WEIDEN AM SEE KENNENLERNEN
Zwischen Weinrieden und offenem Seeufer
Am Nordostufer des Neusiedler Sees verbindet Weiden am See Weinbau, Landwirtschaft und ein ausgeprägtes Verhältnis zum Wasser. Die Marktgemeinde liegt rund zwei Kilometer südöstlich von Neusiedl am See und zählt 2.560 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Ihr Gebiet umfasst 32,51 Quadratkilometer; mehr als vierzig Prozent davon entfallen auf den See, rund 38 Prozent auf landwirtschaftliche Flächen und etwa elf Prozent auf Weingärten.
Landschaft und Siedlung
Weiden ist die einzige Ortschaft der Gemeinde. Zur Siedlungsstruktur gehören neben dem älteren Ortskern die Feriensiedlung, die Siedlung Grenzgasse, der Seepark und die Strandbadsiedlung. Diese Bereiche spiegeln unterschiedliche Nutzungen wider: gewachsene dörfliche Bebauung, Wohnen am Wasser und saisonal geprägte Aufenthalte. Die weite Seefläche bildet dabei einen wesentlichen Teil des Gemeindegebiets, während Felder und Weingärten den Übergang zum Hinterland gestalten. Der Neusiedler-See-Radweg führt durch den Ort und bindet ihn in eine regionale Route ein, die Landschaft und Siedlungen rund um den See miteinander verbindet.
Geschichtliche Spuren
Die Besiedlung reicht weit zurück: Funde aus dem Bereich der Grenzgasse belegen jungsteinzeitliche Aktivitäten. Zwei bronzezeitliche Gräber mit Gefäßbeigaben sowie ein römisches Grab mit Steinsarkophag aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. verweisen auf weitere Epochen. Schriftlich erscheint Weiden 1338 als „Weyden“. Nach 1413 gehörte der Ort dem Raaber Domkapitel; 1588 verlieh Rudolf II. das Marktrecht. Kriegszüge 1529 und 1683 sowie der Kuruzzenkrieg 1704 bis 1709 brachten schwere Schäden. Ein Großbrand hatte den Ort bereits 1606 verwüstet. Am südöstlichen Ortsrand bei den Kirchenäckern wurden 2012 Befunde aus mehreren Epochen freigelegt. Dazu zählen eine römische Villa rustica mit Fußbodenheizung und Badegebäude sowie mehr als 4.000 Objekte. Seit Juni 2015 erläutert ein Infopoint am Seegrund die Ergebnisse. Ein spätantiker Holzbrunnen mit 72 Holzteilen wurde 2015 geborgen. Die äußeren Balken datieren 292 bis 336, die inneren 306 bis 349 n. Chr. Der Fundplatz liegt nahe dem heutigen Siedlungsgebiet.
Vom Grenzland zur Seegemeinde
Bis 1920/21 gehörte Weiden zu Ungarn; während der Magyarisierungspolitik war ab 1898 der ungarische Name Védeny vorgeschrieben. Seit 1921 ist der Ort Teil des Burgenlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die 1938 erfolgte Zusammenlegung mit Neusiedl am See 1947 rückgängig gemacht. Ein markanter Wandel setzte mit dem Seebad ein: Die Planungen begannen 1955, eröffnet wurde es 1959 und 1965 erweitert. In den 1980er-Jahren entstand die Wohnsiedlung Seepark mit rund 400 Wohneinheiten. Der Ausbau prägte die heutige Verbindung von Ortsleben und touristischer Nutzung am See.
Alltag und Wege
Weinbau und Landwirtschaft prägen die Kulturlandschaft, zugleich hat sich die Erwerbsstruktur verändert. Zwischen 1999 und 2010 sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 250 auf 131; 77 davon wurden 2010 im Haupterwerb geführt. Im Dienstleistungsbereich waren 2011 soziale und öffentliche Dienste sowie der Handel wichtige Beschäftigungsfelder. Der Bahnhof bindet den Ort an das regionale Bahnnetz an und ermöglicht Bahnreisen in Richtung Wien. Durch den Ort verläuft außerdem die Neusiedler Straße B51; die A4 berührt das Gemeindegebiet im Norden. So ist Weiden sowohl an die Bezirkshauptstadt als auch an das überregionale Verkehrsnetz angebunden.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
