TRAISKIRCHEN KENNENLERNEN
Traiskirchen: Stadt an alten Verkehrswegen
Traiskirchen liegt im Bezirk Baden und zählt als Stadtgemeinde 18.958 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand: 1. Jänner 2026). Das Stadtgebiet umfasst 29,11 Quadratkilometer. Seine Geschichte ist von Verkehrswegen geprägt, die Handel, Handwerk und Industrie begünstigten.
Straße, Kanal und Eisenbahn
Eine römische Straße verlief durch das heutige Stadtgebiet weitgehend entlang der B 17 und gehörte zur Bernsteinstraße, einer Verbindung zwischen Ostsee und Italien. Im Mittelalter profitierten Schmiede, Sattler, Wagner und Gasthöfe von den Reisenden. Der Wiener Neustädter Kanal wurde 1803 in Betrieb genommen; verwirklicht wurde nur der Abschnitt zwischen Wien und Wiener Neustadt, obwohl eine Wasserverbindung bis Triest geplant war. Pferde zogen 22,7 Meter lange Lastkähne, die vor allem Ziegel, Brennmaterial und Lebensmittel transportierten. Mitte des 19. Jahrhunderts verlor der Kanal seine Rolle als Verkehrsader an die Eisenbahn; die Schifffahrt ging ab 1879 stark zurück.
Fabriken in Möllersdorf und Wienersdorf
Die Industrialisierung entwickelte sich in den heutigen Stadtteilen unterschiedlich. In Möllersdorf wurde 1824 eine Baumwollspinnerei gegründet, später kamen eine Färberei und Appreturanstalt hinzu. Das Werk schloss 1976. Seit 1988 ist das Museum Traiskirchen in den Gebäuden der ehemaligen Kammgarnspinnerei untergebracht; seine Sammlungen behandeln unter anderem Alltag, Technik, Industrie, Weinbau und Natur. In Wienersdorf entstand 1897 eine Fabrik für Vollgummireifen, aus der das Semperit-Reifenwerk hervorging. Continental übernahm Semperit 1985; die Reifenproduktion in Traiskirchen endete 2002, das Werk wurde 2009 endgültig geschlossen.
Vom Markt zur Stadtgemeinde
Eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1113 nennt Traiskirchen erstmals. Das Marktrecht erhielt der Ort 1319, ein eigenes Wappen 1514. Die Stadtpfarrkirche St. Margaretha diente bereits vor den Verwüstungen von 1683 als Wehrkirche. An die Pest von 1713 erinnert die 1722 errichtete Dreifaltigkeitssäule am Hauptplatz. Traiskirchen wurde 1927 zur Stadt erhoben. 1972 kamen Tribuswinkel und Oeynhausen zur Stadtgemeinde; heute bilden die Katastralgemeinden Traiskirchen, Tribuswinkel, Möllersdorf, Oeynhausen und Wienersdorf das Gemeindegebiet. Im früheren Gebäude der Artilleriekadettenschule wurde 1956 während der Fluchtbewegungen des ungarischen Volksaufstands ein Durchgangslager eingerichtet.
Kanal als Natur- und Erinnerungsraum
Der Kanal ist heute auch ein Naturraum. Entlang seines Ufers wachsen 366 wildlebende Pflanzenarten; Schilf und Hochstauden in selten gemähten Abschnitten bieten Tieren Lebensraum, darunter der Smaragdeidechse. Am Rastplatz am Kanal pflegt die Stadt eine sogenannte Gstettn: Die spontane Ruderalvegetation wird nur selten und mosaikartig gemäht, auf rund 30 Quadratmetern wurde ein Rest Trockenrasen verlegt. Von dort führt die Kanal-Weinberg-Route hinauf zur Urbanuskapelle auf der Mandelhöhe. Sie wurde 1989 als Nachbau des ehemaligen Hirterhauses errichtet und ist dem Schutzpatron des Weinbaus geweiht. Die etwa 4,3 Kilometer lange Route ist als leicht bis mittelschwer beschrieben und mit rund eineinhalb Stunden angegeben. Vom höchsten Punkt Traiskirchens auf 256 Metern öffnet sich der Blick über die Stadt und ins Triestingtal; bei klarer Sicht sind Hohe Wand und Schneeberg zu erkennen.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Traiskirchen – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Daten & Fakten der Stadtgemeinde Traiskirchen
- Die Geschichte des Kanals, Stadtgemeinde Traiskirchen
- Traiskirchen im historischen Wandel, Stadtgemeinde Traiskirchen
- Museum Traiskirchen, Stadtgemeinde Traiskirchen
- Verkehrsachse Traiskirchen, Stadtgemeinde Traiskirchen
- Kanal-Weinberg-Route, Stadtgemeinde Traiskirchen
Stand der Angaben: 08.10.2026
