STOCKERAU KENNENLERNEN
Stockerau: Markt an der Au
Stockerau ist eine Stadtgemeinde im Bezirk Korneuburg. Am 1. Jänner 2026 zählte sie 17.363 Einwohnerinnen und Einwohner; das Stadtgebiet umfasst 37,41 Quadratkilometer. Die Stadtgeschichte reicht von der Koloman-Überlieferung über Handel und Marktrecht bis zu Theater, Museum und geschützter Donauau.
Koloman, Pfarre und Markt
Die erste urkundliche Erwähnung Stockeraus datiert die Stadtgemeinde auf 1012 und verbindet sie mit dem Tod des heiligen Koloman. Der Pilger wurde der Überlieferung nach als vermeintlicher Spion getötet und später in Melk beigesetzt. Zwei Jahre danach entstand die Pfarre Stockerau; 1215 bestätigte Papst Innozenz III. ihre Übertragung an das Stift Klosterneuburg. Ein Privileg Friedrichs des Schönen erlaubte 1327 den Handel mit Getreide, Wein und Holz. 1426 flüchteten Einwohner vor den Hussiten hinter die Mauern der Kirche. Eine Schule ist 1438 erstmals belegt. Friedrich III. verlieh Stockerau am 5. April 1465 das Marktrecht. 1514 kamen Wappen und Siegel hinzu: Der Baumstrunk mit jungem Austrieb steht laut Stadt für eine aufstrebende Siedlung aus alter Wurzel. 1749 kauften sich die Bürger frei und machten Stockerau zum freien Markt.
Von der Bahn zur Stadt
Die Bahnverbindung von Wien-Floridsdorf nach Stockerau wurde 1841 eröffnet. 1893 vereinigte sich Stockerau mit Grafendorf und erhielt am 29. August das Stadtrecht von Kaiser Franz Joseph I. 1928 wurde eine Wasserleitung eröffnet, deren Bau Bürgermeister Eduard Rösch vorangetrieben hatte. Ab etwa 1950 brachte ein Wohnbauprogramm unter Josef Wondrak starkes Wachstum. Die Bahnstrecke wurde elektrifiziert; am 17. Jänner 1962 nahm die Schnellbahn den Betrieb auf. 1966 eröffnete das städtische Erholungszentrum. Oberzögersdorf wurde 1975 eingemeindet.
Turm, Rathaus und Lenau
Der 88 Meter hohe Turm der Stadtpfarrkirche St. Stephan wurde 1722 bis 1727 errichtet; die frühklassizistische Kirche folgte 1777 und 1778 nach Plänen Peter Mollners. Das Rathaus am heutigen Standort wurde von 1738 bis 1740 gebaut. Auch die Militärbauten hinterließen Spuren: Die Kavalleriekaserne entstand 1721 bis 1724 und wird heute Niembsch-Hof genannt. Nikolaus Lenau verbrachte von 1818 bis 1822 Zeit bei seinen Großeltern in Stockerau. Sein Großvater leitete die Militär-Monturs-Kommission in der Kaserne. Die Stadt überliefert, dass Lenau in den Auen Anregungen zu den „Schilfliedern“ fand. 1964 wurden die Festspiele gegründet und die Internationale Lenau-Gesellschaft ins Leben gerufen. Das Lenautheater bietet heute Aufführungen im Lenausaal am Sparkassaplatz.
Belvedereschlössl und Stockerauer Au
Das Belvedereschlössl kam 1780 in den Besitz des Marktes Stockerau. Nach Umbauten und wechselnder Nutzung zog 1984 das Bezirksmuseum in das Kulturzentrum ein; seine Sammlungen umfassen Stadt- und Bezirksgeschichte, Naturkunde sowie ur- und frühgeschichtliche Funde. In der Au begann der Gemeinderat 1993 das Verfahren zur Unterschutzstellung, nachdem zoologische und botanische Untersuchungen den hohen Naturwert dokumentiert hatten. Seit 1994 stehen 346 Hektar des 445 Hektar großen Stockerauer Forstes unter Schutz. Trinkwasserversorgung, Erholung und Naturschutz sind dort miteinander verbunden. Ein 23 Kilometer langes Wegenetz ist zum Spazieren, Laufen und Radfahren vorgesehen und schließt an die Donau-Radwege beim Kraftwerk Greifenstein an.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
