REICHENFELS KENNENLERNEN
Reichenfels: Markt am Fuß der Packalpe
Reichenfels liegt im oberen Lavanttal zwischen Packalpe und Seetaler Alpen. Die Marktgemeinde im Bezirk Wolfsberg zählt 1.708 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 87,21 Quadratkilometer.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Reichenfels – Wikipedia, feste Artikelversion
Ein Talbecken zwischen zwei Gebirgszügen
Das Reichenfelser Becken liegt zwischen den Hängen der Packalpe im Osten und den Seetaler Alpen im Westen. Im Norden berührt die Gemeinde die steirische Landesgrenze am Obdacher Sattel. Die vier Ortschaften Reichenfels, St. Peter im Lavanttal, Sommerau und Weitenbach sind zugleich Katastralgemeinden. Ihre Siedlungen verteilen sich auf das Haupttal und die Seitengräben. Der Sommerauer Graben beginnt am Rand des Marktes und führt in das Bergland. Land- und Forstwirtschaft prägen den ländlichen Raum; die Holzwirtschaft bildet einen wichtigen Produktionszweig, daneben gibt es Sommertourismus.
Erzvorkommen und Bamberger Herrschaft
Der Name Reichenfels wird mit den Silber- und Goldvorkommen des Gebiets verbunden. Rohstoffe wurden bereits in der Römerzeit gewonnen; eine alte Römerstraße führte durch die Gegend. Im 11. Jahrhundert gelangten große Teile des oberen Lavanttals an das Bistum Bamberg. Die Burg Reichenfels wird 1227 erstmals erwähnt und diente bambergischen Verwaltern als Sitz. 1457 erhielt Reichenfels das Recht auf einen Wochenmarkt, die Wahl eines Marktrichters und eines Marktrats. Ein eigenes Gericht gab es jedoch nicht; zuständig blieben Pfleger und Landgericht. Beim Türkeneinfall 1480 wurden der Ort und die Kirche niedergebrannt; danach folgten Heuschreckenplage und Hungersnot. 1562 erneuerte der Bamberger Bischof die Marktrechte und stiftete ein Marktsiegel. 1759 wurden die bambergischen Besitzungen an das österreichische Kaiserhaus verkauft. 1784 ist eine Schule erstmals belegt. 1806 mussten Bewohner französische Soldaten mit Lebensmitteln und Hausrat versorgen. Nach der napoleonischen Besatzungszeit bestätigte Kaiser Ferdinand I. den Jahr- und Viehmarkt.
Quellen: Marktgemeinde Reichenfels – Geschichte der Gemeinde
Kirche am Eingang des Sommerauer Grabens
Die Pfarrkirche zum heiligen Jakobus steht am Beginn des Sommerauer Grabens und prägt den alten Markt. Sie wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Auftrag der Bamberger Bischöfe errichtet und 1285 erstmals urkundlich erwähnt. Der ursprüngliche Bau war romanisch; später wurde er mehrfach erweitert. Beim Wiederaufbau integrierte man Schutz- und Verteidigungsanlagen. Der Turmaufbau mit Zwiebeldach entstand in spätbarocker Zeit; der Hochaltar ist barock und wurde später erneuert. Bei einer Renovierung in den 1970er Jahren wurden die gotischen Chorfenster wiederhergestellt.
Ruine, Aussicht und Heilquelle
Von der Burg Reichenfels sind nur noch wenige Mauerreste erhalten. Die Anlage war über Jahrhunderte ein politischer und wirtschaftlicher Stützpunkt Bambergs in Kärnten. Oberhalb des Sommerauer Grabens bietet der 2004 erneuerte Pavillon am Guckofen einen Blick über die Dächer des Marktes. In St. Peter im Lavanttal liegt eine weitere historische Kirche: Ihre erste Erwähnung datiert 1203, der spätgotische Wiederaufbau folgte nach einem Brand 1480. Die Kölzerquelle wird von der Gemeinde als Calcium-Eisen-Hydrogencarbonat-Säuerling beschrieben. Der Personenverkehr auf der Lavanttalbahn wurde 2010 eingestellt; auf dem Abschnitt verkehren Güterzüge. Der Bahnhof liegt an der historischen Verbindung zwischen Wolfsberg und Zeltweg.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
