ST. VEIT AN DER GLAN KENNENLERNEN
St. Veit an der Glan: Herzogstadt am Fluss
St. Veit an der Glan ist Stadtgemeinde und Bezirkshauptstadt im Herzen Mittelkärntens. Die Gemeinde zählt 12.178 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 50,79 Quadratkilometern. Die ummauerte Altstadt liegt auf einem Schwemmkegel nahe dem Zusammenfluss von Glan, Wimitz und Mühlbach.
Stadt am Knoten alter Wege
Am östlichen Rand des Glantals kreuzten sich Wege aus dem Donauraum zur Adria mit Verbindungen nach Klagenfurt, ins Görtschitztal und Richtung Völkermarkt. Die Lage begünstigte Handel und Herrschaft. Im späten 12. Jahrhundert wurde der herzogliche Sitz schrittweise von der nahe gelegenen Burg Freiberg in den Ort verlegt. St. Veit wird 1199 als Markt genannt; 1204 ist eine Schule belegt. 1224 bezeichnete eine Urkunde den Ort erstmals als Stadt. Herzog Bernhard von Spanheim ließ Mauern errichten und förderte die Residenz. Der heilige Veit ist zugleich Namenspatron der Stadtpfarrkirche.
Residenz, Münze und Markt
Unter den Spanheimern gewann St. Veit im 13. Jahrhundert an Gewicht. Die herzogliche Münze bestand ab 1205; aus dem Jahr 1220 ist eine Münze mit deutscher Inschrift erhalten. 1214 soll Walther von der Vogelweide hier geweilt haben. Nach dem Ende der Spanheimerherrschaft 1269 erlitt die Stadt 1293 schwere Schäden, die Stadtmauer wurde anschließend erneuert. 1335 fiel Kärnten an die Habsburger, und St. Veit verlor seine Residenzfunktion. Märkte hielten die wirtschaftliche Bedeutung wach: Rudolf der Stifter verlieh 1362 das Recht für den Wiesenmarkt, der bis heute jährlich stattfindet. 1450 wurde die Stadt erstmals urkundlich als „Hauptstadt“ bezeichnet. Bei einer Belagerung durch die Ungarn wurden 1480 die Vorstädte beschädigt; zwischen 1473 und 1492 gab es insgesamt fünf Türkeneinfälle in die Umgebung. Im 16. Jahrhundert verblieben Händler und Gewerken in St. Veit, während landständische Behörden zunehmend nach Klagenfurt übersiedelten. Ein weiterer Markt, der Kalte Markt, wurde 1653 bewilligt.
Plätze und Bauwerke der Altstadt
Die Altstadt wird von einer weitgehend erhaltenen Stadtmauer umschlossen. Das Rathaus an der Nordseite des Hauptplatzes besitzt einen gotischen Kern aus dem 15. Jahrhundert; seine barocke Fassade entstand 1754/55 unter Marx Josef Pittner. Über dem Portal erinnert eine Gusstafel von 1468 mit einem Rechtsspruch aus dem Sachsenspiegel an die frühere Gerichtsfunktion. Der dreigeschossige Arkadenhof wurde um 1540 angelegt. Toskanische Säulen tragen die Renaissancearkaden, deren Sgraffiti Baluster nachahmen. 1998 erhielt der Hof ein Glas-Stahl-Dach. Die Stadtpfarrkirche ist 1131 erstmals urkundlich erwähnt; ihre Grundform ist spätromanisch, das heutige Erscheinungsbild spätgotisch. Südlich davon steht der romanische Karner St. Michael.
Eisenbahn und Stadtmuseum
Der Eisenbahnbau brachte im 19. Jahrhundert neue wirtschaftliche Impulse. Der Bahnhof wurde 1911 bis 1913 errichtet und 1912 eröffnet; mit der Rudolfsbahn wuchsen die Vorstadt und die Bedeutung St. Veits als Eisenbahnerstadt. Das Museum St. Veit entstand 2004 aus der Verbindung des Stadtmuseums, dessen Wurzeln bis 1886 reichen, und des Verkehrsmuseums von 1982. Seine Sammlungen behandeln Stadtgeschichte, Eisenbahn, Post und Fernmeldewesen sowie die Gendarmerie. Neben historischen Exponaten gibt es Modellbahnen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
