ECKARTSAU KENNENLERNEN
Eckartsau: Schlosswinter und Donau-Auen
Die Marktgemeinde Eckartsau liegt am südlichen Rand des Marchfeldes im Bezirk Gänserndorf. Ihre 48,98 Quadratkilometer reichen in die Donau-Auen; 1.382 Menschen lebten hier am 1. Jänner 2026. Zu den fünf Orten gehören Eckartsau, Kopfstetten, Pframa, Wagram an der Donau und Witzelsdorf.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Schloss Eckartsau – Geschichte
Vom Wasserschloss zur Jagdresidenz
Die mittelalterliche Wasserburg war von einem doppelten Wassergraben umgeben und über eine Holzbrücke zugänglich. 1720 erwarb Franz Ferdinand Graf Kinsky das Schloss. Zwischen 1722 und 1732 ließ er es unter Christian Alexander Oedtl zum barocken Wohnsitz umbauen; den Westtrakt entwarf Joseph Emanuel Fischer von Erlach. In dessen Festsaal steht die Jagd im Mittelpunkt des Bildprogramms: Diana wird von Apoll zum Olymp geführt, Lorenzo Mattielli ergänzte die Fresken mit Skulpturen. Franz Stephan erwarb die Anlage 1760. Nach seinem Tod 1765 ließ Maria Theresia das Schloss zwischen 1770 und 1774 unter der Leitung des Hofarchitekten Franz Anton Hillebrandt weiter ausbauen. Häufige Überschwemmungen und Bauschäden führten dazu, dass Obergeschoße der Ost- und Südtrakte in den 1820er Jahren abgetragen wurden.
Quellen: Schloss Eckartsau – Geschichte
Der letzte Winter Kaiser Karls
Im November 1918 zog Kaiser Karl I. mit seiner Familie aus Schönbrunn nach Eckartsau. Nach dem Ende der Monarchie war das Schloss ihr letzter Wohnsitz auf österreichischem Boden. Treibstoffmangel erschwerte die Stromversorgung; Karl erkrankte an der Spanischen Grippe. Am 13. November 1918 unterzeichnete Karl eine Erklärung, auf jede Beteiligung an der Regierung in Ungarn zu verzichten. Am 23. März 1919 spielte Hofarzt Eduard Benoni beim Abschiedsgottesdienst in der Schlosskapelle auf dem Harmonium; Kronprinz Otto ministrierte, der Hofstaat sang die Kaiserhymne. Danach reiste die Familie über den Bahnhof Kopfstetten ins Schweizer Exil.
Quellen: Schloss Eckartsau – Geschichte · Historisches Harmonium kehrt zurück – Schloss Eckartsau
Fünf Orte im Marchfeld
Die heutige Großgemeinde entstand am 1. Jänner 1971 aus zwei Marktgemeinden und drei Dorfgemeinden. Eckartsau und Witzelsdorf waren Marktgemeinden; Kopfstetten, Pframa und Wagram an der Donau wurden als Dorfgemeinden eingegliedert. Die Ortsnamen verweisen auf unterschiedliche Siedlungsgeschichten: Eckartsau erscheint um 1180 als Ekkartsovve, Kopfstetten 1233 als Chopstetten. Pframa ist bereits 1025 als Fruhmanaha dokumentiert, Witzelsdorf wird mit einer Erwähnung um 1083 verbunden. Wagram an der Donau entwickelte sich nach der türkischen Invasion von 1529 durch die Ansiedlung kroatischer Bevölkerung und hieß früher Kroatisch-Wagram, zur Unterscheidung von Deutsch-Wagram.
Schlosspark und Nationalpark
Das Schloss ist heute Sitz des Nationalparkbetriebs Donau-Auen. Der Nationalpark entstand 1996, nachdem die Aubesetzung in der Stopfenreuther Au 1984 den geplanten Kraftwerksbau an der Donau stoppte. Die Österreichischen Bundesforste betreuen Wald-, Wiesen- und Gewässerflächen des Schutzgebiets. Im Schloss erzählt die Ausstellung WILD°WECHSEL die Entwicklung der Aulandschaft vom kaiserlichen Jagdgebiet zum Schutzraum für Artenvielfalt. Historische Wohnräume von Franz Ferdinand und Kaiser Karl sind bei Führungen zugänglich. Der Park ist ganzjährig frei zugänglich. Der 27 Hektar große Landschaftsgarten wurde vom letzten k.k. Hofgartendirektor Anton Umlauft gestaltet. Seine Wiesen und zahlreichen Baumarten werden ohne Pestizide und chemisch-synthetische Dünger gepflegt.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
