KITTSEE KENNENLERNEN
Kittsee, Grenzort mit Schloss und Marillenkultur
Kittsee liegt unmittelbar an der Grenze zur Slowakei und in direkter Nachbarschaft zu Bratislava. Die Marktgemeinde zählt 3.898 Einwohnerinnen und Einwohner auf 19,27 Quadratkilometern (Stand 1. Jänner 2026). Der nördlichste Punkt des Burgenlandes befindet sich auf Kittseer Gemeindegebiet. Die heutige Grenzlage ist vergleichsweise jung: Vor der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg reichte die Gemeinde über das heutige Staatsgebiet hinaus. Der abgetrennte Teil gehört inzwischen zum Bratislavaer Stadtbezirk Petržalka und heißt Kopčany. Kittsee ist damit ein Ort, dessen Wege, Besitzverhältnisse und Nachbarschaften wiederholt durch politische Grenzen neu geordnet wurden.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Kittsee – Wikipedia, feste Artikelversion
Schlossgeschichte und Grenzhandel
Die historische Bedeutung Kittsees beruhte auch auf seiner Lage an einer Verbindung zwischen Wien und Pressburg sowie am Donauübergang. Eine Mautstation dürfte früh Einnahmen für Straßen, Brücken und Befestigungen ermöglicht haben. Das Alte Schloss entwickelte sich von einer Wehranlage zu einer Wohn- und Wirtschaftsstruktur. Seine Baugeschichte spiegelt wechselnde Besitzer und Nutzungen: Das heutige Neue Schloss ließ Johann IV. Listhi ab den 1660er Jahren auf älteren Fundamenten errichten. Nach dem Übergang an die Esterházy wurde es restauriert und erweitert; 1754 galt es als repräsentative Residenz. Später diente die Anlage unter anderem als Wohnsitz der Familie Batthyány-Strattmann. Der Ort beherbergt damit zwei sehr unterschiedliche Schlossanlagen und einen jüdischen Friedhof, der an die einst bedeutende jüdische Gemeinde erinnert.
Quellen: Schloss Kittsee
Jüdisches und kroatisches Kittsee
Kittsee gehörte zu den Siebengemeinden, in denen sich jüdische Familien seit dem 17. Jahrhundert unter dem Schutz der Esterházy niederlassen konnten. Im 18. und 19. Jahrhundert lebten zeitweise mehrere hundert Jüdinnen und Juden im Ort. Im April 1938 wurden jüdische Bewohner aus Kittsee und dem benachbarten Pama gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben und auf einer Donauinsel ausgesetzt. Diese Verfolgung zerstörte das Gemeindeleben; die Synagoge und viele Spuren des jüdischen Alltags gingen verloren. Kittsee war zugleich Teil des Siedlungsgebiets der Burgenlandkroaten. Kroatische Siedler kamen im 16. Jahrhundert in zuvor verwüstete Dörfer. Heute erinnern Friedhof, Schlossgeschichte und die zweisprachige kirchliche Tradition an unterschiedliche Gemeinschaften, deren Geschichte den Ort über Jahrhunderte geprägt hat.
Die Kittseer Marille
Bekannt ist Kittsee auch für seine Marillen. Die Gemeindeseite verweist auf eine frühe großflächige Pflanzung im Jahr 1924: Ein Landwirt erhielt damals Marillenbäumchen als Ausgleich für geliefertes Korn. Heute prägen die Obstgärten besonders im Frühjahr zur Blüte und in der Erntezeit das Bild der Umgebung. Der Marillenanbau entwickelte sich zu einem wichtigen landwirtschaftlichen Merkmal; lokale Veranstaltungen und Vermarktung knüpfen daran an. Die Blüte setzt meist Ende März oder Anfang April ein; die Ernte beginnt je nach Witterung Anfang bis Mitte Juli. Diese saisonalen Phasen prägen den Jahresrhythmus der örtlichen Obstgärten.
Quellen: Kittseer Marillen
Pfarrkirche und Bahnanschluss
Die katholische Pfarrkirche und das Schloss liegen im Ortsgefüge, während der Bahnhof die Gemeinde an die Strecke Richtung Bratislava und Parndorf anschließt. Der Bahnhof liegt etwa 15 bis 20 Gehminuten vom Ortszentrum entfernt. Die Pfarrkirche ist dreischiffig und besitzt einen rund 36 Meter hohen Westturm.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
