ST. PÖLTEN KENNENLERNEN
St. Pölten: Römerstadt, Barock und Landeshauptstadt
St. Pölten zählt am 1. Jänner 2026 60.112 Einwohnerinnen und Einwohner und umfasst 108,44 Quadratkilometer. Die niederösterreichische Landeshauptstadt liegt an der Traisen. Unter der heutigen Altstadt lag einst die römische Stadt Aelium Cetium; Dombezirk, barocke Bürgerhäuser und das Regierungsviertel erzählen von weiteren Umbrüchen.
Aelium Cetium an der Traisen
Die römische Stadt Aelium Cetium entstand im 2. Jahrhundert nach Christus; ihre Entwicklung wird gewöhnlich in die Regierungszeit Kaiser Hadrians um 122 datiert. Als Zivil- und Handelsstadt versorgte sie die Region und lag an Straßen, die zur Donau und zu den Militärstandorten führten. Im 4. Jahrhundert gab es beheizte Steinhäuser; Handel und Handwerk prägten das städtische Leben. Ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts schrumpfte das bewohnte Gebiet. Im frühen 5. Jahrhundert verließ der größte Teil der Bevölkerung die Stadt. Der späteste archäologische Beleg antiken Lebens stammt etwa aus dem Jahr 450. Seit 1988 dokumentieren Ausgrabungen Funde und Straßenverläufe; die heutige Wiener Straße folgt ungefähr einer römischen Hauptstraße.
Kloster, Markt und Stadtwerdung
Nach der römischen Siedlungsphase blieb die Innenstadt über Jahrhunderte dünn besiedelt. Spätestens um 850 dürfte ein Kloster des heiligen Hippolyt entstanden sein. 976 ist neben dem Kloster auch die Siedlung Treisma erwähnt, die dem Bischof von Passau gehörte. Der Name St. Pölten entwickelte sich aus Hippolyt über Formen wie St. Polyt. Das Marktrecht erhielt der Ort um 1050. 1081 wurde das Benediktinerkloster in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt. Bischof Konrad von Passau erhob St. Pölten 1159 zur Stadt. Das Kloster und der Dombezirk bildeten über Jahrhunderte einen eigenen Macht- und Wirtschaftsraum neben der bürgerlichen Stadt.
Prandtauer und die barocke Altstadt
Der Barock prägt die Altstadt und den Dombezirk. Jakob Prandtauer lebte und arbeitete in St. Pölten; er gestaltete unter anderem die Fassade des Rathauses und wirkte an zahlreichen Klöstern und Bürgerhäusern mit. Der Dom erhielt zwischen 1722 und 1750 seine barocke Gestalt. Künstler wie Daniel Gran, Bartolomeo Altomonte und Tobias Pock arbeiteten an der Ausstattung. Jugendstilfassaden ergänzen das barocke Stadtbild, besonders entlang der Wiener Straße und in den innerstädtischen Wohnvierteln. Die ehemalige Synagoge und der Karmeliterinnenhof erinnern an weitere religiöse und kulturelle Kapitel. Heute beherbergt der frühere Klosterbau das Stadtmuseum, das archäologische Funde und die Stadtgeschichte zeigt.
Entscheidung für eine neue Landeshauptstadt
Nach der Trennung Wiens von Niederösterreich 1922 blieb die Landesregierung zunächst in der Wiener Herrengasse. Eine Volksbefragung am 1. und 2. März 1986 fragte, ob das Land eine eigene Hauptstadt erhalten sollte. 56 Prozent stimmten dafür; 45 Prozent nannten St. Pölten als Standort. Am 10. Juli 1986 erhob der Landtag die Stadt zur Landeshauptstadt. Das Regierungsviertel entstand östlich der Altstadt am Westufer der Traisen. 1988 entschied ein Architektenwettbewerb zugunsten von Ernst Hoffmann. 1992 begann der Bau, 1997 übersiedelten Landesregierung und Landtag aus Wien. Der Kulturbezirk umfasst neben Landhaus und Festspielhaus auch das 2002 eröffnete Landesmuseum, das heute Museum Niederösterreich heißt.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
