GRABERN KENNENLERNEN
Grabern: Steinreliefs, Kellergassen und Weinviertler Dorfgeschichte
Die Marktgemeinde Grabern liegt im Bezirk Hollabrunn im Weinviertel. Am 1. Jänner 2026 zählte sie 1.735 Einwohnerinnen und Einwohner; ihre Fläche beträgt 30,94 Quadratkilometer. Schöngrabern und Mittergrabern bewahren Spuren der Ortsgeschichte.
Schöngraberns steinerne Bilderwelt
Im Zentrum von Schöngrabern steht die romanische Pfarrkirche Mariä Geburt, deren Bau die Gemeinde auf etwa 1230 datiert. An der halbrunden Apsis entfaltet sich das Reliefprogramm der „Steinernen Bibel“: Figuren und Szenen wurden am Außenbau zu einer bildhaften Predigt geordnet. Eine Entstehungsurkunde ist nicht überliefert; Bauherr und Bildhauer sind unbekannt. Seit ihrer Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert wurde die Kirche vielfach gedeutet. Führungen lassen sich bei der Gemeinde erfragen. Unter dem heutigen Pfarrhof bewahrt das Lapidarium Fragmente mittelalterlicher Architektur, darunter ein Emporenkapitell samt Basis. Das Mauerwerk stammt von einer 1473 gestifteten Kapelle mit Beinhaus. Beim Umbau 1791 erhielt der Raum ein Ziegelgewölbe. Das Lapidarium wurde 2006 eröffnet; es ist von Ostern bis Ende Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen geöffnet.
Von Grawarn zur Marktgemeinde
Die Gemeinde führt den Namen Grabern auf das alte „Grawarn“ zurück. Um 1120 schenkte der Kaplan Aspinus des Markgrafen Leopold III. einen Wirtschaftshof in Grabern an die Kollegiatkirche Klosterneuburg. Erst ab dem 14. Jahrhundert unterscheiden die Urkunden zwischen Unter-, Mittel- und Obergrabern. Die Gemeinde erwägt eine Verbindung zum Personennamen Grawo. 1968 schlossen sich Mittergrabern, Obergrabern und Ober-Steinabrunn zur Gemeinde Mittergrabern zusammen. Drei Jahre später vereinigte sich diese mit Schöngrabern und Windpassing zur Marktgemeinde Grabern. Die fünf Katastralgemeinden heißen Mittergrabern, Obergrabern, Ober-Steinabrunn, Schöngrabern und Windpassing.
Kellergasse zwischen Dorf und Weinbau
Die Schöngraberner Kellertrift liegt am westlichen Rand des Angerdorfs. Auf 730 Metern stehen laut Gemeinde rund 70 Keller in einer einreihigen Zeile; Nussbäume beschatten Grünflächen gegenüber. Am Ende öffnet sich der Platz „Köllamauna“ mit Blick zur Kirche und in die Weingärten. Die ersten Keller dürften im 18. Jahrhundert entstanden sein. Nach 1850 erreichte der Weinbau mit mehr als 80 Joch, umgerechnet rund 45 Hektar, seine größte Ausdehnung. Als die Reblaus den Bestand Ende des 19. Jahrhunderts schädigte, gründeten die Winzer einen Veredelungsverein. Später wanderte die Weinproduktion aus den Kellergassen in modernere Betriebe ab; manche Presshäuser wurden zu Lagerräumen oder kleinen Räumen für Feiern. Heute vermittelt die Gemeinde Führungen in Schöngrabern und Mittergrabern; Termine können individuell vereinbart werden.
Spuren im Ortsbild
Ein Rundgang durch Schöngrabern macht den Wandel des Dorfes an 41 Stationen sichtbar. Der Dorferneuerungsverein erarbeitete das Projekt von Oktober 2021 bis August 2022: Vereinsmitglieder recherchierten in Ortschroniken und führten Gespräche mit Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Tafeln stehen überwiegend im Ort und zeigen mit historischen Fotografien, wie sich Wohnen, Arbeit und Straßen verändert haben. Überlieferte Straßennamen führen durch den Rundgang. Auch im Wappen erscheint die Ortsgeschichte: Es zeigt eine romanische Mauer aus Quadern mit Bogenfries. Im Osten des Gemeindegebiets verläuft die Nordwestbahn; der Bahnhof Hetzmannsdorf-Wullersdorf liegt rund vier Kilometer von Schöngrabern entfernt.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Grabern – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Romanische Kirche von Schöngrabern – Steinerne Bibel | Marktgemeinde Grabern
- Lapidarium | Marktgemeinde Grabern
- Kellergassenführungen | Marktgemeinde Grabern
- Wissenswertes | Marktgemeinde Grabern
- Schöngrabern geschichtlich erzählt | Marktgemeinde Grabern
Stand der Angaben: 08.10.2026
