ERTL KENNENLERNEN
Ertl an der Url: ein junges Dorf mit langer Talgeschichte
Ertl liegt im Bezirk Amstetten im Mostviertel. Die Gemeinde zählt am 1. Jänner 2026 1.250 Einwohnerinnen und Einwohner und umfasst 21,14 Quadratkilometer. Ihre Geschichte verbindet alte Funde im Urlgebiet mit einer vergleichsweise jungen Gemeindegründung.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Ertl – Wikipedia, feste Artikelversion
Am Zusammenfluss von Url und Kohlenbach
Die Url prägt das Gemeindegebiet und gibt dem Tal seinen geografischen Rahmen. Im Ortszentrum vereinigen sich Urlbach und Kohlenbach; an diesem Zusammenfluss steht auch die Pfarrkirche. Ertl liegt in einer hügeligen Mostviertler Landschaft, in der mehr als zwei Drittel der Fläche landwirtschaftlich genutzt werden und ungefähr ein Viertel Wald ist. Einzelhöfe und kleine Siedlungsbereiche verteilen sich über das Gemeindegebiet. Die Ortsteile Ertl Dorf, Großau, Peilstein, Tiefenbach und Voitstraß-Siedlung gehören zur einzigen amtlichen Ortschaft Ertl.
Quellen: Ertl – Wikipedia, feste Artikelversion · Pfarre Ertl – Pfarrkirche Ertl
Funde, Herren von Url und bäuerlicher Protest
Steinbeile und weitere Werkzeuge belegen, dass Menschen schon in der Steinzeit im heutigen Gemeindegebiet unterwegs waren. In der Antike gehörte die Gegend zur römischen Provinz Noricum. Im Mittelalter saßen hier die Herren von Url, ein Zweig des Seitenstettner Stiftsgeschlechts. Jahrhunderte später wurde Tiefenbach zu einem Treffpunkt aufständischer Bauern: Während des niederösterreichischen Bauernaufstands versammelten sich dort unzufriedene Bauern und ihre Anführer wiederholt im Gasthaus.
Quellen: Ertl – Wikipedia, feste Artikelversion · Pfarre Ertl – Pfarrkirche Ertl
Ein neugotischer Bau für die Heilige Familie
Die heutige Pfarrkirche ist der Heiligen Familie geweiht und prägt das Ortszentrum. An diesem Ort entstand 1887 zunächst eine Kapelle. Der Kirchenbau begann 1901 nach Plänen des Architekten Franz Pichlwanger; 1913 war er fertig, am 26. Mai 1914 wurde er geweiht. Seit 1930 ist Ertl eine selbständige Pfarre; der Kirchenbau steht unter Denkmalschutz. Der neugotische Saalbau ist durch Strebepfeiler gegliedert und besitzt einen eingezogenen Chor mit Kreuzrippengewölbe und fünfseitigem Schluss. Der schlanke Nordturm steht im Winkel zwischen Chor und Langhaus und erreicht rund 52 Meter. Der Saalbau ist 32 Meter lang, sechs bis zwölf Meter breit und acht bis neun Meter hoch. Vier Glocken wurden 1949 und 1955 geweiht; ihre Vorgänger mussten im Ersten und Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden.
Quellen: Pfarre Ertl – Pfarrkirche Ertl
Aus mehreren Gemeindegebieten zusammengefügt
Die politische Gemeinde entstand 1922 aus Teilen von St. Michael, St. Peter/Au-Dorf, Waidhofen-Land und Kürnberg. Das heutige Ertl ist damit jünger als seine Dörfer und Höfe. Ein Blick in das Adressbuch von 1938 zeigt einen kleinteiligen Wirtschaftsalltag: Verzeichnet waren unter anderem ein Bäcker, vier Gastwirte, drei Gemischtwarenhändler, ein Hammerwerk sowie zwei Mühlen mit Sägewerk. Auch ein Elektrizitätswerk und ein Schotterwerk gehörten damals zum örtlichen Wirtschaftsleben. Neben Schmied, Schneider, Schustern und Wagnern nennt das Verzeichnis mehrere Landwirte. In Großau wurde außerdem Steinkohle gewonnen: Um 1850 baute man sechs Flöze ab. 1847 förderte der Betrieb 63.100 Zentner und war damit der zweitgrößte im Kreis ober dem Wienerwald. Pferde und Ochsen brachten die Kohle nach Wallsee, von wo Schiffe sie nach Wien transportierten. Abnehmer gab es auch in Steyr, Waidhofen, St. Peter in der Au und Linz.
Quellen: Ertl – Wikipedia, feste Artikelversion · Ertl Heimatbuch – Der Steinkohlenbergbau in und um Großau
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
