GOLLING AN DER ERLAUF KENNENLERNEN
Golling an der Erlauf: Fabrik, Fresko und Museum
Golling an der Erlauf liegt im Bezirk Melk am Südufer der Donau. Die Marktgemeinde zählt 1.443 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026); ihr Gebiet umfasst 2,71 Quadratkilometer. Ortsgeschichte, Seilwarenindustrie und Kunst im öffentlichen Raum erzählen von der Entwicklung des kleinen Marktortes.
Von Goldwäschern zur Marktgemeinde
Die erste urkundliche Nennung stammt aus dem Jahr 1334 und bezeichnet den Ort als „Goldarn“. Der Name wird mit Goldwäschern in Verbindung gebracht. Golling gehörte lange zur Gemeinde Krummnußbaum; 1923 entstand die selbstständige Gemeinde. 1968 erhob die Landesregierung Golling zum Markt, ein Jahr später wurde die Pfarre errichtet. Eine digitale Topothek ging 2024 mit zunächst 1.923 Fotografien und Dokumenten online. Die Zahl verweist auf das Jahr der Gemeindetrennung. Die Sammlung macht auch historische Ansichten des Ortsraums zugänglich.
Hanf, Seile und Arbeiterwohnungen
Die industrielle Entwicklung setzte im späten 19. Jahrhundert ein. 1885 wurde die „Erste österreichische mechanische Hanfspinnerei und Bindfaden-Fabrik“ gegründet; später war sie als HITIAG bekannt. Der Betrieb prägte besonders Neuda und bot Arbeit in der Seilwarenproduktion. Während der NS-Zeit wurden Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine, Polen und Litauen in einem Lager untergebracht. Die Baracken bestanden nach 1945 weiter und dienten später dem Sportverein als Umkleiden; erst Anfang der 1970er-Jahre wichen sie einem neuen Sporthaus. 2025 zeigte eine kommunale Fotoausstellung Dokumente zur Geschichte der sogenannten Ostarbeiterinnen. Sie stützte sich dabei unter anderem auf Material aus der Topothek.
Mayrhuber und Stuccolustro
Der akademische Maler Sepp Mayrhuber (1904–1989) lebte und arbeitete in Golling. Er beschäftigte sich mit Freskenmalerei und griff die antike Stuccolustro-Technik auf. Das nach ihm benannte Dokumentationszentrum umfasst rund 250 Objekte, darunter etwa 140 eigene Arbeiten: Stuccolustro, Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Entwürfe und Werkzeuge. Ein Besuch ist nach Voranmeldung möglich. In der Pfarrkirche schuf Mayrhuber ein monumentales Stuccolustro-Fresko mit Christus als Pantokrator und dem heiligen Franziskus. Auch der Mosaik-Kreuzweg im Gotteshaus stammt von ihm.
Kirchen, Kapelle und Ortsgedächtnis
Die Pfarrkirche ist dem heiligen Franziskus geweiht. In der Kastanienallee steht die renovierte St.-Gertrud-Kapelle; ein Marterl befindet sich an der Kreuzung Gollingbachstraße und Am Schierlberg. Das HITIAG- und Heimatmuseum ergänzt diese Orte um die Industriegeschichte. Eine private Initiative gründete die Sammlung 2003, die Ausstellung eröffnete 2005; 2007 entstand ein Trägerverein. Die Gemeinde nennt als reguläre Besuchszeit den ersten Samstag im Monat von Ende April bis Ende Oktober, zusätzliche Besuche sind nach Anmeldung möglich. Die Super-8-Aufnahmen der HITIAG-Betriebsfeuerwehr wurden digitalisiert und der Gemeinde für die Topothek übergeben; im Museum sind sie neben einem Film über die HITIAG zu sehen. Die örtliche Bücherei geht auf eine 1945 gegründete Arbeiterbücherei der HITIAG zurück; seit 2001 betreut sie die Marktgemeinde.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Golling an der Erlauf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte – Gemeinde Golling an der Erlauf
- HITIAG- und Heimatmuseum – Gemeinde Golling
- Sehenswürdigkeiten – Gemeinde Golling
- Pfarre Golling – Gemeinde Golling
- Fotoausstellung „Ostarbeiter in der HITIAG“ – Gemeinde Golling
- Gemeindenachrichten 01/2024 – Topothek Golling
- Die Bücherei – Gemeinde Golling an der Erlauf
- HITIAG- und Heimatmuseum – Gemeindenachrichten
Stand der Angaben: 08.10.2026
