KIRCHBERG AM WALDE KENNENLERNEN
Kirchberg am Walde: Burgberg, Marktanger und Hamerling-Spuren
Die Marktgemeinde Kirchberg am Walde liegt im Bezirk Gmünd und zählt 1.241 Einwohner (Stand: 1. Jänner 2026). Ihr Gemeindegebiet umfasst 37,79 Quadratkilometer. Im historischen Zentrum treffen ein mittelalterlicher Siedlungskern, ein Schloss auf dem Burgberg und Erinnerungsorte an Robert Hamerling aufeinander.
Ein Angerdorf am Fuß der Burg
Die Gemeindechronik führt die Anfänge auf die Herren von Kirchperg zurück, eine aus Niederbayern stammende Ritterfamilie, die hier Waldland als freies Eigentum erhielt. Für die Rodung holten sie weitere Siedler ins Gebiet, vor allem aus Franken und Niederbayern. Um 1180 dürfte ein Angerdorf mit Häusern um einen freien Platz entstanden sein. Dieser Anger wurde später zum Marktplatz.
Vom Wehrbau zum Schloss
Die Marktgemeinde datiert die Anlage einer Burgkirchenanlage in die Mitte des 12. Jahrhunderts. Im Spätmittelalter kam östlich der Burg ein großer Wirtschaftshof hinzu. Vor 1561 wurde die Wehranlage im Stil der Renaissance umgebaut; Teile des früheren Burgkerns sind im Schloss noch zu erkennen. Der Bergfried, den ein Stich von Georg Matthäus Vischer 1672 mit Steinbalustrade und Zwiebeltürmchen zeigt, verschwand beim spätbarocken Umbau. Heute gehört das Schloss der Familie Fischer-Ankern. Das Anwesen steht auf einer Geländestufe südlich des Orts und ist privat bewohnt.
Ein Marienbild an der Straße
An der Straße Richtung Hirschbach steht die Rote Kapelle. Die Gemeinde nennt 1659 als Baujahr und Gräfin Susanna Eleonora Khevenhüller, geborene Kollonitsch, als Auftraggeberin. Der Kapellenbau folgte auf ein Marienbild, das zuvor an einem Baum befestigt war. Der Altar entstand erst zwischen 1670 und 1680. Eine örtliche Überlieferung verbindet den Ort mit Kardinal Ernst Adalbert Harrach: Er soll auf dem Weg von Kirchberg nach Waidhofen sein Brustkreuz verloren und an der Eiche wiedergefunden haben. Die Gemeinde führt diese Überlieferung auf einen Visitationsbericht von 1746 zurück. 1769 ließ man die Wand hinter dem Altar erneuern, nachdem die eingemauerte Eiche vermutlich vermorscht war.
Marktplatz und Gerichtsbarkeit
Der Anger erhielt im Barock neue Zeichen seiner Markt- und Gerichtsrolle. Kirchberg wurde 1580 zum Markt erhoben. 1712 entstand auf einer Anhöhe zwischen Kirchberg und Ullrichs ein Galgen für die Blutgerichtsbarkeit; zwei Jahre später kam am Marktplatz ein Pranger für kleinere Vergehen hinzu. Die Säule trägt eine Justitiafigur; erhalten sind auch Hand- und Halseisen. Eine Leonhard-Säule bat um Schutz für das Vieh, das an Markttagen aufgetrieben wurde. 1719 ließ man nach einer Pestepidemie außerdem eine Dreifaltigkeitssäule errichten. Diese Bauwerke formten den alten Anger im 18. Jahrhundert sichtbar um.
Robert Hamerlings Geburtshaus
Der Dichter Robert Hamerling kam 1830 in Kirchberg am Walde zur Welt. An der Stelle seines Geburtshauses ließ Georg Ritter von Schönerer zwischen 1890 und 1893 eine Gedenkstätte errichten; dort befand sich zeitweise auch das Gemeindeamt. Ein Hamerling-Museum wurde 1993 in Räumen der Raiffeisenkasse am Marktplatz eingerichtet und blieb dort bis Sommer 2006.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
