LUSTENAU KENNENLERNEN
Lustenau lebt vom Ried und von der Stickerei
Lustenau liegt zwischen Rhein und Ried: Die Gemeinde wächst in der Rheinebene bis an die Grenze zur Schweiz und hat zugleich eine lange Geschichte als Textilstandort. Die Marktgemeinde zählt 24.704 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 22,26 Quadratkilometern.
Zwischen Fluss, Ried und Siedlung
Das ebene Gemeindegebiet ist von Wasserläufen und Entwässerungsgräben durchzogen. Im Norden und Süden öffnen sich die Schweizer Rieder, dazwischen liegt das kleinteiligere Lustenauer Ried mit Gärten, Hütten und bewirtschafteten Flächen. Der Rhein prägte das Leben lange als Gefahr: Vor Dämmen und Regulierung überschwemmte er regelmäßig Häuser und Felder. Erst die Regulierungsarbeiten ab dem späten 19. Jahrhundert und der Durchstich von 1923 nahmen den Hochwassern einen Teil ihrer zerstörerischen Wirkung. Heute sind Alter Rhein, Ried und die Schutzgebiete Auer Ried sowie Gsieg-Obere Mähder Naherholungsräume und zugleich Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Wege durch das Ried zeigen, dass Landwirtschaft und Freizeit hier nebeneinander stattfinden; in Schutzflächen sind Rücksicht und das Bleiben auf den Wegen wichtig.
Vom Königshof zur Stickereigemeinde
Die erste urkundliche Erwähnung als „Lustenouua“ stammt aus dem Jahr 887. Der Reichshof kam im Spätmittelalter an die Herren von Ems; 1593 wurde sein linksrheinischer Teil abgetrennt. Lustenau blieb lange eigenständig und wurde 1830 als letzter Teil Vorarlbergs endgültig österreichisch. Fluten bremsten die Entwicklung, bis Entwässerung und Rheinregulierung neue Möglichkeiten für Landwirtschaft und Gewerbe schufen. Zur gleichen Zeit verbreitete sich die Maschinenstickerei. 1869 nahmen die Brüder Hofer in einem Haus an der heutigen Kapellenstraße die ersten Handstickmaschinen Vorarlbergs in Betrieb. Fabriken, Stickerhäuser und Straßen formten das Ortsbild; heute sind einzelne ehemalige Produktions- und Verwaltungsbauten noch erkennbar. Die Gemeinde wurde 1902 zum Markt erhoben. Ihre Textilgeschichte ist nicht nur Erinnerung: Stickereibetriebe veredeln weiterhin Stoffe, die weltweit für Kleidung und festliche Gewänder verwendet werden.
Stickerei als präzises Handwerk
In Lustenau zählte die Arbeitsstättenzählung 2024 1.779 Arbeitsstätten und 10.219 Beschäftigungsverhältnisse am Arbeitsort. 72,1 Prozent der Beschäftigten entfielen auf Dienstleistungen, 27,2 Prozent auf den produzierenden Sektor; 67 Prozent der Erwerbstätigen am Wohnort pendelten aus. Die Zahlen passen zu einem Standort mit vielen Betrieben und zugleich starker Verflechtung im Rheintal. Ein konkretes Beispiel ist die Stickereiproduktion: Maschinen bringen Muster auf unterschiedliche Stoffe, während etwa Lochstickerei und aufwendige Pailletten- oder Reliefarbeiten weiterhin Handgriffe erfordern. Die Erzeugnisse werden für Mode, Accessoires und Lingerie hergestellt und erreichen auch Märkte außerhalb Europas. Im Stickereimuseum S-MAK werden Ausstellungen und öffentliche Maschinenvorführungen angeboten.
Ein Ortsleben mit kurzen Wegen ins Grüne
Im Sportpark liegen Stadion, Schwimmbad und Hallen; markierte Laufstrecken führen von dort in die Ebene hinaus. Am Alten Rhein laden Auwälder und Spazierwege zu einer anderen Art der Erholung ein als die offenen Wiesen des Rieds. Die Gemeinde nennt zudem 60 Kilometer markierte Wanderwege. Auch das S-MAK ist ein öffentliches Kulturziel: Ausstellungen und Maschinenvorführungen machen die Stickereigeschichte zugänglich. So ist die Textilgeschichte nicht nur an alten Fabriken sichtbar, sondern lässt sich an einem heutigen Lernort nachvollziehen. Zwischen Sportpark, Ortskern und Flussufer gibt es damit unterschiedliche Wege durch den Alltag der Marktgemeinde.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Lustenau – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte – Marktgemeinde Lustenau
- Stickereihochburg Lustenau – Marktgemeinde Lustenau
- Fabrikgelände Hofer, Bösch und Cie – Marktgemeinde Lustenau
- S-MAK – Marktgemeinde Lustenau
- Natur und Erholung – Marktgemeinde Lustenau
- Arbeitsstättenzählung 2024, Gemeindetabelle
- Das S-MAK-Programm im Herbst und Winter 2026 – Marktgemeinde Lustenau
Stand der Angaben: 15.10.2026
