HADERSDORF-KAMMERN KENNENLERNEN
Hadersdorf-Kammern: Markt am Eingang des Kamptals
Hadersdorf-Kammern zählt 1.977 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 4,79 Quadratkilometern. Hadersdorf am Kamp und Kammern liegen am Eingang des Kamptals nahe Krems; der Markt liegt auf etwa 202 Metern Seehöhe.
Vom Wörth zum Markt
Eine Schenkungsurkunde des Kuenringers Heinrich von Zöbing deutet auf Besiedlung im 9. oder 10. Jahrhundert. Der frühere Name des Marktes war Wörth, später Haderichsdorf; die Gemeinde führt ihn auf einen Ritter Haderich zurück. Eine Urkunde nennt 1136 die Form Haderichsdorff. 1365 wurde Hadersdorf erstmals als Markt bezeichnet. Im 15. Jahrhundert fanden hier Ständetagungen statt, an denen Landesherren, Prälaten, Ritter und Städtevertreter berieten. 1514 verlieh Kaiser Maximilian I. dem Markt Wappen und Siegel. Die Bürgergemeinde wurde von einem gewählten Marktrichter und einem Rat geführt. Einnahmen brachte im 16. Jahrhundert auch das Mautrecht an der Kampbrücke. Der baumbestandene Hauptplatz zeigt bis heute Bürgerhäuser mit Fassaden aus unterschiedlichen Epochen.
Häuser mit wechselnden Berufen
Das heutige Schulgebäude wurde 1823 bezogen; zuvor befand sich die Schule in einem kleinen Haus hinter der Kirche am Kamp. Der freistehende Karner stammt ungefähr aus dem Jahr 1200. 1619 wurde er verwüstet und später als Schüttkasten genutzt; bei einem Pfarrhofneubau legte man ihn 1973 wieder frei. Das Gemeindearchiv bewahrt ein Reihenbuch, mit dem sich Hausbesitzer bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Eine Bäckerei im Haus Nr. 4 bestand von 1665 bis etwa 1960. Die „Färberstub’n“ wurde um 1680 als Färberwerkstatt eingerichtet und 1986 zum Restaurant umgenutzt. Haus Nr. 31 diente als Badstube, Gemeindehaus, später als Chirurgenpraxis und Kaffeesiederei.
Weinort und Ausstellungshaus
Die Gemeinde datiert den Weinbau auf 973. Ein Weinbaumuseum ist in einem originalen Hauerkeller untergebracht; auch die sogenannte Hiata-Hütte gehört zum Ortsbild des Weinortes im Kamptal. Am Hauptplatz 23 ist das Ausstellungshaus Spoerri untergebracht. Das Gebäude hatte früher verschiedene Besitzer, darunter das Stift Hohenfurth, und wird seit 2009 als Ausstellungshaus genutzt. Der Betreiber zeigt 2026 von Ende März bis Anfang November ein gemeinschaftlich entwickeltes „Musée sentimental d’Hadersdorf“, das Daniel Spoerris Idee eines sentimentalen Museums auf die Ortsgeschichte bezieht. Eine eigene Ausstellung nimmt Fundstücke vom Kampufer nach dem Hochwasser 2024 auf. Die Besucherinformation weist für die Saison 2026 Öffnungszeiten von Freitag bis Sonntag sowie an ausgewählten Feiertagen aus.
Die Morde vom 7. April 1945
Am 7. April 1945 erschossen Angehörige einer SS-Einheit 61 aus dem Zuchthaus Stein entlassene Häftlinge an der Friedhofsmauer von Hadersdorf. Die Männer waren am Vortag freigelassen worden und auf dem Weg nach Wien. Eine Gedenktafel wurde 1998 an der Friedhofskapelle angebracht; 2009 errichtete die Marktgemeinde eine Gedenkstätte. Die historisch dokumentierte Tat ist Teil der sogenannten Kremser Hasenjagd in den letzten Kriegstagen. Der Nationalfonds erinnert an die 61 politischen Gefangenen am Friedhof. Im Mai 1946 wurden die Toten auf den Wiener Zentralfriedhof umgebettet; 23 Opfer konnten damals identifiziert werden.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Hadersdorf-Kammern – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Hadersdorf-Kammern - Die Gemeinde
- Historische Bauwerke - Hadersdorf-Kammern
- Geschichte des Marktes - Hadersdorf-Kammern
- Ausstellungshaus Spoerri - Besuch & Kontakt
- April 1945: Massaker in Hadersdorf - DÖW
- Hadersdorf am Kamp - Krems/Stein - Nationalfonds
Stand der Angaben: 08.10.2026
