiet gehören ein historischer Marktkern und mehrere Dörfer mit eigenen Kirchen und Kellergassen.
Markt im Tal des Göllersbachs
Funde von Steinwaffen, Tongewichten und Bandkeramikscherben belegen eine vorgeschichtliche Besiedlung des Gebiets. Zum Gemeindegebiet gehören zwölf Ortschaften und dreizehn Katastralgemeinden; Viendorf bezeichnet sowohl eine Ortschaft als auch eine Katastralgemeinde, daneben gibt es die KG Viendorf Weingebirge. Göllersdorf selbst wird um 1130 als Gelantesdorf erwähnt; 1305 erscheint die Form Gelesdorf, 1320 Gellerstorff. Die meisten Katastralgemeinden sind ebenfalls seit dem 12. Jahrhundert belegt. Die KG Großstelzendorf ist 1195 erstmals urkundlich belegt.
Vom Herrschaftssitz zum Markt
Die Herrschaft lag zunächst bei den Maissauern, ab 1446 bei den Puchheimern. Bis 1779 blieb Göllersdorf ein brandenburgisches Lehen. Kaiser Friedrich III. verlieh Göllersdorf 1468 das Marktwappen mit Weinrebe, Trauben und einem Weinmesser. 1632 wurde im Schloss ein Vertrag zwischen Wallenstein und kaiserlichen Vertretern geschlossen, der seine Rückkehr in den kaiserlichen Kriegsdienst regelte. 1710 verkaufte der letzte Puchheimer die Herrschaft an Friedrich Karl Graf von Schönborn. Das alte Schloss im Hauptort hatte einen spätmittelalterlichen Kern und wurde im 16. Jahrhundert zum Renaissancesitz ausgebaut. Seit den 1970er Jahren befindet sich darin die Justizanstalt Göllersdorf; das Gelände ist kein reguläres Besichtigungsziel. Das neue barocke Schloss Schönborn entstand ab 1711 in Mühlberg, dem heutigen Ortsteil Schönborn südöstlich des Hauptortes.
Hildebrandts Kirchen und Schlosspark
Johann Lukas von Hildebrandt gestaltete die Pfarrkirche St. Martin 1740/41 im Auftrag Schönborns barock um. Der Bau bewahrt einen gotischen Kern aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die hohe, zylindrisch vorgewölbte Fassade endet in einem markanten Knickgiebel; innen gliedern Pilaster und Gurtbögen das Langhaus und die Seitenkapellen. Das neue Schloss Schönborn in Mühlberg, heute im Ortsteil Schönborn, erhielt sein Hauptgebäude 1713. Der zweigeschossige Bau umfasst mit drei Flügeln einen rechteckigen Hof; zum Ensemble gehört eine 1717 vollendete Orangerie. Der 104 Hektar große Park wird heute teilweise vom Golfclub genutzt, der das Schloss als Clubhaus und Restaurant betreibt. Der Besuch des Gebäudes ist daher an die Nutzung des Clubs gebunden.
Dörfer, Keller und Bahn
In Großstelzendorf, einer Ortschaft der Marktgemeinde, wurde die Pfarrkirche St. Andreas 1735–1737 nach Entwürfen Hildebrandts barock umgestaltet. Die Erzdiözese beschreibt den Innenraum als einheitlich gestaltet; zur Ausstattung zählen ein 1761 gebautes Orgelwerk und ein Altarblatt Martin Johann Schmidts. Am Friedhof sind spätbarocke Sandsteingrabsteine erhalten. In Eitzersthal führt die Kellergasse „Bei der Kirche“ zwischen Presshäusern durch die Weinlandschaft. Das Bahnhofsviertel im Hauptort bindet Göllersdorf an die Nordwestbahn und die Schnellstraße S3 verbindet die Region mit dem Großraum Wien. Im Ortskern markieren Schlosstor und Pfarrkirche die historischen Herrschafts- und Marktachsen. Die Marktgemeinde gliedert sich in Bergau, Eitzersthal, Furth, Göllersdorf, Großstelzendorf, Obergrub, Oberparschenbrunn, Porrau, Schönborn, Untergrub, Viendorf und Wischathal.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Göllersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Göllersdorf – Historisch
- Geschichte – Golfclub Schloss Schönborn
- Golfclub Schloss Schönborn – Besuch und Nutzung
- Göllersdorf – Pfarrkirche Hl. Martin
- Pfarrkirche Großstelzendorf – Erzdiözese Wien
Stand der Angaben: 08.10.2026
