LUNZ AM SEE KENNENLERNEN
Lunz am See: Wasser, Eisen und Forschung
Lunz am See ist eine Marktgemeinde im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich. Zum Stichtag 1. Jänner 2026 hatte sie 1.753 Einwohnerinnen und Einwohner; das Gemeindegebiet umfasst 101,43 Quadratkilometer. Lunz liegt im Ybbstal in der Eisenwurzen. Der Fluss heißt oberhalb des Ortes Ois und wird erst bei Lunz als Ybbs bezeichnet.
Der See im Ortsnamen
Der Lunzer See ist 1.700 Meter lang, 500 Meter breit und an seiner tiefsten Stelle 34 Meter tief. Oberhalb liegen Mittersee und Obersee. Der Mittersee befindet sich auf etwa 766 Metern Seehöhe; vom Schloss Seehof am östlichen Ufer des Lunzer Sees führt ein ansteigender Forstweg in ungefähr einer Stunde dorthin. Wegen der ständigen Durchströmung durch den Seebach steigt seine Wassertemperatur selbst im Sommer kaum über sieben Grad Celsius. Auf dem weiteren Weg zum Obersee liegen der 60 Meter hohe Ludwigfall und der unterirdische Wasserfall „Brüllender Stier“.
Eisenstraße und Amonhaus
Lunz wurde 1203 als „Liunze in Montanis“ erstmals schriftlich erwähnt. Im Mittelalter entstanden Hammerwerke, als einfache Schmieden den Bedarf an Wirtschaftsgütern nicht mehr deckten. Die Eisenstraße brachte dem Ort eine wirtschaftliche Blüte. Ein sichtbares Zeugnis aus dieser Zeit ist das Amonhaus: Meister Ofner ließ es 1551 im Renaissancestil errichten. Im 19. Jahrhundert wurde die Wasserkraft der Ybbs erneut für die Eisenverarbeitung genutzt; 1832 entstand ein Eisenwalzwerk. Die Töpperbrücke mit gegossenen Heiligenfiguren verweist auf den Wohlstand dieser späteren Phase.
Biologische Station und Wasserforschung
Carl Kupelwieser gründete 1905 die Biologische Station Lunz. Wissenschaftler wie Franz Ruttner und August Thienemann machten den Standort zu einem Zentrum der Gewässerforschung. Nach der Schließung der Station 2003 entstand der WasserCluster Lunz, der die Forschung fortführt. Das Land Niederösterreich adaptierte dafür ein früheres Jugendgästehaus; am 20. Mai 2007 wurde der WasserCluster eröffnet. Auch die alte Biologische Station wurde umgebaut und am 11. September 2011 wiedereröffnet. Heute gehören beide Gebäude zum Forschungsstandort.
Pfarrkirche und Ortsgeschichte
Die Pfarrkirche ist den Heiligen Drei Königen geweiht. Die spätgotische Hallenkirche besitzt zwei Schiffe und einen Doppelchor; ein Westturm steht vor dem Kirchenschiff, die Sakristei liegt an der Südseite. Eine Kirche zu Lunz ist bereits 1392 als „Frauenkirche ze Lunz“ belegt. In ihr wurde „Maria im goldenen Sessel“ verehrt.
Eine Bühne auf dem Wasser
Die Seebühne wurde im Sommer 2004 eröffnet. Der aus Lunz stammende Künstler Hans Kupelwieser schuf das Bauwerk, dessen Idee aus dem Festival „wellenklaenge“ hervorging. Tagsüber dient die rund 50 Quadratmeter große Bühne Badegästen als Liegefläche und Sprungturm. Abends wird ihre Abdeckung mithilfe von Wasserkraft angehoben und schützt dann die Zuschauertribüne mit 250 Sitzplätzen. 2005 wurde das Bauwerk mit dem österreichischen Bau-Preis ausgezeichnet. Von der Tribüne reicht der Blick über die schwimmende Bühne zum gegenüberliegenden Ufer mit Wald und Felsen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
