RABENSBURG KENNENLERNEN
Rabensburg an der Thaya: Burg, Auwald und Grenzgeschichte
Rabensburg liegt an der Thaya im nordöstlichen Weinviertel. Die Marktgemeinde umfasst 20,06 Quadratkilometer und zählte am 1. Jänner 2026 1.064 Einwohner.
Siedlung am Fluss
Rabensburg entstand wahrscheinlich im frühen 12. Jahrhundert und wird im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich genannt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts litten die Siedlungen an March und Thaya unter häufigen Überfällen ungarischer Kuruzzen. Ab der Mitte des Jahrhunderts erholte sich Rabensburg von den Kriegsfolgen und die Bevölkerungszahl stieg wieder. Die Grenze entlang der Thaya wurde 1920 festgelegt; ihre genaue Regelung folgte am 31. März 1921.
Burganlage der Liechtensteiner
Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 11. Jahrhundert; auf eine hölzerne Anlage folgten um 1200 die ersten Steinbauten. Im 16. Jahrhundert kam ein zweiter Turm hinzu. Seine spätgotische Spindeltreppe und die Renaissancebögen des Innenhofs über drei Geschoße zählen zu den markanten Bauteilen. 1385 gelangte die Herrschaft an die Liechtensteiner und entwickelte sich zum Zentrum eines Gebiets mit 25 Dörfern. Maximilian von Liechtenstein machte Rabensburg 1633 zu seinem Hauptwohnsitz.
Belagerung und wechselnde Nutzung
Während des Dreißigjährigen Krieges griffen schwedische Truppen 1645 das Schloss an. Die Besatzung ergab sich erst, als die Angreifer mit einer Sprengung drohten. Nachdem Maximilians Nachfolger nicht mehr hier wohnten, verfiel die Anlage allmählich. Im 18. Jahrhundert nutzten hohe Beamte das Schloss; nach dem Ende der Grundherrschaften zog eine Parkettbodenfabrik ein. Der Umbau beschädigte Fresken und historische Bausubstanz. Später wurde die Fabrik geschlossen und das Schloss von den Liechtensteinern zurückgekauft. Seit 1991 ist es in Privatbesitz und steht unter Denkmalschutz.
Post, Schule und Straßenbau im Wandel des Ortes
Der Bau der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn begann 1837. Viele Bewohner fanden beim Bahnbau Arbeit als Eisenbahner. 1868 erhielt Rabensburg ein Postamt; die Schule wurde erweitert und zeitweise fünfklassig geführt. 1890 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr, sechs Jahre später erhielt das Postamt einen Telegraphen. 1898 kaufte die Gemeinde das Nachbarhaus der Schule und eröffnete dort einen Kindergarten. Die Pflasterung der Straßen begann 1908. Im Jahr 1918 wurde ein Gendarmerieposten eingerichtet; 1919 war die Pflasterung abgeschlossen. In den 1920er-Jahren gab es 81 Gewerbebetriebe und 2.143 Einwohner, den höchsten Stand des Ortes. 1926 verstärkte die Gemeinde den Hochwasserschutzdamm und nahm die Elektrifizierung in Angriff.
Museum und vorgeschichtliche Gräber
Das Richard-Simoncic-Museum erinnert an einen Rabensburger Pfarrer, der volkskundliche Gegenstände sammelte. Nach seinem Tod 1974 übernahm die Gemeinde die Sammlung und richtete zunächst in der Volksschule ein Ortsmuseum ein. Heute befindet es sich im renovierten ehemaligen Pfarrhof und zeigt Geräte, Möbel, Textilien, Volkskunst und Fotografien aus Rabensburg, der Umgebung, Südmähren und Wien. An der B 49 Richtung Bernhardsthal liegen hallstattzeitliche Hügelgräber. Sie entstanden um 600 vor Christus; bei einem steht eine Feldkapelle.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
