LORETTO KENNENLERNEN
Loretto: Ein Wallfahrtsort rund um Basilika und Anger
In Loretto bestimmt die Verbindung aus Basilika, Klosteranlage und Anger das Ortsbild. Die Marktgemeinde liegt am nordwestlichen Fuß des Leithagebirges im Bezirk Eisenstadt-Umgebung. Mit rund 2,38 Quadratkilometern Fläche und 545 Einwohnern am 1. Jänner 2026 ist sie räumlich und zahlenmäßig klein. Ihre Bedeutung als Wallfahrtsort reicht jedoch über diese Größenordnung hinaus. Zur einzigen Ortschaft gehört auch die Esterhazysche Waldrandsiedlung, die sich südöstlich am Hang erstreckt. Die Entstehung des heutigen Ortes hängt eng mit einer Nachbildung des italienischen Heiligtums von Loreto zusammen.
Eine Reise nach Italien als Ausgangspunkt
Rudolf von Stotzingen besuchte 1644 das italienische Loreto und ließ danach eine Nachbildung der dortigen Gnadenstatue in einer neu errichteten Kapelle aufstellen. Für die weitere Entwicklung wurde Graf Franz Nádasdy wichtig: 1651 erfolgte die Grundsteinlegung einer größeren Kirche mit Kloster. Die feierliche Weihe fand am 2. Juli 1659 statt. Die Lorettokapelle wurde im Zusammenhang mit dem Kirchenbau an ihren heutigen Standort versetzt. Um den rechteckigen Platz vor der Anlage entstand das Dorf. Damit erklärt die Wallfahrtsgeschichte nicht nur die Kirche, sondern auch die Anordnung des Ortes.
Zerstörung, Wiederaufbau und wechselnde Nutzungen
1683 brannten Kirche und Kloster nieder; die Gnadenstatue war zuvor auf Burg Forchtenstein in Sicherheit gebracht worden. Nach dem Wiederaufbau wurde die Kirche 1707 erneut geweiht. Die Aufhebung des Klosters 1787 brachte einen weiteren Funktionswechsel: Es diente später als Militärspital und als Wolldepot der Herrschaft Esterházy. Von 1926 bis 1956 waren wieder Serviten vor Ort. Seit 1997 trägt die Kirche den Titel Basilica minor. Die verehrte Schwarze Madonna stellt die Verbindung zum italienischen Vorbild her, während der Gebäudekomplex von mehreren lokalen Neubeginnen erzählt.
Hauszeichen und religiöse Kleindenkmäler
Der Anger ist neben der Basilika ein wesentliches Merkmal Lorettos. Hier stehen unter anderem eine Pestsäule von 1680 und eine Florianisäule aus der Zeit um 1734. An älteren Häusern sind historische Hoftore, Jahreszahlen und Hauszeichen erhalten. Ein Relief des heiligen Georg und ein Brezelzeichen verweisen auf unterschiedliche Formen solcher Fassadendetails. Die Aufmerksamkeit kann sich deshalb auch auf die Wohnbauten richten, nicht allein auf die Wallfahrtsanlage. Am Hang hinter dem Kloster liegen Kalksteinbrüche. Der dort gewonnene Lorettokalk bildete früher eine weitere wirtschaftliche Grundlage des kleinen Ortes.
Ein Siedlungsraum vor dem barocken Markt
Funde aus der Jungsteinzeit zeigen, dass Menschen das Gebiet lange vor dem Kirchenbau des 17. Jahrhunderts nutzten. In der Flur Ochsenstand wurden Siedlungsreste und Gräber verschiedener vorgeschichtlicher Epochen untersucht. Ein im Klostergarten gefundenes Steinbeil gehört ebenfalls zu diesen frühen Spuren. Die heutige Verwaltungsgeschichte verlief dagegen in jüngerer Zeit wechselhaft: Ab 1971 gehörte Loretto zu Leithaprodersdorf, seit 1990 ist es wieder selbstständig. Die Erhebung zur Marktgemeinde folgte 1991. Archäologischer Fundplatz, Wallfahrtsort und politische Gemeinde sind somit unterschiedliche Ebenen der Geschichte Lorettos.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
