MARKTGEMEINDE · NIEDERÖSTERREICH

Wilfersdorf

Eine Marktgemeinde zwischen Urzeitfunden und Familiengeschichte

GEMEINDEKENNZIFFER31654
Marktplatz mit Blick zur Kirche in Wilfersdorf
Marktplatz mit Blick zur Kirche in Wilfersdorf · Foto: © C.Stadler/Bwag · „Wilfersdorf“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
2 102
01.01.2026
Fläche
30,47 km²
Bevölkerungsdichte
69,0
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
2193
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

WILFERSDORF KENNENLERNEN

Wilfersdorf: Schloss und Spuren der Liechtensteiner

Wilfersdorf liegt an der alten Verbindung zwischen Wien und Brünn im Bezirk Mistelbach. Die Marktgemeinde zählt 2.102 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 30,47 Quadratkilometer. Schloss, Pfarrkirche und archäologische Funde verbinden mehrere Zeitschichten.

Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Wilfersdorf (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion

Vom Wulfenstorf zur Marktgemeinde

Funde weisen auf eine Besiedlung Wilfersdorfs in der frühen Bronzezeit und in römischer Zeit hin. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 12. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert wechselte die Herrschaft zwischen den Maissauern und Kuenringern; 1436 wird das Haus Liechtenstein genannt. Das Marktrecht des früheren „Wulfenstorf“ ist 1514 in einem Urbar belegt. 1705 wurde der Ort bei einem Einfall der Kuruzzen in Mitleidenschaft gezogen. Bullendorf entwickelte eine eigene Ortsgeschichte: Die Gemeinde nennt den Ort 1170/1180 als „Pobendorf“, die Kirche Maria Königin entstand 1912 nach Plänen des fürstlich-liechtensteinischen Architekten Karl Weinbrenner. Seit 1971 ist Bullendorf wieder eine eigene Pfarre.

Quellen: Wilfersdorf (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Katastralgemeinde Bullendorf

Wasserschloss und Wiederaufbau

Das Schloss ist seit 1440 ununterbrochen im Besitz der Fürstenfamilie Liechtenstein. Um 1609 wurde die mittelalterliche Burg in ein Wasserschloss umgebaut; von 1713 bis 1721 erhielt die Anlage nach Plänen des Architekten Anton Johann Ospel einen großzügigen Umbau. 1802 musste ein Teil wegen Baufälligkeit abgetragen werden. 1866 diente das Gebäude als preußisches Choleraspital. Bei Restaurierungsarbeiten 2001 kamen Fundamente und gotische Mauerteile zum Vorschein, die das Bundesdenkmalamt archäologisch untersuchte. 2001/02 wurde das Hauptgebäude mit Mitteln der Fürstenstiftung, der Gemeinde und des Landes umfassend saniert. Ein langfristiger Mietvertrag überließ den Großteil der Anlage der Marktgemeinde zur Nutzung.

Quellen: Liechtenstein Schloss Wilfersdorf – Geschichte und Museum

St. Nikolaus und die Liechtenstein-Gruft

Die Pfarrkirche St. Nikolaus besitzt gotische Bauteile aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Nach einem Brand 1590 ließ Anna Maria von Liechtenstein die Kirche 1591 wiederaufbauen. Sie wurde anschließend auch als Familiengruft genutzt. Begraben sind unter anderem Wolfgang II. von Liechtenstein, Fürst Gundaker und Hartmann samt ihren Ehefrauen. Zwischen 1742 und 1744 erhielt das Gotteshaus einen barocken Altarbereich; unter dem neuen Presbyterium wurde die Gruft neu angelegt. Bis 1978 blieb die Kirche Patronatskirche der Fürsten von Liechtenstein. 2002 wurde die Kirche innen renoviert. Im Hauptaltarbereich prägen Werke von Domenico Mainardi sowie Stuckplastiken von Franz Biener die Ausstattung.

Quellen: Pfarrkirche Hl. Nikolaus in Wilfersdorf · Katastralgemeinde Wilfersdorf

Funde aus Urzeit und Schlossalltag

Das Heimatmuseum öffnete 1985 im nördlichen Seitentrakt des Schlosses. Seine Sammlung reicht von Knochen urzeitlicher Elefanten und Nashörner aus dem Schotter der Urdonau bis zu Funden der Jungsteinzeit, Bronze- und Hallstattzeit sowie des Mittelalters. Weitere Räume zeigen bäuerliche Geräte, Weinbau, Kellerwirtschaft, häusliche Ausstattung und örtliche Gewerbe. Zu den besonderen Exponaten gehören Kirchturmuhrwerke von 1742 und 1914. Der Schlosskomplex beherbergt außerdem die Liechtenstein-Ausstellung zur Geschichte der Fürstenfamilie in Niederösterreich und Südmähren. Sie wurde 2013 neu gestaltet und nutzt mehrsprachige Audioguides. Ein eigener Fundort liegt bei Bullendorf: 2016 barg das Naturhistorische Museum Wien an einer A5-Baustelle zwei etwa zweieinhalb Meter lange Stoßzähne und Wirbelknochen eines Ur-Mammuts. Fachleute vermuten aufgrund von Geologie und Zahnform eine ältere Art als das Wollhaarmammut.

Quellen: Heimatmuseum der Großgemeinde Wilfersdorf · Liechtenstein Schloss Wilfersdorf – Geschichte und Museum · Fundorte der Ur-Mammuts und Ur-Elefanten

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 09.10.2026

GEOGRAFIE

Wilfersdorf auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung2 124
31.10.2021 · Registerzählung2 106
01.01.2026 · Bevölkerungsstand2 102

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
1 075
NUTS-3-Region
Weinviertel (AT125)

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