ZEILLERN KENNENLERNEN
Zeillern: Wasserschloss und Mostland im Zeitlbachtal
Zeillern liegt im Herzen des Mostviertels im Bezirk Amstetten. Die Marktgemeinde zählte am 1. Jänner 2026 1.929 Einwohnerinnen und Einwohner auf 21,57 Quadratkilometern. Der Zeitlbach durchzieht die sanft hügelige Landschaft; im Ortskern bilden Schloss und Pfarrkirche ein markantes Ensemble.
Der Bach und die Bienen im Ortsnamen
Der Zeitlbach entspringt im Südwesten des Gemeindegebiets und zieht nach Nordosten durch die Landschaft. Sein Wasserlauf liegt bei etwa 290 Metern Seehöhe; die Höhen steigen im Süden auf rund 380, im nordwestlichen Hügelland bis auf 400 Meter. Das sanft bewegte Gelände prägen Obstgärten und landwirtschaftliche Flächen. Zeillern besteht aus einer einzigen Katastralgemeinde und gehört zur Mostviertler Obstlandschaft. Der früheste schriftliche Ortsname, Zidelaren, ist 1140 belegt. Das althochdeutsche Wort „zidelari“ bezeichnete einen Bienenzüchter oder Imker; die Deutung lebt auch im Gemeindewappen weiter, das einen Bienenkorb mit drei Bienen zeigt. Der Zeitlbach erscheint schon in der älteren Form Cidalaribah und gab dem Ortsnamen offenbar seinen sprachlichen Hintergrund.
Vom Herrschaftssitz zum Schlosszentrum
Die Herrschaft Zeillern wechselte im Mittelalter mehrfach den Besitzer. 1239 ist die Familie Traun als Inhaber bezeugt; 1380 ging „Haus und Dorf Zeillern“ an Bernhard II. von Seisenegg. Wolf Friedrich von Tattenbach kaufte den Besitz 1605 und ließ die Anlage zu einem Wasserschloss ausbauen. Unter den Tattenbachern erhielt Zeillern 1633 das Marktrecht. 1664 erwarb Graf Konrad Balthasar von Starhemberg das Schloss; ein Stich von 1672 zeigt einen vierflügeligen Bau mit Mauerring und Ecktürmen. Im späten 19. Jahrhundert wurde das Schloss zum Erholungsheim. Die Marktgemeinde erwarb es 1976 und ließ es renovieren. Seit 1988 ist es Schulungs- und Veranstaltungszentrum; seit 2002 nutzt es der Österreichische Blasmusikverband als bundesweite Ausbildungsstätte. Heute beherbergt es auch ein Hotel.
Eine spätgotische Kirche im Marktensemble
Zeillern war zunächst eine Tochterkirche der Pfarre Stephanshart und kam 1140 gemeinsam mit ihr an das Kollegiatstift Ardagger. Die dem heiligen Jakobus dem Älteren geweihte Kirche wurde zwischen dem späten 14. und 15. Jahrhundert zur gotischen Staffelkirche umgebaut. 1462 erhielt sie eine dauerhafte seelsorgliche Betreuung: Der Vikar sollte künftig in einem Gebäude gegenüber der Kirche wohnen. Seit 1784 ist Zeillern eine vollberechtigte Pfarre. Die dreischiffige Kirche zeigt romanische Bauteile und einen mittelalterlichen Westturm mit hohem Dach. Eine Kanonenkugel in der Reitzberger Kapelle erinnert an die Kämpfe von 1805. Am 5. November standen bei Boxhofen im benachbarten Amstetten die französische Vorhut unter Murat und die russisch-österreichische Nachhut unter Kutusow einander gegenüber; das Gefecht ging als „le combat d’Amstetten“ in Frankreich in die Geschichtsbücher ein.
Schlossinsel, Mostweg und neue Akzente
Der offene Platz zwischen Schloss, Kirche und Schlossinsel verbindet die historischen Gebäude zu einem gemeinsamen Ortskern. Die von der Architektin Caren Ohrhallinger gestaltete Platzfolge mit einem „roten Teppich“ erhielt 2012 den Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerungspreis. Eine neu gestaltete Insel mit Stegen führt unmittelbar ans Wasser des Schlossgrabens. Wer sich vom Zentrum in die umliegende Hügellandschaft begibt, kann auf dem Mostobstwanderweg an Bauernhöfen und Mostheurigen vorbeigehen; zehn Schautafeln erklären die Mostproduktion. Der rund sieben Kilometer lange Weg beginnt bei der Infotafel auf der Schlossinsel. Der Jakobsweg führt durch Zeillern; auch die Mostbaron-Radroute und ein sechsstationiger Inspirationsweg erschließen das Gemeindegebiet. So setzen sich Obstkultur, Handwerk und bauliches Erbe im öffentlichen Raum des Marktes fort.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
