REICHERSBERG KENNENLERNEN
Reichersberg: Klosterort und Industriestandort am Inn
Das Augustiner-Chorherrenstift prägt den Ortskern von Reichersberg; im Ortsteil Kammer konzentriert sich zugleich industrielle Produktion. Die Marktgemeinde im Bezirk Ried zählt 1.661 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 21,05 Quadratkilometer.
Zwischen Inn und Feldern
Reichersberg liegt auf rund 347 Metern im Innviertel. Das Gemeindegebiet umfasst elf Ortschaften und reicht vom Inn in den landwirtschaftlich genutzten Raum im Osten. Etwa 72 Prozent der Fläche werden bewirtschaftet, rund elf Prozent sind Wald. Der Inn bildet eine natürliche Grenze und war historisch ein wichtiger Verkehrsweg. Münsteuer liegt südlich des Marktes und besitzt eine eigene Pfarrkirche. Im Osten, in Kammer, liegen Gewerbe und Industrie.
Produktion und Dienste in Kammer
Die AEST 2024 erfasste in Reichersberg 131 Arbeitsstätten mit 2.331 Beschäftigten in Arbeitsstätten und 109 Unternehmen. 77,9 Prozent der Beschäftigten in Arbeitsstätten entfielen auf den sekundären Sektor; beim Anteil der Auspendler:innen an aktiv Erwerbstätigen am Wohnort wurden 72,7 Prozent ausgewiesen. Arbeitsstätten, Unternehmen und Beschäftigte sind unterschiedliche statistische Einheiten. In Kammer arbeiten etwa FACC und OTN. FACC Werk IV fertigt Bauteile für die zivile Luftfahrtindustrie, darunter Komponenten für Flugzeugstrukturen. OTN Pulverbeschichtung bearbeitet Metalloberflächen im KTL- und Pulverbeschichtungsverfahren. Diese konkreten Tätigkeiten machen sichtbar, warum ein kleines Gewerbegebiet bei einer Gemeinde mit gut 1.600 Einwohnern eine wichtige Rolle am Arbeitsort spielt.
Stift und Markt
Das Augustiner-Chorherrenstift wurde der Überlieferung nach 1084 durch Wernher und Dietburga von Reichersberg gegründet. Es entwickelte sich über Jahrhunderte zum geistlichen und kulturellen Mittelpunkt der Umgebung; nach einem Großbrand im 17. Jahrhundert erhielten die Gebäude ihre barocke Gestalt. Im Ortsteil Münsteuer belegt ein 2011 bei Kanalbauarbeiten entdecktes Fragment eines römischen Grabaltars eine weit ältere Besiedlungsgeschichte des Gebiets. Reichersberg kam 1779 mit dem Innviertel zu Österreich und gehört seit 1816 dauerhaft zu Oberösterreich. Das Stift blieb über diese politischen Veränderungen hinweg bestehen und ist bis heute im Ortskern präsent. Seine Geschichte wird in den Gebäuden und Sammlungen sichtbar, während die Funde aus Münsteuer auf römische Vergangenheit verweisen.
Kirchen, Museum und Wege
Im Stift sind Kreuzgang, Bibliothek und Sakristei Teil der Anlage; ein Stiftsmuseum zeigt Werke der Bildhauerfamilie Schwanthaler. Im Stiftshof steht ein von Thomas Schwanthaler geschaffener Brunnen des heiligen Michael aus dem Jahr 1694. Auch die Pfarrkirche in Münsteuer bewahrt Arbeiten der Familie Schwanthaler, außerdem ein gotisches Taufbecken und eine historische Orgel. Die Gemeinde führt einen Kindergarten mit Krabbelstube und eine Volksschule. Für den Bahnverkehr dient die Haltestelle Hart, von der aus unter anderem Ried und Schärding erreichbar sind. Die A8-Anschlussstelle Ort im Innkreis liegt ebenfalls im Osten des Gemeindegebiets. Das Stift bietet Führungen durch Kirche und Anlage an.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Reichersberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeergebnisse AEST 2024
- FACC Operations GmbH, Werk IV Reichersberg und Luftfahrtbauteile
- OTN Pulverbeschichtung GmbH, Leistungen und Standort
- Stift Reichersberg, Stiftsgeschichte
- Marktgemeinde Reichersberg, Pfarrkirche Münsteuer
- Marktgemeinde Reichersberg, Stift Reichersberg
Stand der Angaben: 11.10.2026
