KLINGENBACH KENNENLERNEN
Ein Grenzort mit Spuren bis in die Römerzeit
Klingenbach ist vielen Menschen durch den gleichnamigen Grenzübergang nach Sopron bekannt. Die Gemeinde im Bezirk Eisenstadt-Umgebung besitzt jedoch eine Ortsgeschichte, die weit über diese Verkehrsfunktion hinausreicht. Archäologische Funde, die historische Verbindung zu Ödenburg und die burgenlandkroatische Besiedlung gehören zu ihren prägenden Themen. Klingenbach ist der einzige Ort innerhalb der Gemeinde. Laut Gemeindeverzeichnis lebten hier am 1. Jänner 2026 insgesamt 1.196 Menschen; das Gemeindegebiet umfasst rund 4,83 Quadratkilometer. Der Ort ist gemischtsprachig. Seine Lage nahe der ungarischen Grenze und der burgenländischen Landeshauptstadt macht ihn zu einem überschaubaren, aber historisch eng mit der Umgebung verflochtenen Gemeinderaum.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Klingenbach – Wikipedia, feste Artikelversion
Der Bach, der dem Ort seinen Namen gab
Der Klingenbach entspringt im Ortsgebiet und gab der Siedlung ihren Namen. Sein weiterer Lauf folgt der Ödenburger Bundesstraße B 16 in Richtung Siegendorf. Dort mündet er von rechts in den Nodbach. Der namensgebende Wasserlauf überschreitet somit die heutige Gemeindegrenze. Auch für die frühe Erschließung der Landschaft waren Verbindungen durch diesen Raum wichtig: In der Römerzeit verlief hier die Straße zwischen Scarbantia, dem heutigen Sopron, und Vindobona, dem heutigen Wien. Ein Teil der überlieferten Trasse entspricht dem Hotterweg zwischen Klingenbach und Zagersdorf.
Grabfunde und ein römischer Gutshof
Mehrere Funde weisen auf eine Besiedlung lange vor der ersten schriftlichen Ortsnennung hin. Ein Steinbeil wird als Hinweis auf eine mögliche Nutzung in der Jungsteinzeit gewertet. Aus der Frühlatènezeit ist ein Frauengrab bekannt, das ungefähr auf 350 vor Christus datiert wird. Zu seinen Beigaben gehörten bronzene Armreifen, ein Fingerring und Gefäße. Für die römische Zeit sind ein Gutshof und Hügelgräber überliefert. Diese Zeugnisse erlauben es, die Ortsgeschichte in größere Zeiträume einzuordnen. Sie sollten jedoch von der Geschichte der später unter dem Namen Klingenbach dokumentierten Siedlung unterschieden werden.
Von der Abtei Marienberg zur Stadt Ödenburg
1276 wurde Klingenbach erstmals urkundlich erwähnt. Die damalige Urkunde betrifft die Übergabe des Gutes an die Abtei Marienberg. Im frühen 15. Jahrhundert kam der Ort unter die Hoheit der benachbarten Stadt Ödenburg. Diese Verbindung hatte konkrete Folgen: 1510 erhielt Ödenburg gemeinsam mit seinen Stadtdörfern, darunter Klingenbach, für zwei Jahre eine Befreiung von Steuern und Abgaben, damit die städtischen Befestigungen ausgebaut werden konnten. Nach der Zerstörung von 1529 wurde Klingenbach von Kroaten neu besiedelt und aufgebaut. Seit 1921 gehört die Gemeinde zum österreichischen Burgenland.
Ein Friedhofskreuz mit einer Geschichte über die Grenze hinweg
Zu den örtlichen Sakralbauten gehört die katholische Pfarrkirche. Ein besonderes Denkmal ist das steinerne Friedhofskreuz mit Pietà. Es entstand um 1770 und wurde 1810 im neuen Friedhof aufgestellt. Zuvor befand es sich beim aufgehobenen Paulinerkloster Wandorf, dem heutigen Sopronbánfalva. Das Denkmal besitzt damit selbst eine Herkunftsgeschichte, die den Ort mit dem Raum Sopron verbindet. In jüngerer Zeit prägte der Durchgangsverkehr zum Grenzübergang Klingenbach. Eine 1995 errichtete Umfahrungsstraße sollte die Bevölkerung im Ortskern entlasten. Historische Beziehungen und moderne Verkehrswege überlagern sich hier auf engem Raum.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
