PEGGAU KENNENLERNEN
Peggau zwischen Höhlenlandschaft und Mur
Peggau liegt dort, wo das Mittlere Murtal an das Grazer Bergland herantritt. Die Marktgemeinde nördlich von Graz zählt 2.513 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 11,21 Quadratkilometer. Höhlen, Felswände und die Mur prägen die Umgebung; zugleich liegt Peggau an wichtigen Bahn- und Straßenverbindungen. Naturgeschichte, Industrie und Verkehr sind hier eng miteinander verwoben.
Zwischen Mur und Tanneben
Das Gemeindegebiet reicht vom Murufer bis zum Bergstock Tanneben. Die Peggauer Wand steigt steil über dem Tal auf und ist von Höhlen durchzogen. Die Gemeinde umfasst die Ortschaften Peggau und Friesach mit kleineren Siedlungen wie Badl und Hinterberg. Auf der gegenüberliegenden Murseite liegt Deutschfeistritz. Die S 35 erschließt das Murtal, der Bahnhof Peggau-Deutschfeistritz verbindet die Südbahn mit der Lokalbahn nach Übelbach. Diese Verkehrslage macht den Ort gut erreichbar, doch das Landschaftsbild wird von Fels, Fluss und engen Talräumen bestimmt. Am Bahnhof treffen regionale Wege aufeinander, während Wanderziele und Höhleneingänge in die umliegende Berglandschaft führen.
Besiedlung und Erinnerung
Höhlenfunde belegen menschliche Anwesenheit seit der Steinzeit. Bronzezeitliche Spuren aus der Badlhöhle und ein römischer Siedlungsplatz am Kugelstein ergänzen das Bild; um 800 entstand ein frühmittelalterliches Gräberfeld. Peggau wird um 1050 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt spätestens im 16. Jahrhundert Marktrechte. Die Badlwandgalerie aus den 1840er-Jahren dokumentiert den frühen Eisenbahnbau im engen Tal. Zur Ortsgeschichte gehört auch die Zwangsarbeit im Außenlager des KZ Mauthausen 1944/45: Häftlinge mussten an einer Stollenanlage für die Rüstungsproduktion arbeiten. Eine Gedenkstätte am Fuß der Wand erinnert an die Opfer. Diese Geschichte verlangt einen eigenen Ort des Gedenkens neben den Natur- und Technikzielen.
Industrie am Fels
Die Arbeitsstättenzählung 2024 erfasste in Peggau 182 Arbeitsstätten und 1.607 Beschäftigungsverhältnisse am Arbeitsort. 34,4 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse lagen im produzierenden Bereich, 64,5 Prozent bei Dienstleistungen. Von den aktiv Erwerbstätigen mit Wohnort Peggau pendelten 77,4 Prozent aus. Am örtlichen Werk der Wietersdorfer Gruppe werden unter anderem Putze, Mörtel und Estriche hergestellt; dafür verarbeitet die Anlage mineralische Rohstoffe und Zusatzstoffe. Der Standort von Intercal Austria in Peggau gehört ebenfalls zur Baustoffproduktion. Diese Werke erklären einen Teil der sichtbaren Industrie im engen Murtal, ohne dass die Statistik Beschäftigte einzelnen Firmen zuordnet. Handel, weitere Dienstleistungen und die besuchten Höhlen ergänzen das Wirtschaftsbild.
Höhlen als Fenster in die Erdgeschichte
Die Lurgrotte ist Peggaus bekanntestes Naturziel. Führungen erschließen Tropfsteinformationen, die über lange Zeit durch Kalkablagerungen entstanden sind. Das Urgeschichtliche Museum neben dem Grotteneingang zeigt Funde aus Höhlen rund um Peggau und erklärt, wie eiszeitliche Jäger die Höhlen als Rastplätze nutzten. Weitere Höhlen liegen im Badlgraben; die Repolusthöhle ist für sehr frühe Spuren menschlicher Anwesenheit bekannt. Der Besuch verbindet Naturerlebnis mit Archäologie, ohne die Höhlenlandschaft auf eine Sehenswürdigkeit zu reduzieren. Auch die Burgruine Peggau und die historische Badlwandgalerie verweisen auf die Nutzung des engen Tals in verschiedenen Zeiten.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Peggau – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Statistik Austria – Arbeitsstättenzählung 2024
- Marktgemeinde Peggau – Lurgrotte und Urgeschichtliches Museum
- Wietersdorfer – Fertigmörtelwerk Peggau
- Intercal Austria – Standorte
Stand der Angaben: 14.10.2026
