STADTGEMEINDE · NIEDERÖSTERREICH

Gänserndorf

Aus einem Marchfelder Straßendorf wurde ein Bahnknoten und Bezirkssitz – sichtbar ist die Entwicklung bis heute im Stadtbild.

GEMEINDEKENNZIFFER30817
Rathaus im ehemaligen Schloss in Gänserndorf
Rathaus im ehemaligen Schloss in Gänserndorf · Foto: © C.Stadler/Bwag · „Gänserndorf - Rathaus“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
12 348
01.01.2026
Fläche
30,56 km²
Bevölkerungsdichte
404,0
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
2230
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

GÄNSERNDORF KENNENLERNEN

Gänserndorf: Nordbahn, Gänse und Stadtsäulen

Gänserndorf ist eine Stadtgemeinde und Bezirkshauptstadt im Marchfeld. Am 1. Jänner 2026 hatte sie 12.348 Einwohnerinnen und Einwohner; das Gemeindegebiet umfasst 30,56 Quadratkilometer. Die Stadt liegt im nördlichen Marchfeld und umfasst eine gleichnamige Katastralgemeinde.

Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Historisches – Stadtgemeinde Gänserndorf

Vom Gänsetreiberdorf zur Stadt

Am 10. Februar 1115 erscheint „Genstribindorf“ in einer Urkunde zur Weihe der Pfarrkirche von Weikendorf. Darin wurden auch die Grenzen des Pfarr- und Zehentbezirks festgelegt. Der Name wird meist als Gänsetreiberdorf gedeutet; die sumpfige Niederung am Weidenbach bot offenbar günstige Bedingungen für die Haltung größerer Gänsebestände. Die Schreibweise wandelte sich im Lauf der Jahrhunderte: 1258 stand „Genstribendorf“, 1335 „Gensendorf“, 1455 „Gensterndorf auf dem Marchfeld“. Unter Maria Theresia hieß der Ort 1741 „Großgänserndorf“, später Unter-Gänserndorf im Marchfeld. 1904 wurde der heutige Name kundgemacht. Am 19. Dezember 1958 erhob der niederösterreichische Landtag Gänserndorf zur Stadt; die Stadterhebungsfeier fand im Juni 1959 statt.

Quellen: Historisches – Stadtgemeinde Gänserndorf · Chronik – Stadtgemeinde Gänserndorf

Die Nordbahn als Wachstumsschub

Bis in die 1830er Jahre war Gänserndorf ein kleines Straßendorf. Mit dem Bau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn änderte sich die Lage: Am 16. April 1838 fuhr der erste Dampfzug von Floridsdorf nach Gänserndorf; anfangs verkehrten täglich zwei Züge. Die Station lag nahe am Dorf, und entlang der Zufahrt siedelten sich Gewerbetreibende und Eisenbahnbedienstete an. Die spätere Bahnstraße verbindet diese alte Dorfstruktur mit dem Bahnhof. 1848 kam eine Flügelbahn nach Marchegg hinzu, die Gänserndorf zum Eisenbahnknoten machte. Der Körner-Wochenmarkt, seit August 1853, stärkte den Handel und machte den Ort zum zentralen Markt für die Umgebung. 1901 wurde die Bezirkshauptmannschaft hier eingerichtet; das Bezirksgericht übersiedelte ebenfalls aus Matzen.

Quellen: Historisches – Stadtgemeinde Gänserndorf · Chronik – Stadtgemeinde Gänserndorf

Jüdisches Leben und Erinnerung

Die ehemalige Synagoge in der Bahnstraße 60 wurde 1889 nach Plänen des Architekten Jakob Modern errichtet und bis 1938 als Gotteshaus genutzt. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde sie enteignet; jüdische Symbole wurden entfernt. Danach nutzten verschiedene Einrichtungen das Gebäude, darunter Berufsschule, Musikschule und Jugendzentrum. Die Fassade wurde in den 1960er Jahren verändert; 2018 erhielt der Bau Denkmalschutz. Der jüdische Friedhof besteht seit 1884 und umfasst rund 130 Grabstellen. Er steht ebenfalls unter Denkmalschutz und wird auf Grundlage des Washingtoner Abkommens instand gehalten. Synagoge und Friedhof erinnern an eine jüdische Gemeinde, die durch Vertreibung und Verfolgung ausgelöscht wurde; sie sind zwei räumlich getrennte Zeugnisse dieser Geschichte.

Quellen: Gedenktafel ehemalige Synagoge Gänserndorf – DERLA, Universität Graz · Friedhofsverwaltung – Stadtgemeinde Gänserndorf

Kunst im öffentlichen Raum

Die Bezeichnung „Stadt der Säulen“ entstand 2000 bei einer Ausstellung des Künstlers Manfred Hermann Bauch. Die Objekte markieren Eingänge und Plätze, greifen aber auch lokale Geschichte auf. Das Protteser Tor wurde 1997 als erstes von fünf Stadttoren fertiggestellt. Seine Keramikoberflächen bilden geologische Schichten im Maßstab 1:1000 ab und verweisen auf die Erdölbohrungen im Schönkirchner Feld. 1999 entstanden die Säulen am Schönkirchner Tor aus geborgenen Ziegeln des 1989 gesprengten Schlots der ehemaligen Ziegelfabrik. Andere Werke stehen vor dem WIFI, an Schulen und am Friedhof; dort stammen die Lichtwächter ebenfalls aus 1999. Die verschiedenen Materialien – Keramik, Ziegel, Faserzement und Beton – machen das Kunstprojekt im Alltag der Stadt sichtbar.

Quellen: Gänserndorfer Säulen – Stadtgemeinde Gänserndorf · Friedhofsverwaltung – Stadtgemeinde Gänserndorf

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 08.10.2026

GEOGRAFIE

Gänserndorf auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung10 362
31.10.2021 · Registerzählung11 940
01.01.2026 · Bevölkerungsstand12 348

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
3 711
NUTS-3-Region
Wiener Umland/Nordteil (AT126)

VOR ORT ENTDECKEN

Besonderheiten & Ausflugsziele

ÜBER DIE GEMEINDEGRENZE HINAUS

Nachbargemeinden von Gänserndorf

Nachbarschaft aus gemeinsamen Grenzabschnitten der amtlichen Geometrien abgeleitet. Reine Berührungspunkte und ausländische Gemeinden sind nicht enthalten.