ZAGERSDORF KENNENLERNEN
Zagersdorf: Rebkerne, Rotwein und Tamburica
Zagersdorf liegt im nördlichen Burgenland nahe Eisenstadt und an der Grenze zu Ungarn. Die Gemeinde im Bezirk Eisenstadt-Umgebung umfasst rund 7,30 Quadratkilometer; am 1. Jänner 2026 lebten hier 1.169 Menschen. Weinbau gehört ebenso zum örtlichen Profil wie die burgenlandkroatische Kultur. Eine besondere Verbindung beider Themen zur Geschichte ergibt sich aus den Funden im Urbarialwald und aus dem musikalischen Vereinsleben. Der Ort lässt sich deshalb nicht allein über seine Lage beschreiben: Archäologie, Weintradition, kirchliche Denkmäler und Tamburica-Musik liefern jeweils konkrete Anknüpfungspunkte für ein Gemeindeporträt.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Zagersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Ein Weinbezug aus der Hallstattzeit
Bei Ausgrabungen im Zagersdorfer Urbarialwald wurden 1985 in einem hallstattzeitlichen Grab Rebkerne gefunden. Die Gemeinde datiert den Fund auf die Zeit um 700 vor Christus und verweist darauf als frühen Beleg der örtlichen Weingeschichte. Am Fundort erinnert eine stark vergrößerte Darstellung eines Traubenkerns von Heinz Bruckschwaiger an die Entdeckung. Die Grabhügel wurden als historische Weingedenkstätte gestaltet. Der Fund verbindet die heutige Weinbaugemeinde mit einer wesentlich älteren Nutzung von Trauben. Zagersdorf ist insbesondere für Rotwein bekannt; die Gemeindedarstellung hebt dabei den Blaufränkisch hervor.
Quellen: Gemeinde Zagersdorf – Geschichte und archäologische Funde
Musik als Träger von Sprache und Brauchtum
Die Tamburica Zagersdorf wurde 1971 von Mate Klikovits gegründet. Ihr musikalisches Wirken dient der Pflege burgenlandkroatischer Sprache und Tradition. Die Gruppe trat auch außerhalb Österreichs auf, unter anderem in anderen europäischen Ländern, Australien und Asien. Nachwuchsgruppen ergänzen die Weitergabe der Musik an jüngere Generationen. Dabei richtet sich das Programm nicht ausschließlich an ein kroatischsprachiges Publikum. Die Lieder vermitteln auch Zuhörern ohne entsprechende Sprachkenntnisse einen Zugang zur örtlichen Musikkultur. Auf der Website der Gemeinde sind Hörbeispiele verlinkt, die diesen Teil Zagersdorfs unmittelbar erfahrbar machen.
Quellen: Gemeinde Zagersdorf – Tamburica Cogrštof Zagersdorf
Ein Dorf mit wechselnder Verwaltungsgeschichte
Die erste urkundliche Erwähnung Zagersdorfs wird auf 1461/62 datiert. Nach der Zerstörung von 1532 erfolgte eine Neubesiedlung durch Kroaten, ein wichtiger Hintergrund der bis heute bestehenden kulturellen Prägung. Der ungarische Ortsname lautet Zárány. Mit der Entstehung des Burgenlands wurde Zagersdorf 1921 Teil Österreichs. Eine spätere Veränderung betraf die kommunale Selbstständigkeit: Vom 1. Jänner 1971 bis zum 31. Dezember 1991 war der Ort mit Siegendorf zusammengelegt. Seit 1992 besteht Zagersdorf wieder als eigenständige Gemeinde. Ältere Unterlagen können deshalb andere Verwaltungszuordnungen zeigen als das heutige Verzeichnis.
Kirche und Kapellen in der Weinlandschaft
Die Pfarrkirche entstand im 18. Jahrhundert; ihr Turm kam 1810 hinzu. Weitere religiöse Denkmäler sind die Kreuzkapelle von 1727 und die 1717 errichtete Sebastianssäule sowie eine Marien- und eine Dreifaltigkeitssäule. Diese Bauten ergänzen die archäologischen Zeugnisse um jüngere Formen örtlicher Erinnerung und Frömmigkeit. Sie stammen nicht alle aus derselben Bauphase, sondern verteilen sich über mehrere Generationen. Wer Zagersdorf betrachtet, begegnet dadurch unterschiedlichen Zeitschichten: den vorgeschichtlichen Grabhügeln, der frühneuzeitlichen Neubesiedlung, den Kirchenbauten und dem jüngeren Vereinsleben. Der Weinbau bildet einen weiteren, bis heute sichtbaren Zusammenhang zwischen Ort und Umgebung.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
