TÜRNITZ KENNENLERNEN
Türnitz: Markt am Ende des Traisentals
Die Marktgemeinde Türnitz erstreckt sich über 145,51 Quadratkilometer im südwestlichen Traisental. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 1.803 Einwohner. Türnitz und Traisenbach fließen am Markt zusammen und bilden die Türnitzer Traisen.
Täler und Höhen
Türnitz, Lehenrotte und Freiland sind die drei amtlichen Ortschaften; elf Katastralgemeinden sowie zahlreiche Rotten und Einzellagen bilden die weitere Verwaltungsgliederung. Im Südwesten liegen Türnitzer Höger, Eibl und Tirolerkogel, nördlich davon Eisenstein und Hohenstein. Der Markt liegt auf etwa 466 Metern Seehöhe. Die Mariazeller Straße steigt am Talschluss zum Annaberg-Pass auf 976 Meter an; eine weitere Passstraße quert zum Pielachtaler Gscheid.
Vom Klosterbesitz zum Markt
Die erste urkundliche Nennung als „Durntze“ stammt aus dem Jahr 1209. Herzog Leopold VI. übertrug damals Rechte an der Grundherrschaft dem Stift Lilienfeld. Wallfahrten nach Mariazell machten Türnitz im 13. Jahrhundert zu einer wichtigen Raststation an der Via Sacra; 1371 erscheint der Ort als Markt. Handwerker siedelten sich über Jahrhunderte im Umfeld der Kirche an. 1720 begann in Gstettenhof eine Glasfabrik, die 1815 rund 200 Beschäftigte zählte. Im Markt entstand 1825 aus einer älteren Hammerschmiede ein Sensenhammer. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Sensenerzeugung bis zu 1.400 Stück täglich.
Kirche, Kurort und Eisenbahn
Die Pfarrkirche dürfte um 1100 bereits ein gemauertes Gotteshaus gewesen sein; gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde es spätgotisch erweitert. Am 8. Mai 1509 weihte es der Passauer Weihbischof Bernhard. Pfarrer Ladislaus Pyrker wirkte von 1807 bis 1811 in Türnitz. Als französische Truppen 1809 den Markt bedrohten, verbürgte er sich für die Bevölkerung und wandte so laut Pfarrseite eine Brandschatzung ab. Auf dem Kirchenplatz erinnert ein 1993 errichteter Brunnen an Pyrker. Im 19. Jahrhundert entstanden im Auhof eine Kur- und Wasserheilanstalt und Promenadenwege. Die Ortsgeschichte nennt damit einen Wandel hin zum Fremdenverkehr, noch bevor die Stichbahn Freiland–Türnitz 1908 eröffnet wurde.
Schlucht, Höhle und Feldbahn
Im frühen 20. Jahrhundert gewann neben dem Fremdenverkehr der Skisport an Bedeutung: 1912 fand am Eibl der erste Schiwettlauf statt. Die Bahnverbindung wurde 2001 eingestellt; seit 2012 führt ein Radweg auf der ehemaligen Trasse von Freiland nach Türnitz und passiert dabei drei Tunnel. Die Gemeinde führt die Falkenschlucht, Paulinenhöhle und Anthofgrotte als Ausflugsziele. Die Falkenschlucht ist rund 600 Meter lang; ihre Felswände steigen bis zu 100 Meter hoch. Der Wiener Wallfahrerweg führt von der Ortsmitte rund neun Kilometer bis zum Eisernen Tor, wo er über die Falkenschlucht und Ulreichsberg weiterläuft. Der Weg folgt dabei dem Retzbach; zum Schluchteingang dauert die Wanderung etwa eine Stunde. Im Ortsteil Freiland zeigt das Feld- und Industriebahnmuseum schmalspurige Bahnen, wie sie im Bergbau, in Industrie, Bauwesen und Forstwirtschaft eingesetzt wurden. Seine Dauerausstellung umfasst rund 4.500 Quadratmeter; der Verein bietet Gelände- und Outdoor-Führungen an. Nach dem Hochwasser 1997 wurde die Falkenschlucht saniert, eine weitere Sanierung erfolgte 2011.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Türnitz – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Türnitz – Geschichte
- Marktgemeinde Türnitz – Sehenswertes
- Feld- und Industriebahnmuseum Freiland
- Marktgemeinde Türnitz – Pfarre Türnitz
- Marktgemeinde Türnitz – Bahnradweg Freiland–Türnitz
- Museumsmanagement Niederösterreich – Feld- und Industriebahnmuseum Freiland
- Marktgemeinde Türnitz – Falkenschlucht
- Marktgemeinde Türnitz – Via Sacra und Wiener Wallfahrerweg
- Land Niederösterreich – Gemeindestatistik Türnitz
Stand der Angaben: 08.10.2026
