GUNTRAMSDORF KENNENLERNEN
Guntramsdorf: Kirchenbau, Museen und Gedenkort
Guntramsdorf liegt am westlichen Rand des Wiener Beckens. Die Marktgemeinde umfasst 14,86 Quadratkilometer und zählte am 1. Jänner 2026 9.441 Einwohner. Im Gemeindegebiet treffen alte Weinlagen, Ziegelteiche und die Siedlung Neu-Guntramsdorf aufeinander.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Guntramsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Pfarre St. Jakobus und die frühe Ortsgeschichte
Eine romanische Kirche stand hier um 1200; eine Halbsäulenbasis mit Tierdarstellungen aus dieser Zeit wird im Heimatmuseum verwahrt. Die selbstständige Pfarre bestand seit etwa 1200; am 14. Dezember 1232 erscheint erstmals ein Guntramsdorfer Pfarrer in einer Urkunde. Das Gotteshaus war dem heiligen Jakobus geweiht. Als die romanische Kirche baufällig wurde, begann 1796 der Bau eines Nachfolgers; Philipp Schlucker vollendete ihn, und am 24. Juni 1798 wurde die Kirche geweiht. Bei einem Bombenangriff am 24. Mai 1944 wurde sie zerstört. Die Pfarrgemeinde richtete Notkapellen ein; eine Sonntagskapelle befand sich in der Waschküche der Familie Gausterer. Der heutige Kirchenbau entstand ab 1948, wurde 1952 fertiggestellt und am 4. Mai geweiht. Drei neue Glocken erhielten am 25. Mai ihre Weihe; sie wiegen 955, 600 und 398 Kilogramm.
Quellen: Historie | Pfarre Guntramsdorf – St. Jakobus · Heimatmuseum Guntramsdorf, Ernst Wurth | Marktgemeinde Guntramsdorf
Funde aus Siedlungen und Gräberfeldern
Das Heimatmuseum Ernst Wurth führt seine Sammlung auf archäologische Funde zurück, die seit 1927 gesammelt wurden. Zu den Beständen zählen ein trepanierter Schädel und Funde aus einem langobardischen Gräberfeld. Historische Wohnräume und eine nachgebildete Greißlerei zeigen den Alltag früherer Generationen. Werkstätten veranschaulichen Handwerk und örtliche Industrie, während Marionetten des Puppenspielers Fritz Kunstmann an eine lokale Bühnenkunst erinnern. In seiner heutigen Form besteht das Heimatmuseum seit 1974. Zwischen 1999 und 2003 wurde es umfassend saniert und neu gestaltet.
Quellen: Heimatmuseum Guntramsdorf, Ernst Wurth | Marktgemeinde Guntramsdorf
Walzengravur und Präzisionsarbeit
Die Walzengravieranstalt nahm 1911 den Betrieb auf und fertigte Druck- und Prägewalzen für österreichische und internationale Industriebetriebe. Bis 1986 blieb die Produktion in Betrieb. Die Handgravur von Moletten verband präzises Zeichnen mit mechanischer Bearbeitung; Maschinen, Werkzeuge und die zentrale Transmissionsanlage sind vollständig erhalten. Das Ensemble umfasst etwa 250 Quadratmeter und kann im Museum wieder in Gang gesetzt werden. Das denkmalgeschützte Industriemuseum besteht seit 1989. 1908 verlegte Popper, Ehn & Bruder die Schuhleistenproduktion von Wien nach Guntramsdorf. Ab 1924 führte die Familie Ehn sie über drei Generationen bis 2010 fort; das ehemalige Werk wird heute als Außenstelle des Heimatmuseums genutzt.
Quellen: Museum Walzengravieranstalt | Marktgemeinde Guntramsdorf · Heimatmuseum Guntramsdorf, Ernst Wurth | Marktgemeinde Guntramsdorf
Erinnerung an das Lager in Neu-Guntramsdorf
Von 1943 bis 1945 befand sich in Guntramsdorf und Wiener Neudorf ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Es war Teil der Flugmotorenwerke Ostmark; im September 1944 waren dort 3.170 Gefangene inhaftiert. Seit 2005 arbeitet der örtliche Gedenkverein die Geschichte auf. Er organisiert jährliche Gedenkveranstaltungen, Vorträge und Exkursionen und führt Schulklassen sowie interessierte Gruppen über das ehemalige Lagergelände in Neu-Guntramsdorf. Am früheren Lagerstandort sind Grundmauern der Baracken und einzelne Bunker erhalten. Am 18. Oktober 2025 wurde an der Industriestraße die offizielle, vier Meter hohe Mauthausen-Außenlager-Stele enthüllt. Sie besteht aus 39 dreiseitigen Betonprismen. Mehr als 100 Gäste nahmen an der Eröffnung teil.
Quellen: Gedenkverein KZ-Nebenlager Guntramsdorf | Marktgemeinde Guntramsdorf · KZ-Nebenlager Guntramsdorf/Wiener Neudorf | Marktgemeinde Guntramsdorf · Enthüllung der KZ-Außenlager-Stele Guntramsdorf | KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Guntramsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Historie | Pfarre Guntramsdorf – St. Jakobus
- Heimatmuseum Guntramsdorf, Ernst Wurth | Marktgemeinde Guntramsdorf
- Museum Walzengravieranstalt | Marktgemeinde Guntramsdorf
- Gedenkverein KZ-Nebenlager Guntramsdorf | Marktgemeinde Guntramsdorf
- KZ-Nebenlager Guntramsdorf/Wiener Neudorf | Marktgemeinde Guntramsdorf
- Enthüllung der KZ-Außenlager-Stele Guntramsdorf | KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Stand der Angaben: 09.10.2026
