SPILLERN KENNENLERNEN
Spillern: Zwischen Donauterrasse und Kälberbach
Spillern ist eine Marktgemeinde im Bezirk Korneuburg. Am 1. Jänner 2026 zählte sie 2.676 Einwohnerinnen und Einwohner; die Fläche beträgt 12,71 Quadratkilometer.
Urkunde und Donauhandel
Eine Urkunde im Archiv des Stifts Göttweig nennt im März 1230 Dietmarus de Spilarn. Anlass war eine Einigung über ein Göttweiger Lehen bei Pettendorf. 1413 und 1414 untersagte Korneuburg Spillern einen Donauübergang mit Anlegestelle, um den eigenen Handel zu schützen. Während der osmanischen Belagerung 1683 fanden Menschen aus der Umgebung in Spillern Zuflucht; die waffenfähigen Flüchtlinge wurden von einem Drillmeister ausgebildet.
Terrasse, Kälberbach und Weide
Am Südrand der Bundesstraße ist eine alte Donauterrasse sichtbar, bis zu der frühere Hochwässer reichten. Ein versandeter Seitenarm der Donau verlief hier; sein Gerinne wird heute vom Kälberbach beziehungsweise Kuttengraben genutzt. Der Bach entspringt in der Ortschaft Wiesen auf 218 Metern Seehöhe. Die ersten 500 Meter sind verrohrt, danach fließt er drei Kilometer offen. Davon entfallen zwei Kilometer auf Spillern. Sein Überlauf führt in den Gemeindeteich, die frühere Pferdeschwemme, auf 171 Metern. Die Gemeinde vermutet, dass der Bach einst Teil der Allmende war: An seinen Ufern konnten Kühe, Kälber, Ziegen und Schafe weiden und trinken.
Von der Mariahilf-Kapelle zur eigenen Pfarre
Südlich der Bundesstraße stand ab 1750 eine hölzerne Mariahilf-Kapelle; am 15. August 1831 wurde ein Steinbau geweiht. Johann Michael Harmer trug wesentlich zu ihrer Errichtung bei. 1841 bekam die Kirche eine kleine Orgel, 1870 zwei zusätzliche Glocken und 1904 eine Sakristei. Bis 1965 feierten die Katholiken dort ihre Gottesdienste. In den Konzilsjahren 1962 bis 1965 entstand die neue Kirche, die am 5. September 1965 dem Heiligen Geist geweiht wurde. Ihr Altar besteht aus einem einzigen Stück weißen Marmors; Ambo und Taufstein sind auf die Gemeinde ausgerichtet. Spillern wurde am 1. Jänner 1966 eine eigene Pfarre. 1967 übergab man die ältere Kirche der evangelischen Gemeinde; 1969 wurde sie als Heilandskirche neu geweiht. Nach dem Ende regelmäßiger evangelischer Gottesdienste 2015 stand der Bau zunächst leer. Seit Herbst 2024 nutzt sie die rumänisch-orthodoxe Pfarrgemeinde, die den Sakralbau zuvor sanierte.
Friedhof und jüngere Siedlungsentwicklung
Schon 1845 bemühte sich der Ort um einen eigenen Friedhof. Bis dahin wurden die Toten in Stockerau bestattet, auf dem Gelände des heutigen Stadtparks. Der Friedhof in Spillern konnte erst am 15. August 1902 geweiht werden. 1978 wurde erstmals ein Grab im erweiterten Friedhof belegt; 1996 kam eine Aufbahrungshalle hinzu. Im 20. Jahrhundert wurden Parkstraße und „Am Neubau“ erschlossen; zugleich wuchs der Ort nach Westen und Norden. 1969 entstand ein neues Schulgebäude; die alte Schule wurde 1988 abgetragen. Der Flächenwidmungsplan von 1979 sollte die Ausdehnung des Baulands begrenzen und eine dichtere Bebauung innerhalb der vorhandenen Flächen ermöglichen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
