DRASSBURG KENNENLERNEN
Zwischen Taborac und Schlossgarten: Draßburg
Draßburg liegt im nördlichen Burgenland zwischen offenen Feldern und den bewaldeten Ausläufern der Rosalia. Der Ort ist klein, seine Geschichte aber vielschichtig: Archäologische Funde am Taborac reichen von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter, während die kroatische Ansiedlung des 16. Jahrhunderts Sprache und Glaubensleben nachhaltig prägte.
Quellen: Draßburg – Wikipedia, feste Artikelversion
Hügel und Siedlungsspuren
Draßburg liegt im Naturpark Rosalia-Kogelberg, südlich von Eisenstadt. Landwirtschaftlich genutzte Flächen treffen auf bewaldete Höhen und Geländestufen. Westlich des Orts steigt der Taborac an, dessen Terrasse wiederholt besiedelt und genutzt wurde. 1933 kam dort die sogenannte Venus von Draßburg ans Licht: eine kleine jungsteinzeitliche Gefäßscherbe aus der Zeit der Linearbandkeramik. Grabungen brachten außerdem einen verzierten Armreif aus der Latènezeit sowie römische und mittelalterliche Gegenstände zutage. Im Frühmittelalter stand auf der Anhöhe eine Ringwallanlage. Diese Fundorte zeigen, dass der Taborac über lange Zeit eine markante Stelle in der Umgebung war. Draßburg selbst bildet die einzige Ortschaft der Gemeinde.
Taborac und kroatische Geschichte
Der Name Taborac erinnert an ein befestigtes Lager auf dem Hügel. Im 15. Jahrhundert nutzte eine hussitische Söldnergruppe die dortige Befestigung; um 1465 wurde das Lager aufgegeben. Der Ort verödete teilweise. Ab 1533 ließen die Grundherren kroatische Bauern ansiedeln, um entvölkerte Höfe wieder zu bewirtschaften. Namen aus dem 16. Jahrhundert belegen deutsch- und kroatischsprachige Haushalte; mit der Zeit wurde Draßburg überwiegend kroatisch geprägt. Die Verbindung wirkte in Kirche und Schule hinein. Bis 1851 war Draßburg eine Filialgemeinde von Baumgarten, dessen Pfarre kroatische Priester hatte. Im 19. Jahrhundert kamen durch Arbeit in umliegenden Betrieben weitere deutsch- und ungarischsprachige Familien hinzu. Bis 1921 gehörte der Ort zu Ungarn; seither ist er Teil des Burgenlands.
Kirche, Schloss und Park
Die Pfarrkirche hl. Anna steht im Ortsteil Obergut auf einer mittelalterlichen Wehrmauer. Im Untergut liegt Schloss Draßburg, dessen Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt und das im 17. und 18. Jahrhundert umgebaut wurde. Der barocke Schlosspark ist über mehrere Terrassen angelegt; Glashäuser und Gartenplastiken des Bildhauers Jakob Schletterer gehören zu seiner historischen Ausstattung. Das Schloss wurde in den 1960er Jahren für einen Hotelbetrieb umgebaut und später restauriert. Zu den kleineren Sakralbauten und Erinnerungszeichen zählen die Johannes-Nepomuk-Kapelle, die Marienkapelle und ein Florianibildstock. Auf einer Anhöhe steht das Schwarze Kreuz. Seine Widmung in ungarischer, deutscher und kroatischer Sprache erinnert an Königin Elisabeth und hält die mehrsprachige Geschichte des Orts sichtbar.
Gemeindeverwaltung im Wandel
Auch die Verwaltungsgeschichte hinterließ konkrete Spuren. Nach der Aufhebung feudaler Strukturen wurden Gemeinden im 19. Jahrhundert in Bezirke und Notariatsverbände eingeordnet. 1856 begann Johann Schöberl als Notar für Draßburg, Baumgarten und Zagersdorf. Nach dem Anschluss des Burgenlands an Österreich planten Draßburg und Baumgarten ein gemeinsames Kreissekretariat. Die Landesregierung stimmte dem Vorhaben 1924 zu; Draßburg stellte die nötigen Räume bereit. 1925 nahm der Verwaltungssekretär Rudolf Haas seinen Dienst auf. So wurde Draßburg vorübergehend Verwaltungsstandort für die Nachbargemeinden.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
